Während in Süddeutschland mit dem Aschermittwoch die närrische Zeit endet, beginnt sie in der Nordschweiz erst danach. Besonders deutlich wird dieser Unterschied in Basel: Dort startet die berühmte Basler Fasnacht am Montag nach Aschermittwoch – in diesem Jahr am 23. Februar – mit dem Morgestraich um 4 Uhr morgens. Trotz gemeinsamer schwäbisch-alemannischer Wurzeln unterscheiden sich Fasnet und Fasnacht beidseits der Grenze deutlich in Termin, Organisation und Ausdrucksformen.
Basler Fasnacht: Beginn nach Aschermittwoch – um 4 Uhr morgens

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Die Basler Fasnacht, die größte und bedeutendste Karnevalsfeier der Schweiz, beginnt erst nach Aschermittwoch.
Foto: Georgios Kefalas/dpa
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Die Basler Fasnacht, die größte und bedeutendste Karnevalsfeier der Schweiz, beginnt erst nach Aschermittwoch.
Foto: Georgios Kefalas/dpa
In weiten Teilen Deutschlands und der Schweiz gilt der Aschermittwoch traditionell als Ende der närrischen Zeit. In Basel hingegen beginnt die Fasnacht am Montag nach Aschermittwoch – exakt um 4 Uhr morgens mit dem sogenannten Morgestraich. Historisch wird diese „Spätfasnacht“ mit Kalenderreformen im Mittelalter in Verbindung gebracht: Während viele Regionen den Beginn der Fastenzeit anpassten, hielt Basel am späteren Termin fest.
Der Basler Morgenstraich
Der Morgestraich ist der Auftakt der Basler Fasnacht: Punkt 4 Uhr morgens am Montag nach Aschermittwoch erlöschen in der Basler Innenstadt die Lichter. Dann ertönt der Ruf „Morgestraich: Vorwärts, Marsch!“, und Trommeln setzen ein. Tausende Narren ziehen anschließend mit Laternen durch die Gassen. Die Basler Fasnacht dauert genau 72 Stunden und endet am Donnerstagmorgen um 4 Uhr. Seinen Ursprung hat der Brauch im 19. Jahrhundert: 1833 führte der Metzger Samuel Bell trotz Verbots einen frühen Trommelumzug als Protest durch. Ab 1835 wurde dieser offiziell erlaubt – und daraus entstand der Beginn des Morgenstraichs.
Weitere „Spätfasnacht“-Veranstaltungen nach Aschermittwoch in der Schweiz: In Teilen der Nordwestschweiz finden nach Aschermittwoch weitere traditionsreiche Veranstaltungen statt. Ein bekanntes Beispiel ist der Chienbäse-Umzug in Liestal im Kanton Basel-Landschaft. Er findet traditionell am Sonntag nach Aschermittwoch statt und wird geprägt von brennenden Holzbesen und Feuerwagen.
Buurefasnacht: Die „Alte Fasnacht“ zwischen Basel und Südbaden

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Die Höhli-Teufel sind fester Bestandteil der Hasler Burefasnacht.
Foto: Ralph Lacher
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Die Höhli-Teufel sind fester Bestandteil der Hasler Burefasnacht.
Foto: Ralph Lacher
Die Buurefasnacht – auch „Alte Fasnacht“ genannt – ist eine weitere, zeitversetzte Form der Fastnacht. Während die sogenannte „Herrenfasnacht“ (also die übliche, kirchlich terminierte Fasnacht vor dem Aschermittwoch) mit dem Beginn der Fastenzeit endet, startet die Buurefasnacht erst am Aschermittwoch oder in den Tagen danach. Historisch gilt sie als ursprünglichere, bäuerlich geprägte Variante. Bräuche wie das Aufbrauchen von Wintervorräten, das Vertreiben des Winters oder der Funkensonntag mit großen Feuern gehören dazu.
Typisch sind Straßenumzüge, Guggenmusik und „Hemdglunki“-Nachtumzüge im Nachthemd. Verbreitet ist die Buurefasnacht vor allem im Markgräflerland und im Raum Lörrach – etwa in Lörrach-Hauingen – sowie in der Region Basel. Zeitlich ähnelt sie der Basler Fasnacht, ist jedoch deutlich weniger streng geregelt. Sie verbindet damit Elemente der schwäbisch-alemannischen Fasnet mit der Schweizer „Spätfasnacht“.
Die unterschiedliche Rolle der Guggenmusik

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Grenzübergreifende Musiktradition: Guggenmusik spielt im Rahmen der Fasnacht auf beiden Seiten der Grenze eine große Rolle, wenn auch etwas unterschiedlich.
Foto: Andreas Böhm
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Grenzübergreifende Musiktradition: Guggenmusik spielt im Rahmen der Fasnacht auf beiden Seiten der Grenze eine große Rolle, wenn auch etwas unterschiedlich.
Foto: Andreas Böhm
Guggenmusik gehört sowohl in der Schweiz als auch im Südwesten Deutschlands zur Fasnacht. In der Schweiz prägen Guggenmusiken das öffentliche Geschehen während der drei Fasnachtstage sichtbar – sowohl bei offiziellen Umzügen als auch bei Konzerten im öffentlichen Raum. Auch in Südwestdeutschland sind Guggenmusiken verbreitet – dort treten sie meist im Rahmen organisierter Umzüge oder bei Veranstaltungen von Narrenzünften auf.
Der Unterschied liegt weniger im Vorkommen als in der Einbindung: In der Schweiz, vor allem in Basel, sind die Auftritte integraler Bestandteil des städtischen Gesamtgeschehens, während sie in Südwestdeutschland häufig stärker in Vereins- und Zunftstrukturen eingebettet sind.
Die Fasnacht in der Schweiz und in Deutschland als Kulturerbe
Die Basler Fasnacht steht seit 2017 auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO. Auch die schwäbisch-alemannische Fastnacht in Baden-Württemberg ist als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Sie wurde 2014 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission aufgenommen.
Masken und Kostüme: feste Figuren oder wechselnde Sujets?

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Masken und Kostüme spielen beidseits der Grenze eine zentrale Rolle. Ihre Ausgestaltung unterscheidet sich jedoch deutlich.
Foto: Felix Kästle/dpa
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Masken und Kostüme spielen beidseits der Grenze eine zentrale Rolle. Ihre Ausgestaltung unterscheidet sich jedoch deutlich.
Foto: Felix Kästle/dpa
Larven und feste Häser in Südwestdeutschland: In der schwäbisch-alemannischen Fasnet sind Masken – traditionell „Larven“ genannt – häufig aus Holz geschnitzt. Jede Figur ist klar definiert, das dazugehörige „Häs“ (Kostüm) festgelegt und an eine Narrenzunft gebunden. Häser bleiben oft über lange Zeit unverändert und werden teilweise innerhalb von Familien weitergegeben. Das Erscheinungsbild ist bewusst traditionsgebunden. Die Herstellung erfolgt mit viel Fantasie und Handarbeit.
Thematische Gestaltung in Basel: In Basel organisieren sich die Beteiligten in sogenannten Cliquen. Sujets – also thematische Schwerpunkte – wechseln jährlich und greifen aktuelle gesellschaftliche oder politische Themen auf. Typisch ist die sogenannte Künstlerlarve: eine individuell gestaltete Maske, häufig aus Papiermaché gefertigt, die speziell für ein bestimmtes Sujet entworfen wird. Neben den Traditionen in größeren Städten existieren in der Schweiz auch regionale Bräuche, etwa die Tschäggättä im Lötschental mit grob geschnitzten Holzmasken.
Satire als fester Bestandteil der Schweizer Fasnacht

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Fasnachtscliquen in Basel mit Laternen – hier eine mit der Aufschrift „Tatütata s Klima brennt“
Foto: Georgios Kefalas, dpa
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Fasnachtscliquen in Basel mit Laternen – hier eine mit der Aufschrift „Tatütata s Klima brennt“
Foto: Georgios Kefalas, dpa
Ein weiteres charakteristisches Element der Schweizer Fasnacht ist die satirische Auseinandersetzung mit aktuellen Themen. Auch hier ist vor allem Basel zu nennen, wo die Satire kulturell tief in der Fasnacht verankert ist: Sogenannate Schnitzelbänke – gereimte Vorträge mit politischem oder gesellschaftlichem Bezug – sind fester Bestandteil der Basler Tradition. Auch die sogenannten „Zeedel“ (gedruckte Versblätter) sowie die Laternen des Morgestraich greifen jährlich wechselnde Sujets auf. In der schwäbisch-alemannischen Fasnet stehen vielerorts traditionelle Figuren, überlieferte Häser und die Zugehörigkeit zu Narrenzünften im Mittelpunkt. Thematisch wechselnde satirische Elemente sind dort weniger zentraler Strukturbestandteil als in Basel.
Fazit: Gemeinsame Wurzeln, unterschiedliche Ausprägungen

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Der Morgestraich in Basel.
Foto: Georgios Kefalas, dpa
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Der Morgestraich in Basel.
Foto: Georgios Kefalas, dpa
Beide Traditionen – die schwäbisch-alemannische Fasnet in Südwestdeutschland und die Fasnacht in der Nordschweiz – gehen auf ähnliche historische Wurzeln zurück. Masken, Trommeln und regionale Bräuche prägen beide Seiten der Grenze. Die Unterschiede sind dennoch deutlich:
In Deutschland endet die Fasnacht mit dem Aschermittwoch – in Basel und weiteren Orten der Schweiz beginnt sie danach. Guggenmusik ist beidseits verbreitet, wird jedoch unterschiedlich in das Gesamtgeschehen eingebunden. In Südwestdeutschland dominieren feste Figuren und Zunftstrukturen. In Basel stehen Cliquen, jährlich wechselnde Sujets und satirische Elemente stärker im Vordergrund.
Wer also glaubt, Fasnacht sei überall gleich, erlebt spätestens beim Morgestraich um 4 Uhr morgens in Basel eine Überraschung.
Christian Rhode
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