Stand: 26.05.2026 13:43 Uhr
Drei Tage lang war das Gemälde «Mein Vater sieht einen Engel» von Georg Baselitz in der Seemannskirche Prerow zu sehen. Besucher kamen aus ganz Deutschland – auch um Abschied von dem Ende April verstorbenen Künstler zu nehmen.
Dieses Bild wird ihre Kirche für drei Tage auf den Kopf stellen – das war der Pastorin Ines Dobbe schon vorher klar. An Pfingsten, einem hohen Fest der Christen. Die Sendung des Heiligen Geistes wird in der Bibel als ein großes Rauschen beschrieben, erklärte die Pastorin am Sonntagmorgen in ihrer Predigt – und auch durch ihre Kirche sei ein Sturm gezogen, als es daran ging, das Gemälde von Georg Baselitz aufzuhängen. «Viele Menschen kamen rein, haben mitgeholfen, haben davor auch schon gewerkelt, um ein Gerüst zu stellen», so Dobbe.
Mehr als 6.000 Besucherinnen und Besucher
Von Freitag bis Montag herrschte reges Kommen und Gehen in der Seemannskirche: Schlangen von Menschen, die das drei mal vier Meter große Bild «Mein Vater sieht einen Engel» sehen wollten. Mehr als 6.000 Besucherinnen und Besucher hat der Förderverein der Kirche gezählt.
Das Werk ist ungewöhnlich farbig, eine regelrechte Farbexplosion. Erschaffen hat es Baselitz 1996 als Teil eines Zyklus über seine Familie. Darauf zu sehen ist, verkehrt herum, sein Vater – gemalt nach einem Foto, das ihn am Prerower Strand zeigt. «Er sitzt da in Badehose und schaut in den Himmel», erklärt Susan Knoll vom Förderverein. «Und man fragt sich: Was hat er denn im Himmel gesehen?»
Prerow-Fan Baselitz: «Sie werden feststellen, wie schön es dort ist»
Die Idee, das Bild nach Prerow zu holen, fand Baselitz sehr charmant – die Anfrage des Fördervereins hatte ihn an seine Kindheit auf dem Campingplatz erinnert. «Wir waren natürlich tief betroffen, dass Herr Baselitz verstorben ist», sagt Knoll. Der Maler habe das Projekt bis zuletzt aus der Ferne begleitet – noch am Tag vor seinem Tod habe er den Chef der Sammlung gefragt, ob er für sie nach Prerow fahren werde. Der habe zugesagt. «Dann soll Herr Baselitz gesagt haben: ‚Sie werden feststellen, wie schön es dort ist.'»
Es ist ein außergewöhnliches Engagement, mit dem der Förderverein seit 30 Jahren die 300 Jahre alte Seemannskirche saniert. Während der drei Tage, in denen das Gemälde in Prerow zu sehen war, konnten die Besucherinnen und Besucher dafür spenden – und die Bereitschaft, dies zu tun, sei überwältigend gewesen, freut sich Knoll.
70 Ehrenamtliche Tag und Nacht im Einsatz

Günter Kern, Bruder von Georg Baselitz, erhält von Susan Knoll einen handsignierten Kunstdruck des Gemäldes. Kern hatte seit 1961 keinen Kontakt mehr zu seinem Bruder – und bedauert, dass er sich nicht verabschieden konnte.
Viele Menschen waren angereist, um sich das Gemälde in der Kirche anzusehen – aus der Umgebung, aber auch aus Hamburg oder Berlin. «Die Leute machen das hier ehrenamtlich – und was hier an Mühe, Aufwand und Einsatz drinsteckt, ist schon unglaublich», meint eine Frau.
Mehr als 70 ehrenamtliche Mitglieder waren Tag und Nacht im Einsatz. Wie Denise Meißner, die am Ausgang aufgepasst hat. «Ich fühle mich verantwortlich, weil diese Kirche in meinem Heimatort steht», so Meißner. «Es ist mir wichtig, dass sie erhalten bleibt, und auch kulturelle Ereignisse wie dieses hier möglich sind.» Auch Mario Voigt, Ministerpräsident von Thüringen und Nummer 500 im Förderverein, hat mitgemacht und Bratwürste, natürlich Thüringer, auf dem Grill gewendet.
So nah an Georg Baselitz wie selten
72 Stunden lang war es möglich, dem Bild «Mein Vater sieht einen Engel» so nah zu sein, wie man selten an ein Gemälde von diesem Weltstar rankommt. Es waren drei Tage, in denen auch Abschied genommen wurde von Georg Baselitz. Das Kondolenzbuch, das der Förderverein ausgelegt hat, soll der Familie des Künstlers übergeben werden.

Das Gemälde «Mein Vater sieht einen Engel» ist über Pfingsten in der Seemannskirche zu bestaunen – für einen guten Zweck.

Über das Pfingstwochenende ist ein bekanntes Gemälde des vor kurzem verstorbenen Malers für 72 Stunden auf dem Darß zu sehen.

Der Maler und Bildhauer ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Er zählte zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern Deutschlands.

Das Seebad ist für seinen feinen Sandstrand bekannt. Neues Wahrzeichen von Prerow ist die moderne Seebrücke mit Inselhafen.
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