Gerahmte Gemälde der Sammlung Siegel lehnen im Kunsthaus Stade an einer Wand

AUDIO: Kunstmuseum Stade bekommt spektakuläre Siegel-Sammlung (4 Min)

Stand: 09.06.2026 08:33 Uhr

Das Kunsthaus Stade erhält eine spektakuläre Schenkung, darunter Werke von Lyonel Feininger, August Macke und Pablo Picasso. Die Ausstellung mit der Sammlung des Ehepaars Siegel eröffnet am Freitag.

von Katrin Schwier

Im Kunsthaus Stade laufen die letzten Vorbereitungen. Handwerker sind mit Leitern unterwegs, Bilder lehnen an der Wand und warten darauf, aufgehängt zu werden. So auch das Bild von Luis Alberto Solari. Es zeigt eine südamerikanische Marktfrau mit einem Blumenstrauß. 1972 haben Arnd und Erika Siegel dieses Bild gemeinsam auf einer Südamerikareise gekauft.

Das war der Start der Sammlung, sagt Sebastian Möllers, Direktor der Museen Stade: «Das hat das Paar Siegel einfach begeistert. Sie mochten das Bild. Und das war so ein bisschen der Startpunkt, dass sie das erste Mal zusammen Kunst gekauft haben.“

Beruflich arbeiteten Arnd und Erika Siegel sehr erfolgreich als Ärzte. Doch ihre Leidenschaft galt der Kunst. Die beiden ließen sich von einem Kunsthistoriker beraten, der sich für sie auf Messen und Auktionen umsah, sagt Andreas Schäfer von der Stadtverwaltung Stade: «Der hatte ein sehr kunstsinniges Näschen. Er wusste, was wichtig ist, er wusste, was gut ist, aber auch finanzierbar.»

Macke, Nolde, Chagall und Picasso in der Sammlung

v.l. Sebastian Möllers, Direktor der Museen Stade, Andreas Schäfer, Stabstellenleiter Kultur bei der Stadt Stade

Museumsdirektor Sebastian Möllers (links) und Andreas Schäfer vom Kulturdezernat Stade sind begeistert von der spektakulären Sammlung.

Über Jahrzehnte ist eine Kunstsammlung entstanden, die einen Überblick über die Moderne gibt – mit Werken von August Macke, Emil Nolde, Marc Chagall, Pablo Picasso, Lyonel Feininger und vielen mehr. Mehr als 130 Werke der Klassischen Moderne, mit großem Kunstverstand zusammengestellt, erhält das Kunstmuseum Stade nun als Dauerleihgabe.

Andreas Schäfer gerät angesichts dieser hochkarätigen Sammlung ins Schwärmen: «Man muss schon sagen: Es gibt viele Kunstsammlungen, aber die ist so feinsinnig und so kunstsinnig zusammengestellt, dass man so etwas eigentlich sehr selten findet.»

Schwerpunkt-Sujets: Menschen, Kinder, Tanz

Das Gemälde "Série Noire et Rouge" von Joan Miró

Joan Miró, Série Noire et Rouge, 1938, Kaltnadelradierung auf Velin von „Arches“ © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Eine Sammlung, wie ein persönlicher Wegweiser durch Expressionismus, Bauhaus, Surrealismus und Abstraktion, sagt Museumsdirektor Möllers.

«Ihn haben ganz bestimmte Sujets interessiert. Landschaft, Menschen, sehr viele Menschen. Es gibt ganz viele Porträts. Es gibt aber auch – die Siegels hatten keine Kinder – sehr viele Kinderbilder. Das hat sie immer begeistert, die haben sie auch sehr geliebt, daran haben sie sehr gehangen. Sie haben darin auch ihre eigene Kindheit wiedererkannt. Natürlich in den ganz frühen Arbeiten aus den 1930er- und 1940er-Jahren, das ist klar. Da gibt es dann auch eigene Kindheitserinnerungen, die daran hängen. Es gibt eine große Palette von Bildern zum Thema Tanz», beschreibt Sebastian Möllers die Schwerpunkte der Sammlung.

Sammlung gerät zufällig in den Blick der Stadt

Fachwerkhäuser in Stade, in der Mitte das Kunsthaus Stade

130 Werke der Sammlung Siegel gehen als Dauerleihgabe ans Kunsthaus Stade – und sind ab dem 13. Juni zu sehen.

Es war eine private Sammlung. Eigentlich hatten die Kunstliebhaber nie vor, ihre Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, erinnert sich Andreas Schäfer. Vor mehr als 20 Jahren hat Schäfer über einen gemeinsamen Bekannten von der außergewöhnlichen Kunstsammlung erfahren. Er weiß noch genau, wie er das erste Mal bei dem Ehepaar Siegel zu Besuch war.

«Und dann sind wir zu Herrn Siegel zum Kaffee und haben uns da in der Wohnung sozusagen ein lebendes Museum angeguckt. In der ganzen Wohnung waren diese Werke, die wir hier auch in der Ausstellung sehen, aufgehängt. Und es war unglaublich. Wir waren hin und weg, weil das eine solche Qualität auf engstem Raum war – von wirklich kunstsinnig ausgesuchten Bildern bedeutender Künstler. Gleichzeitig waren sie so familiär gehängt, dass wir gedacht haben: Das wäre eigentlich genau das Richtige, wenn wir das vielleicht einmal in Stade zeigen könnten.»

Über lange Zeit Vertrauen der Siegels gewonnen

Andreas Schäfer hat oft mit dem Ehepaar Siegel Kaffee getrunken. Erika Siegel starb 2006. Der Kontakt zu Arnd Siegel blieb bestehen. Immer wieder gab es den Wunsch, die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. «Es hat einfach den persönlichen Kontakt auch gebraucht. Und man muss immer gucken: Kommt man mit jemandem klar? Ist einem das seriös genug, was die da machen? Und ich glaube, wir haben das Vertrauen von Herrn Siegel gewonnen.“

Vor einem Jahr starb auch Arnd Siegel. Seine Entscheidung stand da schon lange fest: Die Sammlung soll nach Stade kommen – damit alle sich daran erfreuen können.

Die Ausstellung «Gekommen, um zu bleiben – Die Sammlung Siegel in Stade» ist vom 13. Juni 2026 bis zum 11. Januar 2027 im Kunsthaus Stade zu sehen.

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