Am Freitag, 12, Juni, ist es endlich so weit. Die Kinopremiere ihres Films „Sechswochenamt“, der größtenteils in Erkelenz entstanden ist, feiert die aus Erkelenz stammende Regisseurin Jacqueline Jansen passenderweise im Gloria in Erkelenz. Dort öffnet sich um 20 Uhr der Vorhang. Nach weiteren Premieren, unter anderem in Berlin, wird der Film dann ab dem 18. Juni zum bundesweiten Kinoprogramm gehören.

Es war ein langer Weg, bis der Film Sechswochenamt, der von Jansen erfolgreich auf nationalen und internationalen Festivals vorgestellt wurde und dabei mehrere Auszeichnungen erringen konnte, dem großen Kinopublikum präsentiert werden kann. Als Autodidaktin entwickelt, ohne Förderung finanziert, gedreht mit Schauspielerin Magdalena Laubisch und aus der eigenen Biografie heraus erzählt, verbindet Jansen eigene Erfahrungen und die prägenden Erlebnisse der Lockdown-Zeit während der Coronapandemie zu einem ganz persönlichen Heimatfilm. „Wie trauert man richtig? – Sechswochenamt“ ist ein Film über Verlust, Überforderung und den Versuch, einen eigenen Weg des Abschieds zu finden. Mit feinem Humor und skurrilen Momenten stellt sich der Film gegen normierte Vorstellungen von Trauerarbeit. Stattdessen interpretiert er das „Sechswochenamt“ – eine Tradition sechs Wochen nach dem Tod eines Angehörigen – als einen Raum der Grenzüberschreitung, der Selbstfindung und des gemeinsamen Weitergehens.

Am Niederrhein angesiedelt, gedreht in Erkelenz und Umgebung, mit Anklängen an hiesiges Brauchtum und den besonderen Dialekt der Gegend balanciert der Film das schwierige Thema mit feinem Humor und skurrilen Momenten zwischen Leichtigkeit und Ernst, erzählt radikal ehrlich von Verlust, Überforderung und dem Versuch, einen eigenen Weg des Abschieds zu finden. Dabei wird aus dem „Sechswochenamt“ eine Zeit der Grenzüberschreitung, der Selbstfindung und des gemeinsamen Weitergehens. Nicht zuletzt durch das Mitwirken heimischer Schauspiellaien, etwa Gerta Gormanns oder Markus Forg, gewinnt der Film an Authentizität.

2022 begannen die Arbeiten an Sechswochenamt. Nachdem ihr Konzept stand, machte sich die „autodidaktische Filmemacherin“, so Jansen über sich, daran, die Akteure vor der Kamera und das Team dahinter zusammenzustellen. Auch hier spielte Erkelenz eine große Rolle „Wir wollen neben professionellen Schauspielern auch Laiendarsteller einsetzen“, erläuterte Jansen. Drei Tage lang hatte sie in der Leonhardskapelle Interessenten aus der Region getestet. Einige wollten gar nicht vor die Kamera, sie wollten nur auf irgendeine Weise mithelfen bei dem Film, der in Erkelenz und im Kreis Heinsberg spielt. „Über 200 hatten sich angemeldet, über 70 wurden für bestimmte Rollen ausgewählt.“ Aber nicht nur Laienschauspieler wurden gesucht. Die Filmemacherin sah sich Schauplätze an: Das Hospiz, ein Bauernhof, eine Wohnung wurden im Stadtgebiet besucht.

Im Frühjahr 2023 sollte gedreht werden, im ersten Quartal 2024 sollte der Film fertig sein.

Aber diese Realisierung ließ auf sich warten. Erst im Frühjahr 2024 konnte mit den Dreharbeiten begonnen werden. Vornehmlich die Mühlen der Bürokratie und insbesondere die Schwierigkeiten der staatlichen Filmförderung machten der ambitionierten Filmemacherin einen Strich durch den Zeitplan. Dennoch sei es ein „erfolgreiches Jahr“ gewesen, so Jansen: „Es fühlt sich immer mehr an, als würden wir schon drehen.“ Förderzusagen waren in Aussicht gestellt worden, das von Jansen geschriebene Drehbuch hatte nach einer Überarbeitung noch mehr an Format gewonnen und auch die Hauptdarstellerin wurde gefunden, berichtete Jansen: Magdalena Laubisch übernahm die Rolle der „Lore“.

Im Juli 2025 fand die lange Geschichte mit vielen dramatischen Wendungen ein überraschendes Ende: Sechswochenamt feierte beim Münchener Filmfestival nicht nur eine gelungene Uraufführung, sondern wurde auch gleich mit drei Preisen bedacht. Jansen erhielt den Förderpreis für die beste Produktion und Hauptdarstellerin Laubisch für ihre schauspielerische Leistung. Hinzu kam der internationale Kritikerpreis Fipresci. „Alleine, dass uns das Festival eingeladen hatte und wir wussten, Sechswochenamt wird im Rahmen ‚Neues Deutsches Kino‘ seine Weltpremiere feiern, war ein absoluter Hauptgewinn“, sagte die Filmemacherin aus Erkelenz, die in Berlin einen Wohnsitz hat. Nach weiteren Auszeichnungen ist Sechswochenamt jetzt bereit für das „große Kino“. Zur Premiere in Erkelenz hofft Jansen, neben den Schauspielern mit Laubisch an der Spitze auch die Laiendarsteller begrüßen zu können. So wird die Premiere fast ein Familientreffen – wie es bei einem Sechswochenamt nicht unüblich ist.