Google möchte böse Stechmücken mit guten Stechmücken bekämpfen. Deshalb hat der US-amerikanische Techkonzern bei der Umweltschutzbehörde um Erlaubnis gebeten, bis zu 64 Millionen sterilisierte männliche Stechmücken in Kalifornien und Florida freizusetzen. Das geht aus einer öffentlichen Bekanntmachung hervor.
Im Kern geht es darum, die Verbreitung tödlicher Krankheiten wie Dengue-Fieber, Zika-Fieber oder Gelbfieber einzudämmen, die durch Stechmücken übertragen werden. Laut der Forschungsplattform „Our World in Data“ sterben jährlich rund 760.000 Menschen an den Folgen eines Mückenstichs. Stechmücken gelten deshalb als die tödlichsten Tiere der Welt.
Manche Arten, darunter die sogenannte Aedes aegypti, auf Deutsch besser bekannt als Gelbfiebermücke, sind sogar so gefährlich, dass Wissenschaftler über ihre Ausrottung diskutieren. Genau auf diese Mücke hat es Google abgesehen, und dafür bereits vor zehn Jahren das Projekt „Debug“ ins Leben gerufen.
Rekordfund in Australien 100.000 Kakerlaken beschlagnahmt Googles Stechmücken-Idee stammt aus den 1950er Jahren
Der Name des Projekts ist ein Wortspiel: „Bug“ bedeutet sowohl Insekt als auch Softwarefehler; die Vorsilbe „De“ meint die Entfernung von einer Sache, in diesem Fall von tödlichen Stechmücken in Florida und Kalifornien, wo Google seinen Hauptsitz hat. Die Idee der Ingenieure und Forscher geht dabei auf eine Methode aus den 1950er Jahren zurück.
Symbolbild: Am Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems werden im Rahmen eines Stechmücken-Monitorings Wege der Krankheitsübertragung untersucht.
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Die sogenannte Sterile-Insekten-Technik (SIT) sieht vor, eine große Anzahl unfruchtbarer männlicher Insekten zu züchten, um sie dann in wilden Insektenpopulationen freizusetzen. Wenn sich diese dann mit weiblichen Insekten paaren, bleibt der Nachwuchs aus. Die Population verringert sich auf natürliche Weise.
Zur Sterilisierung der Stechmücken wird das Bakterium Wolbachia pipientis verwendet, das die Männchen unfruchtbar macht. Generell geht von diesen keine Gefahr aus, da männliche Stechmücken weder beißen, noch Krankheiten übertragen.
Biologin: Ausrottung ist „vertretbar“
Die Biologin Hilary Ranson von der Liverpool School of Tropical Medicine hält Googles Bestreben, bestimmte tödliche Mückenarten wie die Aedes aegypti auszurotten, angesichts der verheerenden Folgen der übertragenen Krankheiten für „vertretbar“. Das hätte vermutlich keine gravierenden Auswirkungen auf das Ökosystem, argumentiert die Wissenschaftlerin. Andere, genetisch ähnliche und weniger gefährliche Arten würden ihre ökologische Rolle voraussichtlich rasch übernehmen.
Auf der Webseite von Debug wird erklärt, wie die SIT im Fall der Stechmücken konkret aussieht: Wenige mit dem Wolbachia-Bakterium infizierte Stechmücken werden mit einem „automatisierten Aufzuchtsystem“ vervielfacht und anschließend mithilfe KI-gestützter Bildverarbeitung nach Geschlecht getrennt.
Debug schlägt vor, in den kommenden zwei Jahren bis zu 16 Millionen männliche Stechmücken jährlich in Kalifornien und Florida freizulassen. Ob und wenn ja, wann das wirklich passiert, wird bald die US-Umweltschutzbehörde entscheiden.
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Die SIT hat bereits beim Kampf gegen verschiedene Mückenpopulationen geholfen. So gelang zum Beispiel 1997 die Ausrottung der Tsetsefliege auf Sansibar. Damit wurden weitere Ausbrüche der Schlafkrankheit verhindert. Und auch im Kampf gegen die Aedes aegypti wurden bereits erste Erfolge gefeiert. So konnte die Population in Singapur in einem großangelegten Experiment deutlich verringert und das Dengue-Risiko für Bewohnerinnen und Bewohner um rund 70 Prozent reduziert werden. (Tsp, AFP)