Monatelang war in den Niederlanden über diese Auftritte diskutiert worden. Die Politik in Den Haag übte scharfe Kritik, gesellschaftliche Organisationen machten Druck auf die Veranstalter, Richter mussten sich mit der Causa befassen. Doch es bleibt dabei: US-Skandalrapper Kanye West, dessen Künstlername „Ye“ lautet, tritt am Samstag, 6. Juni, und Montag, 8. Juni, im Stadion „GelreDome“ in der Grenzstadt Arnheim auf.
Kanye West hatte sich in Zeitungsanzeige entschuldigt
Auch in Polen, der Schweiz und in Frankreich wurden geplante Konzerte von Ye abgesagt. Zuletzt folgte Italien, wo der 48-Jährige im Juli in der Stadt Reggio Emilia auftreten sollte. Die beiden Konzerte wurden aus „Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit“ verboten. Nach Angaben der italienischen Behörden stelle die Durchführung von zwei Großkonzerten innerhalb von 24 Stunden ein Sicherheitsrisiko dar, da ein hoher Besucherandrang erwartet werde – und es ein „konkretes Risiko“ für Proteste gebe.
West bewarb in der Vergangenheit T-Shirts mit Hakenkreuz, und er veröffentlichte einen Song mit dem Titel „Heil Hitler“. Zudem bezeichnete sich der Künstler in sozialen Netzwerken selbst als „Nazi“. Zwar hatte er zu Beginn des Jahres im „Wall Street Journal“ in einer ganzseitigen Anzeige um Entschuldigung gebeten. Gleich mehreren Ländern aber reichte das nicht. Sie machten den Veranstaltern und dem Ex-Ehemann von Kim Kardashian, der seine früheren Äußerungen auf eine bipolare Störung zurückführt, einen Strich durch die Rechnung.
Eilantrag blieb erfolglos
Auch in den Niederlanden regte sich mit Blick auf die geplanten Auftritte in Arnheim massiver Protest. Die jüdische Interessenvertretung „Centraal Joods Overleg“ hatte Briefe an die Verantwortlichen des GelreDome sowie an den niederländischen Innenminister geschickt und dazu aufgefordert, Abstand von den Konzerten zu nehmen. Zudem sollte geprüft werden, ob es möglich ist, Ye die Einreise in die Niederlande zu verweigern. Doch daraus wurde nichts. Und ein Gericht wies am Mittwoch einen Eilantrag des Zentralen Jüdischen Rates zurück, der die Konzerte verhindern wollte. Sie stellten keine Gefahr für die öffentliche Ordnung dar, entschieden die Richter.
Zuvor hatte bereits eine Mehrheit des niederländischen Parlaments, der „Tweede Kamer“, versucht, den Rapper fernzuhalten. Die zuständigen Minister verwiesen aber darauf, dass die Einreise nur verweigert werden könne, wenn nachgewiesen werden kann, dass von West eine Gefahr für die öffentliche Ordnung oder die nationale Sicherheit ausgeht. Dafür lägen jedoch keine Hinweise vor. Mithin gebe es keine gesetzliche Grundlage, um die Konzerte in dem Stadion, in dem auch der traditionsreiche Fußball-Zweitligist Vitesse Arnheim kickt, zu unterbinden.
Der Bürgermeister von Arnheim, Ahmed Marcouch, erteilte eine Genehmigung für die Konzerte – und erklärte seine Entscheidung umfänglich in einem Brief an die Lokalpolitik. „Die angekündigten Auftritte haben verständlicherweise viel Aufsehen und zahlreiche Reaktionen ausgelöst – unter anderem innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in unserer Stadt, im Rest der Niederlande sowie bei anderen Einwohnern, die sich durch die verwerflichen Äußerungen des Künstlers in der Vergangenheit verletzt fühlen“, schreibt Marcouch.
Für den Auftritt am Montag gibt es noch Karten
Er könne diese Gefühle gut nachvollziehen, teilte der Verwaltungschef mit: „Worte können tief verletzen, Angst auslösen und zu Ausgrenzung sowie gesellschaftlicher Spaltung beitragen. Gerade von jemandem mit einer weltweiten Plattform darf Verantwortungsbewusstsein erwartet werden. Antisemitismus und andere Formen von Hass haben nirgendwo einen Platz – auch nicht in unserer Stadt.“
Allerdings verwies der Sozialdemokrat darauf, dass mit Blick auf die Genehmigung nur etwaige Sicherheitsaspekte eine Rolle spielen dürften. „Obwohl die früheren Äußerungen des Künstlers moralisch und möglicherweise auch rechtlich völlig verwerflich sind, stellen diese Aussagen für sich genommen nach geltendem Recht keinen eigenständigen Grund dar, eine Genehmigung zu verweigern“, schreibt Marcouch.
Rund 70.000 Besucher werden bei den beiden Konzerten in Arnheim erwartet. Der Auftritt am Samstag ist ausverkauft, für Montag gibt es noch Restkarten. Sie werden im Internet ab 175 Euro zum Kauf angeboten. Vor wenigen Tagen sahen bereits rund 100.000 Fans Ye in der Türkei.