Tech-Gigant Huawei ist beim Thema In-Ear-Kopfhörer breit aufgestellt, für jeden Tragekomfort gibt es ein passendes Modell. Das Flaggschiff sind aber zweifelsohne die Huawei FreeBuds Pro 5, für die der Hersteller gut 200 Euro aufruft. Ob sich der Preis rechnet, verrät unser Test.
Huawei FreeBuds Pro 5
Huawei FreeBuds Pro 5: Ziemlicher Brummer
Die Huawei FreeBuds Pro 5 sind klassische In-Ears mit kleinen Stängeln an den Seiten, die zum Ohrläppchen hinablaufen. Im Ohr halten sie über Silikonaufsätze, von denen der Hersteller insgesamt vier verschiedengroße Paare beilegt. Die Außenseite besteht bei den Buds komplett aus Kunststoff, mit zusammen gerade einmal 11 Gramm Gewicht fallen die In-Ears in den Ohren kaum auf.
Leider kann man das nicht von der Bauform sagen, denn die Pro 5 stehen recht deutlich aus den Lauschern und drückten im Test auf Dauer ein wenig. Dafür hielten sie sicher. Bei der Schutzklasse gibt sich Huawei etwas nebulös: Laut Hersteller bieten die Kopfhörer die Schutzklasse IP57, wodurch sie staub- und sogar wasserdicht bis zu 1 Meter Tiefe für bis zu 30 Minuten sind. Laut Huawei soll man sie aber nicht unter Wasser einsetzen. Unabhängig davon gilt: Regen oder Schweiß machen der Technik nichts aus, wodurch sie ein guter Begleiter beim Sport sind.
Gerade im Profil fällt auf: Die Huawei FreeBuds Pro 5 stehen recht deutlich aus dem Ohr. © IMTEST / Jan MichelsenDrücken, tippen, streichen, abnicken
Bei der Steuerung ist Huawei ebenfalls vogelwild: Hier wird gedrückt, getippt und gestrichen. Und viele Funktionen sind auf mehreren Wegen verfügbar. Wer die Wiedergabe pausieren oder starten will, kann einmal die Stange zwischen den Fingern zusammendrücken oder alternativ doppelt auf das obere Ende der In-Ears tippen. Auch zwischen Titeln lässt sich auf diese Weise springen oder Anrufe annehmen beziehungsweise ablehnen. Apropos Anrufe: Diese können auf Wunsch auch über Kopfgesten gesteuert werden. Dann reicht ein Nicken oder Kopfschütteln, um Gespräche anzunehmen oder zu verweigern.
Wer die Stange lange gedrückt hält, wechselt zwischen den ANC-Modi, langes Drücken auf der Außenseite startet den eingestellten Sprachassistenten des Smartphones. Wenn man die Lautstärke ändern möchte, wischt man an den Innenseiten der In-Ears nach oben oder unten.
Die Huawei FreeBuds Pro 5 setzen auf klassische In-Ear-Bauweise mit Stäbchen und Silikonaufsatz. © IMTEST / Jan MichelsenANC? Könnte mehr sein
Natürlich ist auch eine aktive Geräuschunterdrückung (Active Noise Cancelling, kurz ANC) an Bord. Wie genau diese Lärmbremse funktioniert, erfahren Sie in unserem Ratgeber. Leider haben die Huawei FreeBuds Pro 5 so ihre liebe Mühe mit einigen Geräuschen. Während das Fernsehprogramm der Partnerin noch zuverlässig ausgeblendet wird, kommen gerade hohe Frequenzen im Alltag recht ungebremst durch die Barriere. Vorbeirauschende Autos, Gespräche im Bus oder Tastaturtippen im Büro werden oft nur spärlich unterdrückt und sind selbst bei moderater Musiklautstärke noch hörbar. Das allgegenwärtige Brummen und Rauschen der Großstadt verstummt jedoch zuverlässig.
Gut: Bei Telefonaten verstummt die Umgebung ebenfalls. Zwar ist die eigene Stimme verzerrt, aber gut verständlich. Gerade bei Gesprächen in lauterer Umgebung – etwa in der U-Bahn oder der Fußgängerzone – ist die Umgebung für Gesprächspartner nicht zu hören. Leise Worte werden ebenfalls zuverlässig übertragen, laute Worte übersteuern aber leicht.
Huawei legt insgesamt vier Silikonaufsatz-Paare bei, damit Sitz und Abdichtung möglichst gut passen. © IMTEST / Jan MichelsenAkkulaufzeit im Rahmen
Für lange Einsätze braucht es einen ausdauernden Akku. Mit einer vollen Ladung kommen die In-Ears allerdings nicht durch den ganzen Tag, selbst bei einer Bahnfahrt von Hamburg nach München könnte es je nach Verspätung knapp werden. Im Laufzeit-Test von IMTEST schafften die Pro 5 bei leicht erhöhter Hörlautstärke und aktiver Geräuschunterdrückung rund 5 Stunden und 50 Minuten. Huawei verspricht bei diesem Setup und in Kombination mit dem Ladecase insgesamt gut 25 Stunden Spielzeit.
Apropos Case: Dieses fällt nicht zu groß aus, liegt gut in der Hand und passt auch problemlos in die Hosentasche. Die Außenseite ist mit einem schicken Ledermuster überzogen, fühlt sich toll an und war im Test nicht kratzanfällig. Für die Bluetooth-Kopplung steht an der rechten Seite eine Taste bereit, aufgeladen wird das Case über ein USB-C-Kabel oder kabellos via Induktion.
Das Ladecase liegt gut in der Hand und setzt auf ein Ledermuster, das sich toll anfühlt. © IMTEST / Jan MichelsenHuawei FreeBuds Pro 5 Test: Was kann der Klang?
Wenig Blöße gaben sich die Huawei FreeBuds Pro 5 beim Klang. Dieser ist zwar insgesamt etwas flach, was auch an den recht leisen Mitten liegt. Doch abgesehen davon können sie nahezu auf ganzer Linie punkten: Details sind sehr gut hörbar, Instrumente präsent und klar getrennt. Stimmen sind sauber und ohne Verfälschung, manchmal haben sie aber etwas Mühe, gegen das Drumherum anzusingen. Der Bass ist gut dosiert und bietet eine angenehme Tiefe, die Höhen sind ebenfalls sauber und ohne Schärfe.
Wer Wert auf Raumklang legt, kann diesen in der App zuschalten. Zur Auswahl stehen Theater, Kino und Konzertsaal. Im Test konnte aber keiner der Raumklangmodi so wirklich überzeugen. Sogar Head-Tracking ist an Bord. Hierbei wird der Klang fest im virtuellen Raum verankert und kommt immer aus einer Richtung, egal, wie Sie sich bewegen – wie bei Geräuschen im echten Leben.
Die App kann viel – wenn man sie findet
Für mehr Funktionen steht außerdem die App „Huawei AI Life“ bereit. Normalerweise folgen an dieser Stelle immer Links für Apple- und Android-Geräte. Und den Link zu Apples App Store hängen wir auch gerne an. Bei Android gestaltet sich die Verfügbarkeit aufgrund des US-Embargos allerdings etwas schwieriger. Denn die App gibt es nur über Umwege via Huaweis AppGallery, die man erst trotz Warnung des Android-Smartphones installieren muss. Anschließend darf man über diese zusätzliche Gallery dann „AI Life“ installieren. Nervig.
Ein Schwachpunkt im Alltag: Unter Android führt der Weg zur App nur Huaweis AppGallery inklusive Warnhinweise. © IMTEST / Jan Michelsen
Denn die App bietet viele tolle Funktionen: Neben Akkuständen, Anpassungen bei der Steuerung und der Geräuschunterdrückung gibt es Klanganpassungen via Equalizer. Huawei bietet hier allerlei Presets. Die FreeBuds Pro 5 lassen sich bei Bedarf orten, die passenden Silikon-Aufsätze via Passform-Test ermitteln. Auch eine adaptive Lautstärke oder Gesprächserkennung aktiviert man hier auf Wunsch. Handy-Zocker finden zudem einen Gaming-Modus, der die Latenz – also Verzögerung zwischen Bild und Ton – reduziert.
Fazit: Soundcore In-Ear-Flaggschiff
Die Huawei FreeBuds Pro 5 sind starke In-Ears, die mit einem Preis von 200 Euro aber einiges kosten. Dafür stimmt das Angebot: Die Kopfhörer sitzen sicher im Ohr und sind vor Witterung geschützt. Die Akkulaufzeit ist mit fast 6 Stunden noch im Rahmen, die Optionen für die Steuerung sind überwältigend vielseitig. Der Klang macht mit wenigen Ausnahmen bei den Mitten richtig Laune. Abzüge gibt es allerdings bei der mäßigen aktiven Geräuschunterdrückung: Vor allem bei hohen Frequenzen hat das ANC seine liebe Mühe. Und so gut und umfangreich die zugehörige App auch ist: Die Installation auf Android-Geräten ist nach wie vor mit zu vielen Hürden verbunden.
PRO Sehr guter Klang Fast 6 Stunden Laufzeit Umfangreiche Bedienmöglichkeiten Gut für Telefonate KONTRA ANC etwas schwach App für Android nur über Umwege
IMTEST-Ergebnis:
gut 1,71
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