Das ikonische Gebäude der RTS in Genf wurde für 150 Millionen Franken an die Hans Wilsdorf Stiftung verkauft. Der Kanton Genf, Eigentümer des Grundstücks, spielte eine treibende Rolle bei der Realisierung des Projekts. Die erklärte Ambition geht über rein immobilienwirtschaftliche Überlegungen hinaus: Der Standort soll zu einem Ort der Begegnung werden, an dem private Akteure, öffentliche Institutionen, Forschung und bürgerschaftliche Initiativen zusammenkommen.
Diese Transaktion ist Teil des Programms «Enavant SRG SSR», eines umfassenden Transformationsplans der SRG. Angesichts der angekündigten Reduktion der Bundesabgabe und der Notwendigkeit, die digitale Transformation weiterzuführen, hat das Unternehmen eine tiefgreifende Überprüfung seiner Organisation eingeleitet. Ziel ist es, die strukturellen Kosten zu senken und gleichzeitig die Fähigkeit zur Inhaltserstellung und zur Erfüllung des öffentlichen Auftrags zu erhalten.
Der Verkauf wurde am 28. Mai 2026 durch die Unterzeichnung der Parteien offiziell besiegelt. Der Verkaufspreis beträgt 150 Millionen Franken, von denen rund 100 Millionen als Buchgewinn im laufenden Geschäftsjahr verbucht werden. Diese Einnahmen ermöglichen es der SRG, die Restrukturierungskosten zu decken, mit denen das Unternehmen in den kommenden Jahren konfrontiert sein wird. Sie können jedoch auch für zukünftige Investitionen oder zur Rückzahlung von Fremdkapital verwendet werden.
Eine Genfer Präsenz bleibt erhalten
Der Verkauf bedeutet keinen Rückzug der RTS aus Genf. Das Unternehmen bleibt Hauptmieterin des Turms und behält seine Verankerung in der Stadt. Diese Präzisierung ist wichtig in einem Kontext, in dem Immobilienumstrukturierungen bei Medienunternehmen oft Fragen zum Erhalt von Arbeitsplätzen und regionalen Produktionskapazitäten aufwerfen.
Die RTS hat einen Teil dieses Wandels bereits mit dem Umzug des Radiosenders auf den neuen Campus in Ecublens auf dem Gelände der EPFL eingeleitet. Diese Ansiedlung spiegelt den Willen wider, die Medienaktivitäten näher an Innovations-, Forschungs- und Ausbildungszentren zu bringen und gleichzeitig auf die Veränderungen in der Produktionspraxis zu reagieren.
In Genf plant die RTS zudem Investitionen in ein neues Videoproduktionszentrum, was zeigt, dass die Immobilienumstrukturierung mit einer Neudefinition der Infrastruktur einhergeht und nicht einfach einem Rückzug gleichkommt.
Ein hybrides Modell zwischen Erbe und Innovation
Die Verwaltung des Gebäudes wird der Stiftung «FOCUS, Fondation La Tour en Communs» anvertraut, einer eigens zu diesem Zweck von der Hans Wilsdorf Stiftung gegründeten privaten Schweizer Stiftung. Der Kanton Genf bleibt Eigentümer des Grundstücks und gewährt der Eigentümerin des Gebäudes ein kostenloses Baurecht.
Diese Ausrichtung entspricht einer Entwicklung, die in mehreren europäischen Metropolen zu beobachten ist, wo große historische Medienstandorte zu Plattformen der Zusammenarbeit zwischen vormals getrennten Sektoren werden. Die Herausforderungen gehen dabei über die reine Immobilienverwertung hinaus und betreffen die wirtschaftliche Attraktivität sowie die Schaffung neuer Innovationsräume.
Welche Lehren für den Markt?
Für Akteure der Kommunikations- und Medienbranche illustriert das Genfer Beispiel eine zunehmend spürbare Realität: Die digitale Transformation entscheidet sich nicht nur bei Inhalten oder Technologien. Sie erfordert auch eine Überprüfung der Organisationsmodelle, Standorte und Investitionen.
Die Fähigkeit, zwischen Immobilienvermögen, Produktionsbedarf und finanziellen Zwängen abzuwägen, wird zu einem zentralen Element der Strategie von Medienunternehmen. In diesem Kontext erscheint der Verkauf des RTS-Turms als starkes Signal für die Entwicklung des Schweizer öffentlichen Rundfunks hin zu einem flexibleren Modell, das stärker auf digitale Nutzung und die Kontrolle der strukturellen Kosten ausgerichtet ist.