Am Samstagabend spielte die Band Metallica zum 14. Mal in Berlin. Bereits um 14 Uhr waren in der S-Bahn S9 viele Menschen mit Metallica-Shirts und -Kutten zu sehen. Vor dem Olympiastadion bildeten sich erste Schlangen vor den Toiletten, es gab Merchandise- und Getränkestände. Vor dem Eingang auf dem Olympiaplatz war es da schon proppenvoll. Die Schlangen vor den Toren reichten bis zu den Parkplätzen.
Vor dem Olympiastadion zogen Metalheads auf.
© Emilio Nolte
Auch die Polizei war mit großem Aufgebot vor Ort und bereitete sich auf die Menschenmassen vor. Die Veranstalter machten erste Durchsagen, um die wartenden Fans zu organisieren. Am Nachmittag allerdings hießen die Durchsagen die Fans zwar willkommen – aber zum DFB-Pokal.
Anhand der Autoschilder auf dem Parkplatz war ersichtlich, woher die Metallica-Fans kamen: Jedes deutsche Bundesland war vertreten. Zu sehen waren auch Wagen aus Frankreich, Finnland, Polen und Ungarn. Ganze Reisebusse brachten Fans aus Polen und der Slowakei ans Olympiastadion.
Henning und Karsten waren aus Herten im Ruhrgebiet angereist. Sie trugen Kutten, auf die sie die Sticker von Metalbands für gewöhnlich selbst per Hand aufnähen. „Ich habe extra eine nur mit Metallica-Aufnähern gemacht, so gesehen eine Tribute-Kutte“, sagte Vater Karsten. Für den 14-jährigen Sohn war es das erste Metallica-Konzert. Er freute sich besonders auf den Song „One“. Für den Vater, Fan seit den 80er-Jahren, war es das fünfte Konzert. Sein erstes erlebte der 51-Jährige 2004. „Ich freue mich, dass ich meinen Sohn dabei habe und er die Musik mag“, sagte er.
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Hannah, Julia und Sophia aus Dingolfing in Bayern waren am Freitag angereist und übernachteten in einem Hotel im nahen Spandau.
© Emilio Nolte
Für Hannah, Julia und Sophia war es das erste Konzert. Die Tickets hatten sie von Fan zu Fan gekauft. „320 Euro pro Ticket“, sagte Sophia. „Ich glaube, wir wurden verarscht.“ Hannah freute sich auf die Moshpits bei der Vorband Knocked Loose. „Mein Lieblingslied ist ‚Whiplash‘ vom Album ‚Kill ’em All‘“, sagte Sophia. Fans sind die drei seit etwa fünf Jahren.
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Erika, Michael aus Rheine standen mit ihrem Camper in der ersten Parkplatzreihe. Sie guckten sich von ihren Campingstühlen aus das Geschehen vor dem Olympiastadion an. Kennengelernt hatten sie sich am Freitagabend auf dem Parkplatz. „Auf einer Skala von 1 bis 10 freue ich mich 12“, sagte Rainer vor dem Konzert.
Für Erika und Michael aus Rheine (rechts) und Rainer (links) aus Münster war es das erste Metallica-Konzert.
© Emilio Nolte
Erika hatte schon einmal ein Ticket für ein Metallica-Konzert: Das kostete 1987 für den Gig in Osnabrück 25 D-Mark. Das Konzert fiel dann aus: Der damalige Bassist der Band, Cliff Burton, war im Jahr zuvor bei einem Verkehrsunfall mit dem Tourbus in Schweden gestorben. Ehemann Michael fand später durch seine Frau Erika zur Band.
Sebastian (links) kam ohne Ticket und hatte Glück.
© Emilio Nolte
Sebastian reise aus Hamburg an – ohne Ticket. Eine Dreiviertelstunde lang hielt der 52-Jährige vor dem Einlass sein Schild hoch: „Ticket über? Habe Biergeld“. Vier Männer hatten schließlich ein Ticket für ihn. „Ich bin großer Fan von Metal und Punk, möchte das viele Geld für die Tickets der großen Bands aber nicht mehr zahlen“, sagte er. „Heute habe ich das Ticket für einen Beitrag für die Sparbüchse seines Sohnes bekommen.“ Meist reiche es aber, wenn er den Verkaufenden ein Bier ausgebe. Mit diesem Prinzip gehe er auf über 50 Konzerte im Jahr. „Bei Metallica ist das etwas schwieriger. Alle wollen die sehen.“
So viel Glück hatten Stephan und sein Vater nicht: Sie kauften vorab Tickets über Dritte. „150 Euro für eine Karte“, sagt Stephan. Aber: „Der Code konnte beim Einlass nicht gescannt werden. Am Clearing-Stand sagten die uns, dass die nichts machen können.“ Auch ein zweiter Versuch am Eingang klappte nicht. „Ich bin mir eigentlich sicher, dass die Tickets nicht Fake sind“, sagte Stephan ungläubig.
Fälle wie die von Stephan und seinem Vater wurden am Clearing-Point überprüft. Der Andrang am Stand wurde größer, je näher das Konzert rückte.
© Emilio Nolte
Auch Jörg und Karin aus Sachsen erzählten, dass sie auf gefälschte Tickets hereingefallen seien und noch einmal Tickets kaufen mussten. „Ich weiß nicht, ob ich das Geld wiederbekomme“, sagte Karin. Trotzdem freue sie sich auf das Konzert. Ihr Lieblingslied: „Nothing Else Matters“ – das Hochzeitslied ihrer Tochter. Jörg ist über sie Metallica-Fan geworden.
Ihre Hunde mussten Jörg und Karin im Camper zurücklassen.
© Emilio Nolte
Vor Konzertbeginn lagen auf dem Boden vor dem Olympiastadion bereits viele Flaschen und Dosen. Viele Pfandsammlerinnen und Pfandsammler waren mit Einkaufswagen oder großen Taschen da.
Schon vor dem Konzert wurden Pfandsammler fündig.
© Emilio Nolte
Ein Rekord für das Olympiastadion
Das Olympiastadion war restlos ausverkauft. Weil die Band eine 360°-Rundum-Bühne nutzt, konnten mehr Fans als üblich ins Stadion: Erwartet wurden mehr als 95.000 Zuschauer – ein Rekord für das Olympiastadion, in das bei Konzerten sonst maximal 72.000 Zuschauer dabei sein können. Rasen und Laufbahn wurden mit speziellen Platten geschützt.
Als Support-Acts waren die französische Band Gojira und die für einen Grammy nominierte Hardcore-Band Knocked Loose.
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Metallica rief Fans zu wohltätigen Aktionen auf
Das Konzert wurde seit Tagen in der ganzen Stadt mit wohltätigen Aktionen vorbereitet. So rief die Band zum Blutspenden auf. Als Belohnung spendierte die Band gemeinsam mit ihrer Stiftung All Within My Hands ein exklusives Shirt.
15 Fans hatten am Freitag die Möglichkeit, die Berliner Tafel in ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen. In der Halle 1 auf dem Großmarkt in Moabit sortierten sie eingesammelte Lebensmittel und bereiteten sie für den Weitertransport vor.
Tabea Pauli Kunze von der Berliner Tafel freute sich über die Hilfsbereitschaft der Fans und die tatkräftige Unterstützung. Sie erzählt, dass es bereits in den anderen deutschen Städten im Rahmen der Tour zu Kooperationen zwischen Metallica und der Tafel gekommen sei.
Weniger wohltätig ist ein Pop-up-Shop in der Mollstraße 1 nahe dem Alexanderplatz. Im Angebot sind Fanartikel der Band und das aktuelle Tour-Shirt. Der Shop ist am heutigen Sonntag von 8.30 bis 18 Uhr geöffnet.
Am Abend werden Gesten wie die „Pommesgabel“ zu sehen sein.
© REUTERS/Caitlin Ochs
Metallica zählt zu den erfolgreichsten und einflussreichsten Rockbands der Geschichte: weltweit nahezu 125 Millionen verkaufte Alben, mehr als 17 Milliarden Streams und Konzerte auf allen sieben Kontinenten. Darunter mit über 1,3 Millionen Mitgliedern eine besonders große Fangemeinde im sogenannten „Fifth Member“-Fanclub.
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Seit 2023 ist die Band mit ihrem elften Studioalbum „72 Seasons“ auf Tour und bespielt die größten Arenen dieser Welt. Der große Tourabschluss steigt am fünften Juli in London. Auch in Deutschland machte die Tour Halt und so spielte Metallica bereits Konzerte in Hamburg, München und zuletzt in Frankfurt am Main.