Als die deutschen Großstädte in den 1990er-Jahren entdeckten, dass eine lokale Musikszene nicht nur attraktiv, sondern auch lukrativ sein kann, installierte man allerorten sogenannte Rockbeauftragte, die sich um die Belange der Szene kümmern sollten. Rekrutiert wurden zumeist männliche Musik-Nerds. In Düsseldorf sollte eine solche Stelle aus dem Personalbestand des Öffentlichen Dienstes besetzt werden. Zufällig begann der junge Dirk Weuthen just zu dieser Zeit seine Ausbildung bei der Stadt.

„Zur Auswahl stand eine Banklehre in meiner Heimatstadt Mönchengladbach oder eine Verwaltungsausbildung in Düsseldorf. Ich habe mich für die Landeshauptstadt entschieden. Die wohl beste Entscheidung meines Lebens.“ Dort wirkt er seit 1994; im Kulturamt, Sachgebiet Kunst- und Künstlerförderung, Schwerpunkt Musik. Seither landen sämtliche Bewerbungen und Wünsche heimischer Rock- und Pop-Künstler auf seinem Schreibtisch.

Er gehörte zu den Gründern des Musikfestivals „3-Tage-Rennen“, koordinierte 2005 das Musikprogramm der heimischen Kulturinstitute beim Weltjugendtag. Außerdem ist er CityBeats-Juror, Beiratsmitglied des popNRW-Preises und Nominator fürs PopCamp des Deutschen Musikrats. Nebenbei stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes Düsseldorf. Weuthen bekommt das alles unter einen Hut und weiß es gut voneinander zu trennen. Der 58-jährige Stadtamtsinspektor wirkt wie die personifizierte Zufriedenheit.

Übertriebenes Kunstgetue oder Gönnerposen sind ihm ebenso fremd wie Paragraphenreiterei oder Sinn für Mode. Gerne kombiniert er Jeans mit Anzugssakko, darunter ein knallbuntes Festival-T-Shirt. Sein rebellischer Haarzopf ist dezent versteckt. 1984 wurde er zum Rock-Fan. Beim Konzert von Queen in der Dortmunder Westfalenhalle. Anstecken lässt er sich immer noch gerne. Besonders von heimischen Größen wie Kraftwerk, Rogers und den Toten Hosen.

Beeindruckt ist er aber vor allem von Doro Pesch. „Ich kenne sie seit 35 Jahren. Sie war und ist eine absolute Kämpferin und Wegbereiterin für Musikerinnen in der männerdominierten Rock- und Metal-Szene. Trotz ihres Erfolgs ist sie immer bodenständig geblieben.“

Als Projektleiter der Bandprofessionalisierung rückt er nicht nur die Preisgelder raus. Ablehnungs- oder Rückforderungsbescheide gehören zum weniger vergnüglichen Teil seiner Tätigkeiten. Der gut vernetzte Defensivtaktiker muss auch oft als Vermittler zwischen Bürokraten und Kreativen herhalten. Viele Künstler begleitet er über seine Stellenbeschreibung hinaus.

Einige seiner amtlich geförderten Talente wie Thunder Bae, Aylin Celig und Taruog spielen beim Art:walk Festival (13. & 14. Juni). Und von ganzem Herzen empfiehlt er das Clubkonzert von Thunder Bae und Julika, die am 26. September im Ratinger Hof gastieren.