Wer dachte, Googles Ära laufe aus, bekommt 2026 ein Gegenargument in Produktform: Gemini 3, Veo 3, «Nano Banana» und AI Mode schieben Search, Ads und Commerce in Richtung dialogische Suche und agentisches Shopping – mit YouTube als Discovery-Motor.

Redaktion – 20. Februar 2026

 

Vidhya SrinivasanVice President/General Manager, Ads & Commerce
Vidhya Srinivasan, Google Vice President/General Manager, Ads & Commerce (Bilder by Google)

Innerhalb von rund einem Jahr hat Google sichtbar umgestellt: KI ist nicht mehr Feature, sondern Betriebssystem. Anwendungen sind wie Pilze aus dem Boden geschossen – von Gemini 3 als Modell-Basis über Veo 3 und «Nano Banana» im Ads-Asset-Studio bis zum AI Mode, der die Suche in ein Gespräch verwandeln will. Und genau hier passt das alte Bonmot: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

Vidhya Srinivasan, VP/GM Ads & Commerce, beschreibt in ihrem 2026-Ausblick die Zielrichtung mit drei Worten: «fluid, assistive and personal» – Einkaufserlebnisse sollen fliessend, unterstützend und persönlich werden. Für Werbetreibende heisst das: Anzeigenformate, Measurement und Commerce-Logiken werden neu verkabelt. Und YouTube? Bleibt der Ort, wo Entdeckung in Kauflaune kippt.

1) YouTube: Von «Influence» zu Impact – mit KI als Matchmaker

Srinivasans erste grosse These spielt auf YouTubes Heimvorteil: Discovery findet längst nicht mehr nur in der Suche statt, sondern im Stream. YouTube bleibt für Google der Hebel, um Aufmerksamkeit in Handlung zu übersetzen – und zwar über Creator-Ökosysteme. Der entscheidende Dreh 2026: Google will Brands in Echtzeit mit Creator-Communitys matchen, indem KI Inhalte und Publika tief analysiert. «Open call» ist der Anfang – das Ziel ist eine systematische Brücke von organischer Creator-Wirkung zu messbarem Business-Impact.

2) AI Mode: Anzeigen werden nicht «eingeblendet», sondern neu definiert

Der zweite Block ist Googles Antwort auf die neue Suchrealität: Menschen brainstormen, fotografieren, fragen in ganzen Sätzen – und erwarten, dass die Maschine mitdenkt. Genau hier setzt der AI Mode an. Google testet Werbeformate, die unter organischen Shopping-Empfehlungen als «Sponsored» auftauchen – nicht als Störung, sondern als Anschluss an die Logik der Konversation.

(Google)

Parallel dazu positioniert Google Direct Offers als neuen Monetarisierungshebel: massgeschneiderte Angebote (Rabatte, Bundles, Loyalty-Vorteile), ausgespielt im Moment echter Kaufbereitschaft.

(Google)
3) Agentic Commerce: Wenn die KI den «Gruntwork» erledigt

Hier wird es grundsätzlich: 2026 sei «agentic commerce» keine Idee mehr, sondern Realität, schreibt Srinivasan. Das Versprechen: KI-Agenten nehmen die mühsame Vergleichs- und Recherchearbeit ab – und Konsumenten behalten den Spass-Teil. Damit das nicht bei Einzel-Integrationen steckenbleibt, bringt Google das Universal Commerce Protocol (UCP) ins Spiel: eine Art gemeinsame Sprache, damit Businesses, Agenten und Payment-Systeme standardisiert zusammenspielen. UCP-Checkout rollt laut Google in den USA bereits aus (u.a. Etsy und Wayfair; Shopify, Target und Walmart sollen folgen) – direkt in AI Mode und in der Gemini-App.

4) Gemini 3, Veo 3, «Nano Banana»: Kreativ-Pipeline in Studioqualität – in Minuten

Srinivasan formuliert es ungewohnt offensiv: Google habe «ein Jahrzehnt Innovation in 12 Monaten» geliefert – kulminierend in Gemini 3 als bisher intelligentestem Modell. In der Werbung heisst das: Asset Studio wird zur Produktionslinie, in der Tools wie «Nano Banana» und Veo 3 Bild- und Video-Assets in Minuten erzeugen sollen. Der Skalierungsbeleg aus dem Text: In Q4 2025 wurden mit Gemini nahezu 70 Millionen kreative Assets in AI Max und Performance Max generiert.

(Google)
5) Messbarkeit, Trust, Safety: Die «schnelle Spur» soll die «sichere Spur» bleiben

Bei allem Tempo setzt Google den Pflichtsatz an den Schluss – aber nicht als Fussnote: Ohne Vertrauen funktioniert das Agenten-Prinzip nicht. Darum verknüpft Google UCP mit dem Agent Payments Protocol (AP2), das sichere Identitäten, Mandate/Autorisierungen und Zahlungen für agentengesteuerte Transaktionen adressiert. Gleichzeitig kündigt Srinivasan an, den Measurement-Stack neu zu bauen – als «one-stop shop», damit Entscheidungen wieder sauberer auf Wachstum einzahlen.

Fazit

Google wirkt 2026 nicht wie ein Konzern, der seine Cashcow verwaltet, sondern wie einer, der seine eigenen Spielregeln neu schreibt: Search wird zur Dialogfläche, Ads zur integrierten Antwort-Mechanik, Commerce zur agentischen Handlungskette – und YouTube bleibt die emotionale Rampe, auf der Entdeckung passiert, bevor der Warenkorb klickt. Was noch kommt, weiss niemand. Was aber sichtbar ist: Google hält die Spitzenposition in der Werbung nicht trotz KI – sondern mit KI als Beschleuniger.