Seit einigen Jahren konzentriert sich Gerhard Losemann darauf, in seiner DU-Art-Galerie am Dellplatz Werke aus dem Nachlass von Künstlern aus Duisburg und Umgebung zu zeigen. Nun nahm der Nestor der Duisburger Kunstszene (Jahrgang 1938) das Angebot an, im Saal des EarPorts (Philosophenweg 17A), der Wirkungsstätte der Komponisten Gerhard Stäbler und Kunsu Shim, eine Ausstellung mit seinen eigenen Werken zu realisieren. Es ist eine absolut sehenswerte Retrospektive.

Mehr als 60 Jahre arbeitet Gerhard Losemann als Künstler. Er gehört unbestritten zu den erfolgreichsten Malern und Grafikern der Stadt. Darüber hinaus kennzeichnet sein Schaffen eine erstaunliche Vielfalt. Immer wieder hat er mit malerischen und grafischen Mitteln experimentiert. Er hat für große Firmen und Institutionen Auftragsarbeiten übernommen, dabei aber immer wieder mit Kreativität und nicht mit Anpassungswillen überzeugt.

Hingucker für den Otto-Versand

Auch dann nicht, wenn er beispielsweise für den Otto-Versand Hingucker mit Witz gestaltete. Vor einen Karren ließ sich Losemann nie spannen. Er kann mit Stolz auf seine Karriere als Künstler blicken, bleibt in der Rückschau aber immer auf dem Teppich.

Die gesammelten Werke Losemanns könnten riesige Hallen füllen. Für die Ausstellung im EarPort musste eine Auswahl getroffen werden. Der Künstler entschied sich dafür, nicht chronologisch Arbeiten von Beginn der 60er-Jahre bis in die Jetztzeit exemplarisch zu zeigen und damit die Vielfalt seines Schaffens in unterschiedlichen Lebensphasen zu dokumentieren, vielmehr beschränkt sich Losemann auf seine Materialarbeiten, die in den Jahren von 1972 bis etwa 1982 entstanden sind.

Diese Werke liegen dem Künstler nach wie vor besonders am Herzen. Sie wurden bei Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt, stießen auch bei Kunstsammlern und Kunstvereinigungen auf großes Interesse. Sie gehören zu einer Schaffensphase unmittelbar vor dem Einzug von Computern in den Kunstbetrieb. Losemann gehört zu den ersten Künstlern, die die kreativen Möglichkeiten der Digitalisierung erkannten. In seiner Ausstellung im Lehmbruck-Museum aus Anlass seines 80. Geburtstages vor acht Jahren hatte er sich auf seine Computer-Drucke konzentriert. Auch das sind eindrucksvolle Werke.

Nun aber gibt es Losemann analog. Die Bilder sind „klassisch“ mit Ölfarben und Lack gemalt. Es sind Landschaftsmotive, deren Schönheit durchschimmert, die aber durch verschiedene ins Bild implantierte Materialien ihre naiv-idyllische Anmutung verlieren. Eisenstäbe, Plastikrohre, Kabel, durchlöcherte Metallplatten, Gitter, Autoantennen, Armaturenteile, Ketten, Schrauben und Muttern oder auch mal ein Tierschädel finden sich in diesen Bildern, die abstrakt, aber wirklichkeitsnah gemalt sind.

Technik und Natur stehen da oft gegeneinander – manchmal fast unversöhnt, doch immer mal wieder scheint eine Möglichkeit zum Miteinander angedeutet, wenn sich beispielsweise ein blauer Himmel gegen eine montierte Bausünde, die im Titel „Koloss“ einen Namen bekommt, durchsetzt. Eines dieser zum Nachdenken anregenden Bilder nennt Losemann vieldeutig „Beherrschte Landschaft“.

Ein guter Titel für die gesamte Ausstellung, deren Werke auch mehr als 40 Jahre nach ihrer Entstehung aktuell sind. Für den Künstler ist diese Schau ein besonderes Erlebnis: Noch nie zuvor konnte er all diese Werke, die in einer wichtigen Phase seines Lebens entstanden sind, selber in dieser großen Gesamtansicht sehen.