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In 2020 erschien mit Call of the Sea bereits ein starker Indie-Puzzler vom spanischen Studio Out of the Blue Games, der durchaus eine kleine Fangemeinde aufbauen konnte. Story, Rätsel und Atmosphäre hinterliessen damals schon einen richtig starken Eindruck und schnürten ein erinnerungswürdiges Gesamtpaket. Aber kann Call of the Elder Gods daran anknüpfen? Sind die Rätsel wieder genau so ausgeklügelt und toll mit der erzählerischen Stärke des Teams verwoben? Spoiler: Absolut!
Call of the Elder Gods mit Spuren von Lovecraft und starken Rätseleinlagen
Wie fasst man Call of the Elder Gods am besten zusammen, wenn man von den “Call of” Spielen bisher noch nicht so viel gehört hat? Die Mischung ist durchaus spannend, denn das Studio webt hier clever Elemente aus Lovecraft ein, lässt euch interessante Enscheidungswege wie ein wenig bei Tell Tale Spielen und dann kommen auch noch richtig starke Rätseleinlagen zum tragen, die sonst in spezialisierten Games in dieser Form zu finden sind. Das alles führt zu einem unterhaltsamen, fast schon cineastischem Anspruch beim Spielen und gerade solche Games liebe ich ja wirklich, die einen mit spannender Erzählung und clever eingewobenen Mechaniken bei der Stange halten können.
Weitere Spiele für Switch 2 im Test
Die Story dreht sich hier massgeblich um die Studentin Evangeline Drayton und den Professor Harry Everhart, die beide an der Miskatonic Universität beschäftigt sind. Evangeline wird von Alpträumen über ein merkwürdiges Artefakt geplagt, das allerdings bereits vor Jahrzehnten entdeckt und katalogisiert wurde. Professor Everhart hingegen hat merkwürdige Halluzinationen in seinem Wahrnehmungsbereich, die er irgendwie versucht auszublenden. Beide tun sich im Spiel zusammen um den Vorkommnissen nachzugehen und taumeln dabei in eine Geschichte einer Zivilisation ein, die weitaus Älter ist, als sie sich hätten jemals vorstellen können. Die Reise führt unsere beiden Darstellenden übrigens über den gesamten Globus. Atmosphärisch in Szene gesetzte englische Herrenhäuser, bis hin zu den australischen Outbacks oder verschneite Berggipfel.
Das Game macht übrgiens auch keinen Hehl daraus, woher die Inspiration stammen könnte. Ähnlichkeiten mit H.P. Lovecrafts “The Shadow Out of Time”, wo eine längst vergangene, hochentwickelte ausserirdische Zivilisation auf der Erde lebte, sind nicht zufällig gewählt. Natürlich bietet Call of the Elder Gods eine ganz eigene Geschichte, bietet aber auch Elemente, die direkt aus dem Buch stammen könnten.
Screenshots: PocketPC.ch / Laser
Wer den Vorgänger gespielt hat, weiss zumindest was im neuen Teil auf einen zukommt: Rätsel ohne Ende. Allerdings wirft euch Call of the Elder Gods diese nicht einfach gedankenverloren in den Raum. sondern tragen sie auch massgeblich zur Story-Entfaltung bei. Der Schwierigkeitsgrad steigt dabei immer mehr an und ihr solltet euch schon darauf einstellen ordentlich Hirnschmalz für das Lösen einzusetzen. Unfair waren die Rätsel in unserem Test aber nie, sondern wenn man sie wirklich löst, zuckt der Aha-Moment wie ein kleiner Adrenalinschub durch den Körper. Während sich am Anfang die Puzzle noch in begrenzten Bereichen abspielen, dehnen sich diese immer weiter aus. So übernehmt ihr ab einem gewissen Punkt mehrmals die Kontrolle beider Charaktere um verschiedene Objekte zu bewegen oder sogar bei “Zeitverschiebungen” (ich muss mich echt zwingen hier nicht zu spoilern) Logikstränge nachverfolgen. Ihr solltet unter Umständen auch selbst einen kleinen Notizblock bei euch haben, um eventuell Codes oder Reihenfolgen aufzuschreiben!
Allerdings hab ich an dieser Stelle auch eine kleine Kritik, die ich nicht komplett unerwähnt lassen will. Gerade am Anfang bis hin zum Mittelteil, fesselt die Geschichte rund um die beiden Forschenden enorm. Vor allem (ich will hier wirklich nicht zu viel verraten) das Erkunden einer Forschungseinrichtung aus der Nazi-Zeit, war unglaublich spannend und stark eingebunden. Aber um die “Lovecraft-igkeit” (kann man das so schreiben?) wohl etwas deutlicher zu unterstreichen, verliert sich das Spiel gegen Ende hin in vielen rapiden, aufeinanderfolgenden Wendungen. Das ist ok und funktioniert auch irgendwie, aber es bleiben durchaus Fragen offen am Ende, die man vielleicht gerne geklärt haben wollen würde.

Die Forschungseinrichtung ist echt beklemmend und das soll sie auch echt sein! Bild: Out of the Blue Games
Starke Grafik, tolle Atmosphäre und richtig gut, vollständig vertont
Ähnlich wie Rätsel-Games wie We were here, spielt sich auch Call of the Elder Gods aus der Ego-Perspektive. Die Rätsel werden manchmal einzeln oder auch im Doppelpack gelöst, wenn beide Charaktere dann im gleichen Bereich story-technisch anwesend sind. Die Ego-Perspektive hilft dabei einen guten Überblick zu behalten. Die Grafik hilft ebenfalls und zwar enorm dabei die Stimmung und Atmosphäre einzufangen. Das Game basiert auf der Unreal Engine 5, nutzt aber einen comichaften Stil, der mich persönlich wieder mehr an We were here oder auch Telltale Games erinnert. Der Look ist aber perfekt um die mystischen Umgebungen zu zeichnen, die enorm detailliert daherkommen. Das ehemalige Forschungslabor aus der Nazizeit lässt einem durchaus einen kalten Schauer über den Rücken laufen.
Ebenfalls stark ist die Vertonung des Spiels. Alle Charaktere haben eine echte Stimme erhalten und tragen massgeblich zur Atmosphäre bei. Gerade dann, wenn in diversen Situationen (ja, ich will schon wieder nicht spoilern) gewisse Dinge schief laufen, merkt man schon, wie gut die Sprechenden bei der Sache sind. Das macht viel fürs Spielgefühl und entführt euch dann eher in eine filmische Szenerie. Denn auch wenn Call of the Elder Gods sich hier im Test als Puzzler gibt, so ist die Geschichte und alles darum herum eher cineastisch in Szene gesetzt. Ich persönlich mag sowas sehr.
Dass die Grafik auf “Ultrarealismus” (oder wie man es nennen will) verzichtet, hilft auch bei den verwendeten Ressourcen. Denn die Switch 2, so neu sie auch sein mag, ist jetzt kein 4K@120-Leistungsmonster. Wie genügsam Call of the Elder Gods ist, zeigen berichte auf ProtonDB.com, wo das Spiel auf dem Steam Deck in nativer Auflösung bei mittleren Einstellungen locker die 60 FPS halten kann. Das bringt mich übrigens zu einem (für mich!) sehr wichtigen Pluspunkt: das Spiel läuft auch auf Linux komplett ohne Probleme! Das gehört jetzt zwar nicht hier in den Nintendo Switch 2 Test zum Spiel, aber ich will es dennoch wohlwollend erwähnen. Danke, Out of the Blue Games!

Im Notizbuch findet ihr wichtige Infos zu Rätseln und Story. Je nach Schwierigkeitsgrad werdet ihr unterschiedlich stark an die Hand genommen. Bild: PocketPC.ch / Laser
Schwierigkeitsgrad anpassbar durch verschiedene Einstellungen im Spiel
Sollten euch die Rätsel in Call of the Elder Gods zu schwierig sein, habt ihr die Möglichkeit in den Einstellungen einige Schalter zu bewegen, um das Spielerlebnis an eure Bedürfnisse anzupassen. Unter anderem stehen euch dann mehr Notizen und Hinweise im Spiel selbst zur Verfügung, die euch deutlich mehr an die Hand nehmen. Grundsätzlich kann das dann schon dazu beitragen den Frustfaktor etwas abzubauen, wenn man mit dem eigenen Gehirnschmalz vielleicht auch nicht mehr so weiter kommt.
Gerade die späteren Rätsel, wenn sich alles Richtung Zeitreisen und Astrologie verschiebt, können diese auf den ersten Blick verwirren. Ich stand anfänglich im letzten Viertel häufiger vor den Puzzlen und dache “ok… schauen wir uns das alles erst einmal in Ruhe an” und dann klickte nach einiger Zeit dann doch der Groschen. Aber genau das sind die Momente, die dann auch wirklich Spass machen.
Ich kann daher nur empfehlen, die Finger von den Einstellungen für die Schwierigkeit erst einmal beiseite zu lassen. Wer wirklich am Ende nur gefrustet ist, soll dann ruhig weitere Hilfen einstellen. Aber es schadet sich erst einmal selbst etwas zu überleben. Schaut es euch also wirklich erst einmal in Ruhe an. Vielleicht entdeckt ihr auch einen rätselfreudigen Teil an euch, den ihr so noch nicht kanntet.
Video: Kwalee Games
Fazit: Call of the Elder Gods ist eine klare Empfehlung für Puzzle-Fans!
Was soll ich auch noch weiter schreiben? Schliesslich ist Call of the Elder Gods kein 150 GB grosser Mega-Seller mit Millionen von Gameplay-Mechaniken und einer riesigen Erdball-grossen Open-World und das will es auch nicht sein. Der geistige Nachfolger von Call of the Sea ist auch dieses Mal wieder rundum gelungen und zeigt, dass derartige Puzzle Games bis heute nicht nur beliebt, sondern auch weiterhin spannend erzählt und toll in Szene gesetzt werden können. Die Rätsel passen sehr gut ins Setting, sind nicht Out-of-Place und geben auch das Gefühl zur Geschichte zu gehören. Zudem performt das Game auf der Switch 2 ordentlich und sieht auch auf einem grossen Fernseher richtig gut aus, was auch dem Stil der Grafik zu verdanken ist.
Ja, die Story wird gegen Ende etwas sehr schnell und voreilig mit Wendungen und übertreibt es vielleicht auch ein wenig mit dem Überraschungsfeuerwerk und irgendwie werden auch viele Fragen am Ende nicht beantwortet, aber das schmälert das Erlebnis nicht. Die Geschichte ist für sich selbst gesehen gut und sie fesselt, vor allem in satten 75 Prozent des Spiels und da macht der wilde Ritt am Ende auch nichts aus. Für Menschen, die vielleicht auch weniger Kopfzerbrechen bei den Rätseln haben möchten, können sich entsprechende Hilfe über die Optionen zuschalten. Ich empfehle allerdings für das volle Erlebnis zumindest die Puzzle erst einmal zu versuchen, selbst wenn ihr dafür einige Zeit aufwenden müsst. Allein das Lösen dieser, wird mit Fortlaufen des Spiel mit immer mehr “Dopamin” im Hirn belohnt.
Allerdings, und das sage ich nun auch mit Bedacht, ist diese Art von Spiel nicht für alle geeignet. Nicht nur wegen des recht hohen Anspruchs, den ein typisches Rätselspiel meist auch mit sich bringt, sondern eben weil es kein action-geladenes Superfeuerwerk ist. Die Unterhaltung hier speist sich aus anderen, grundlegenden Gameplay-Entscheidungen. Es ist kein RPG, kein Rennspiel, sondern ein waschechter Puzzler und das muss man in erster Linie schon mögen. Meist ist die Zielgruppe hier eher klein.
Insgesamt kann ich euch Call of the Elder Gods nach diesem Test definitiv ans Herz legen. Das Game macht Spass, ist auch im Vergleich zu extremen Produktionen erschwinglich und kostet daher nur 27.99 Schweizer Franken bzw. in Deutschland und Österreich 21.99 Euro. Um Fair zu bleiben: Ich habe das Spiel in rund fünfeinhalb Stunden durchgespielt. Es ist also eher kurzweilig, dafür aber prägnant. Übrigens ist der Titel auch auf PlayStation, Xbox Series XS und auf Steam verfügbar.