Die RTS verwandelt ihren neuen Produktionsstandort in Lausanne-Ecublens am 30. und 31. Mai in einen großen Erlebnisraum. Hinter diesem Wochenende der offenen Tür für die breite Öffentlichkeit inszeniert das audiovisuelle Unternehmen vor allem eine neue Art, das öffentlich-rechtliche Medium zu denken: offener, immersiver und ausgelegt auf hybride digitale Nutzung.
Das Programm veranschaulicht dieses Bestreben, das Publikum näher an die Berufe und Herstellungsprozesse der Inhalte heranzuführen. Die Besucherinnen und Besucher erhalten Zugang zu Studios, Übertragungswagen und normalerweise unzugänglichen Bereichen, können aber auch an Workshops zu Wetterpräsentation, Nachrichten-Flashs, Live-Sport oder Podcast-Aufnahmen teilnehmen.
Diese Inszenierung der Kulissen geht über eine bloße institutionelle Aktion hinaus. In einem Umfeld, in dem Medien ihren Wert ständig rechtfertigen müssen, bemühen sich öffentlich-rechtliche audiovisuelle Gruppen zunehmend, ihre Kompetenzen, Infrastrukturen und ihre gesellschaftliche Rolle sichtbar zu machen. Die Tage der offenen Tür werden so zu einem Vermittlungsinstrument ebenso wie zu einem Kommunikationsmittel.
Ein Gebäude für die Medienkonvergenz
Der neue Standort in Ecublens steht sinnbildlich für den industriellen Wandel, den die RTS seit mehreren Jahren vollzieht. Er ist darauf ausgelegt, Radio, Fernsehen und Digitales in einer gemeinsamen Produktionslogik zu vereinen und begleitet die Entwicklung der Nutzung hin zu Inhalten, die gleichzeitig auf mehreren Plattformen konsumiert werden.
Pascal Crittin beschreibt den Standort als einen Raum, der „für die Digitalisierung, die Mediennutzung, das Aufkommen der KI und die Erwartungen des Publikums“ geeignet ist. Eine Aussage, die die aktuellen Anliegen aller europäischen Medien widerspiegelt: Beschleunigung digitaler Workflows, bereichsübergreifende Produktion und Streben nach Effizienzsteigerungen.
Die schrittweise Zusammenführung der Aktivitäten in Lausanne-Ecublens folgt auch wirtschaftlichen Zwängen. Die RTS plant eine Reduktion ihrer Flächen in der Westschweiz um 30 bis 35 % sowie jährliche Einsparungen von mehreren Millionen bei den Betriebskosten. Angesichts des Drucks auf öffentliche Budgets und der Fragmentierung der Zielgruppen wird die Optimierung der Infrastruktur zu einer strategischen Herausforderung für die etablierten Sender.
Das Publikumserlebnis rückt ins Zentrum
Das für dieses Eröffnungswochenende konzipierte Angebot zeigt auch den Wandel in der Beziehung zwischen Medien und Publikum. Die Besucherinnen und Besucher sind nicht mehr bloß Zuschauer: Sie sind eingeladen, die Werkzeuge zur Herstellung von Information und Unterhaltung selbst auszuprobieren. Quiz, Blindtests, Fotobox, immersive Klangerlebnisse, Musik-Showcases und Mitmach-Workshops stehen für ein Engagement-Konzept, das von der Kultur- und Eventbranche inspiriert ist.
Dieser Trend zeigt sich bei mehreren europäischen öffentlich-rechtlichen Sendern, die ihre Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern stärken wollen, während digitale Plattformen die Beziehung zu den Inhalten entflechten. Medien investieren daher verstärkt in physische Erlebnisse, Veranstaltungen und partizipative Formate, um die Verbindung zu ihren Communities neu zu schaffen.
Die RTS möchte diese Dynamik über das Eröffnungswochenende hinaus fortsetzen. Im gesamten Juni werden am Standort öffentliche Sendungen, Workshops und Führungen angeboten. Das Unternehmen plant zudem, seine Aktivitäten zur Medienbildung deutlich auszubauen – von 300 auf 400 Workshops jährlich ab dem kommenden Jahr.
Eine strategische Visitenkarte für die SRG
Das Projekt Lausanne-Ecublens kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt für den Schweizer Service public. Angesichts der wiederkehrenden Debatten um die Finanzierung der SRG und der wachsenden Konkurrenz internationaler Plattformen werden Innovations- und Wandlungsfähigkeit zu politischen wie redaktionellen Argumenten.
Mit der weit geöffneten Tür zu ihrem neuen Campus will die RTS auch konkret zeigen, was ein öffentlich-rechtliches Medium heute bedeutet: eine technologische Infrastruktur, spezialisierte Berufe, lokale Produktionskapazität und eine aktive Rolle in der Medienbildung. Die Lage des Standorts im Zentrum des EPFL-UNIL-Clusters verstärkt diesen zukunftsgerichteten Aspekt. Sie bringt die RTS näher an ein Umfeld, das von Forschung, digitalen Technologien und Innovation geprägt ist – in einer Zeit, in der Medien ihre Anpassung an technologische Veränderungen und neue Publikumsgewohnheiten beschleunigen müssen.
Praktische Informationen
Das Wochenende der offenen Tür findet am Samstag, 30. Mai (9–21 Uhr) und Sonntag, 31. Mai (8:30–18 Uhr) am Standort RTS Lausanne-Ecublens, Route des Noyerettes 1 in Ecublens statt. Der Eintritt ist frei und ohne Anmeldung möglich. Der Standort ist mit der Metro M1 über die Haltestellen EPFL und UNIL-Sorge erreichbar. Eintritt: frei, keine Anmeldung erforderlich.
Während des gesamten Monats Juni bietet die RTS außerdem öffentliche Sendungen, Workshops und Führungen nach Anmeldung an, um die Entdeckung des neuen audiovisuellen Campus fortzusetzen.