StrassenbahnenStadler hat Ärger in Finnland und in Basel

Stadlers Grossauftrag zur Lieferung von bis zu 183 Trams nach Helsinki hängt noch immer in der Schwebe. Der unterlegene Mitbewerber Škoda Transtech hat das Gerichtsurteil, mit dem Škodas Ausschluss aus der Ausschreibung bestätigt wurde, ans Oberste Verwaltungsgericht weitergezogen. Und in Basel geht gar nichts mehr.
Visualisierung des geplanten Stadler-Trams für den Grossraum Helsinki.
Bild: zvg
Im Oktober 2025 war es soweit: Der Grossauftrag für bis zu 183 Strassenbahnen für den Grossraum der finnischen Hauptstadt Helsinki wurde dem Ostschweizer Bahnbauer Stadler zugesprochen. Als erste Tranche soll Stadler 63 Fahrzeuge des Typs Tango fertigen. Ferner besteht eine Option auf bis zu 120 weitere Trams. Hinzu kommt ein Wartungsvertrag über 30 Jahre.
Dieses Verdikt will der Rivale Škoda Transtech, das finnische Tochterunternehmen des tschechischen Škoda-Konzerns, nicht akzeptieren. Die Firma war von der Ausschreibung ausgeschlossen worden, weil sie laut den Verkehrsbetrieben der Grossregion Helsinki (PKO) nicht alle Bewertungskriterien erfüllt hatte. Gegen diesen Entscheid legte Škoda Beschwerde ein, die vom Marktgericht in Helsinki Ende März 2026 abgewiesen wurde.
Nun hat Škoda gegen dieses Urteil Berufung beim Obersten Verwaltungsgericht Finnlands eingelegt. Zudem hat das Unternehmen eine einstweilige Verfügung beantragt, um die Unterzeichnung des Vertrags zwischen Stadler und den PKO bis zu einem endgültigen Gerichtsurteil auszusetzen.
Wert in Milliardenhöhe
Škoda argumentiert, das Marktgericht habe den technischen Teil des Angebots der Firma formalistisch bewertet. Diese Auslegung aber spiegle weder den Inhalt des Angebots noch die tatsächlichen technischen Parameter des vorgeschlagenen Trams. Vielmehr stehe die angebotene Lösung vollständig im Einklang mit den Anforderungen gemäss der Ausschreibung.
Aus diesen Gründen strebt Škoda eine vollständige gerichtliche Überprüfung des Falls an. Zumal das Unternehmen überzeugt sei, dass der von Stadler angebotene Preis für die ersten 63 Trams mit angeblich 331 Millionen Euro deutlich höher sei als das ursprüngliche PKO-Budget (271 Millionen Euro) und als das eigene Angebot (265 Millionen Euro).
Sollten alle 180 Fahrzeuge abgerufen werden und inklusive des Wartungsvertrags summiert sich der Auftragswert auf geschätzte 1,6 Milliarden Euro. Stadler würde die Strassenbahnen in seinem polnischen Werk in Siedlce fertigen, Škoda hingegen in seiner finnischen Fabrik. Dort droht Škoda, wegen der Ungewissheit über die Trambeschaffung Helsinkis, mit dem Abbau von bis zu 200 der 600 Arbeitsplätze.
Vollbremsung in Basel
Derweil ist Stadler auch in Basel blockiert. Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben die geplante Beschaffung von 23 Trams im Wert von 150 Millionen Franken abgebrochen. Dies, weil das vorgesehene Modell die Erschütterungswerte der Bestandesflotte überschreitet.
Die BVB nennen das Modell und den Hersteller zwar nicht beim Namen, aber es ist kein Geheimnis, dass es sich um das Stadler-Tram des Typs Tina handelt, das bei Baselland Transport (BLT) sowie in Darmstadt und Halle als «Rumpel-Tram» in Verruf geraten ist.
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