Kaum ein deutsches Spiel genießt einen Kultstatus wie das Rollenspiel „Gothic“, das bereits vor 25 Jahren erschien und heute einen besonderen Platz im Herzen vieler Spieler hat. Daher wurde die Ankündigung eines Remakes eher kritisch betrachtet, was Entwickler Alkimia Interactive vor eine schwierige Aufgabe stellte: Die Neuauflage soll neue Spieler abholen und darf gleichzeitig den rauen Charakter des Originals nicht verlieren. Nach vielen Stunden im Minental zeigt sich, dass „Gothic Remake” diesen Spagat erfolgreich meistert, auch wenn uns einige Stolpersteine in den Weg gelegt werden.

Worum geht es in „Gothic Remake“?

An der Geschichte wurde nichts verändert. Wir schlüpfen in die Rolle des namenlosen Helden, der als Gefangener in eine Strafkolonie geworfen wird. Hinter einer magischen Barriere fördern die Häftlinge wertvolles Erz für den König, der sich im Krieg mit den Orks befindet. Diese Barriere wurde geschaffen, um die Gefangenen einzusperren. Sie geriet jedoch außer Kontrolle und schloss die Gefangenen nicht bloß ein, sondern ihre Bewacher auch aus. Das Problem der Barriere: Es kann zwar alles in die Kolonie gelangen, aber nur Nicht-Organisches kann sie wieder verlassen.

Seitdem wird die Kolonie von drei Lagern beherrscht, die unterschiedliche Ziele verfolgen. Das Alte Lager treibt mit dem König Handel und tauscht Erz gegen Waren. Das Neue Lager hat sich vom Alten Lager abgespaltet und sucht nun nach einem Ausweg. Und das Sumpflager setzt seine Hoffnung auf den geheimnisvollen Schläfer, ohne genau zu wissen, was das bedeutet.

Kurz bevor wir in die Kolonie geworfen wurden, bekommen wir den Auftrag, eine geheimnisvolle Nachricht an die Feuermagier zu überbringen. Aber schnell geraten wir zwischen die Fronten und müssen unseren Platz in dieser feindseligen Welt finden. Und so entwickelt sich nach und nach eine Geschichte um Macht, Intrigen und das Schicksal der gesamten Kolonie.

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Wie spielt sich „Gothic Remake”?


Bevor Thorus uns in die Burg lässt, müssen wir einige Schläge kassieren – oder verteilen. - © Alkimia Interactive

Bevor Thorus uns in die Burg lässt, müssen wir einige Schläge kassieren – oder verteilen.
| © Alkimia Interactive

„Gothic Remake” bleibt ein Rollenspiel alter Schule. Wir erhalten nur wenige Hinweise und müssen uns im Minental selbst zurechtfinden. Es gibt keine Questmarker, und viele Aufgaben müssen wir durch Gespräche, Beobachtung und Erkundung lösen. Besonders in den ersten Stunden sind wir schwach und verletzlich, und schon einfache Tiere werden zur tödlichen Bedrohung. Erst durch Training bei verschiedenen Lehrern verbessern wir unsere Fähigkeiten und erlernen den Umgang mit Waffen, Magie und anderen Fertigkeiten. Dieser langsame Aufstieg vom Niemand zum Helden machte schon vor 25 Jahren das Original zu einem besonderen Spiel und gehört weiterhin zu den größten Stärken des Remakes.

Das Kampfsystem wurde modernisiert und bleibt trotzdem bewusst anspruchsvoll. Die ungeliebte Steuerung der Vergangenheit (damals wurde das Spiel fast komplett mit Tastatur gespielt und war bei vielen Spielern verhasst) reagiert deutlich besser. Angriffe lassen sich flüssiger kombinieren, und Fernkampfwaffen profitieren von einer zeitgemäßen Zielsteuerung. Dennoch wirken Kämpfe stellenweise sperrig und verlangen gerade von Neueinsteigern einige Einarbeitungszeit, bis sich die Gefechte natürlich anfühlen.

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Die offene Welt des Minentals wirkt zu jeder Zeit glaubwürdig, lebendig und gefährlich. Theoretisch können wir jederzeit überall hin, nur fehlende Fähigkeiten und starke Gegner schränken uns ein. Jedes Lager besitzt seinen eigenen Charakter, NPCs verfolgen Tagesabläufe und reagieren auf unsere Handlungen. Viele Quests lassen sich auf unterschiedliche Weise lösen, und wir können entscheiden, ob wir die 100 Erz, die wir zur Bezahlung eines Schwerts bekommen haben, selbst behalten. Dann müssen wir aber damit rechnen, einige Tage später vom Auftraggeber Prügel zu kassieren. Oder wir sind inzwischen so stark, dass wir uns erfolgreich wehren können.

Zusätzlich hat Alkimia Interactive das Original sinnvoll erweitert. Gerade im späteren Spielverlauf werden Handlungslöcher durch neue Quests und Gespräche gestopft. Die Spielwelt wurde sinnvoll erweitert, und neue Fähigkeiten wie das Klettern erlauben ganz neue Wege, das Minental zu erkunden und uns mit Geheimnissen, neuen Aufgaben oder wertvoller Ausrüstung zu belohnen.

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Was hat uns gefallen?

Die größte Stärke von „Gothic Remake” ist seine Atmosphäre. Selten vermittelt ein Rollenspiel so überzeugend das Gefühl, ein unbedeutender Außenseiter in einer gnadenlosen Welt zu sein. Jede neue Fähigkeit, jede bessere Waffe und jeder gewonnene Kampf fühlen sich verdient an.

Auch technisch hinterlässt die Neuauflage einen starken Eindruck. Dank Unreal Engine 5 fühlt sich das Minental eindrucksvoll und lebendig an. Dichte Wälder, verfallene Ruinen und düstere Höhlen sorgen dank der spektakulären Lichtstimmung für eine deutlich moderne Präsentation, verlieren aber nicht den ursprünglichen Charakter.

Die Grundstruktur des Originals bleibt erhalten, aber selbst Veteranen stoßen auf zusätzliche Quests, neue Inhalte und unbekannte Situationen in der gelungenen Erweiterung der Spielwelt. Auch das mehrmalige Durchspielen lohnt sich, denn das Minenlager und seine Geschichte fühlen sich je nach Lager komplett anders an.

Auch der Sound weiß zu überzeugen. Die Neuinterpretation des Soundtracks trifft den richtigen Ton zwischen Nostalgie und Moderne. Monster klingen oft noch eindrucksvoller und gefährlicher. Zusammen mit den gelungenen deutschen Sprechern entsteht eine Atmosphäre, die uns immer wieder in die Welt hineinzieht.

Die Steuerung ist wahlweise mit Tastatur und Maus oder Gamepad möglich (wir haben am PC getestet). Beides geht nach einer kurzen Einarbeitung gut von der Hand, und nichts erinnert mehr an die unnötig komplizierte Belegung im Original.

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Was hat uns nicht gefallen?


Die vermeintlich unbesiegbaren Scavenger sind schon bald auch im Rudel kein Problem mehr für uns. - © Alkimia Interactive

Die vermeintlich unbesiegbaren Scavenger sind schon bald auch im Rudel kein Problem mehr für uns.
| © Alkimia Interactive

Manchmal schießt das Remake mit seinen Designentscheidungen über das Ziel hinaus, weil es konsequent an seinen Wurzeln festhält. Lange Laufwege und kryptische Questlösungen sorgen immer wieder für Frust. Einige Eigenheiten des Originals hätte man durch optionale Einstellungen verbessern können.

Auch die Technik zeigt Schwächen. Immer wieder begegnen uns kleinere Bugs, Probleme mit NPC-Pfaden, Audiofehler und gelegentliche Ungereimtheiten bei Quests. Das macht „Gothic Remake” nicht unspielbar, das Spiel wirkt aber nicht vollständig poliert.

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Das Kampfsystem spielt sich zwar deutlich besser als im Original, fühlt sich stellenweise aber trotzdem hakelig und gelegentlich unfair an. Als Beispiel möchten wir hier auf die Blutfliegen hinweisen, bei denen wir selbst im späteren Verlauf des Spiels harte Treffer kassieren, weil sich uns ihre Angriffe nicht immer erschließen.

Auch wenn sich das Spiel grafisch keine Blöße gibt, so wirkt es doch an manchen Stellen unübersichtlich. Der Dschungel ist ein bisschen zu grünbraun und die alte Mine zu dunkel, um sich gleich zurechtzufinden. Außerdem empfehlen wir dringend, die Hervorhebung von Gegenständen in den Einstellungen zu aktivieren, um nicht an wichtigen Dingen und interessanten Schätzen vorbei zu laufen.

Unser Fazit zu „Gothic Remake“

„Gothic Remake” ist genau die moderne Neuauflage geworden, die sich viele Fans gewünscht haben. Das Spiel bewahrt den Geist des Originals, und die Welt bleibt atmosphärisch, glaubwürdig und voller kleiner Geschichten. Der Aufstieg des namenlosen Helden motiviert bis zum Ende, und die technische Modernisierung verleiht dem Minental neuen Glanz.

Das Remake übernimmt viele Eigenheiten des Originals nahezu unverändert. Das sorgt bei Fans des Spiels für Authentizität, macht den Einstieg für Neulinge aber unnötig schwer und sorgt immer wieder für Frustmomente. Wer klassische Rollenspiele wie „Gothic“ liebt oder vielleicht sogar damit aufgewachsen ist, erhält eines der interessantesten RPGs der letzten Jahre. Neue Spieler sollten sich darauf einstellen, nicht mit offenen Armen im Minental empfangen zu werden. Dank des einstellbaren Schwierigkeitsgrades sollten sie sich aber nicht davon abschrecken lassen – die Reise lohnt sich.

„Gothic Remake” ist seit dem 5. Juni 2026 für PC, Playstation 5 und Xbox Series X/S erhältlich und kostet zwischen 50 und 60 Euro. Das Spiel ist ab 16 Jahren freigegeben.

Transparenzhinweis: Für diesen Test wurde uns vom Publisher ein kostenloser Review-Code zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf unsere Wertung. Wir haben das Spiel auf dem PC getestet.

Teilwertungen:

Gameplay: 9/10
Story / Präsentation: 9/10
Technik: 8/10
Umfang / Content: 9/10
Innovation: 8/10

Gesamtbewertung: 9/10

INFORMATION

Kaufempfehlung

Für wen lohnt sich „Gothic Remake“?

Fans des Originals: Wer das klassische „Gothic“ liebt, bekommt hier genau die Art von Remake, die man sich gewünscht hat: respektvoll modernisiert, atmosphärisch dicht und voller neuer Details, ohne den Charakter des Originals zu verlieren.

Rollenspiel-Puristen: Ideal für Spieler, die gerne selbst entdecken, Hinweise kombinieren und sich ihren Weg durch eine glaubwürdige Spielwelt erarbeiten. Questmarker und permanente Hilfestellungen sucht man hier bewusst vergeblich.

Atmosphäre- und Weltentdecker: Das Minental gehört auch 2026 zu den faszinierendsten Spielwelten des Genres. Wer gerne jede Höhle untersucht, mit NPCs spricht und in einer lebendigen Welt versinkt, wird hier viele Stunden verbringen.

RPG-Veteranen mit Geduld: Der langsame Aufstieg vom wehrlosen Niemand zum mächtigen Helden ist eine der größten Stärken des Spiels. Wer langfristige Charakterentwicklung schätzt, wird reich belohnt.

Eher nichts für: Spieler, die moderne Komfortfunktionen, klare Wegführung und ein jederzeit flüssiges Kampfsystem erwarten. Lange Laufwege, gelegentliche Frustmomente und kleinere technische Macken gehören weiterhin zum Erlebnis.