sechs Männer und eine Frau stehen vor einer Wand

AUDIO: 20 Jahre Mocambo Records – Ein Indielabel mit Kultstatus (5 Min)

Stand: 08.06.2026 14:51 Uhr

20 Jahre cineastischer Funk, Rare Grooves und warmer Analog-Soul aus Hamburg: Das Indie-Label Mocambo Records hat sich weltweit Kultstatus erspielt – zuletzt in Filmen und Serien wie «Anatomie eines Falls» oder «Better Call Saul».

von Florian Schmidt

Wer «Anatomie eines Falls» gesehen hat, erkennt diesen Song wahrscheinlich sofort: Eine Steel-Drum-Version von 50 Cents «P.I.M.P.» – aufgenommen von der Bacao Rhythm & Steel Band, veröffentlicht auf dem Hamburger Label Mocambo Records. Ein Song, der nun wohl immer auch mit dem Film und mit Schauspielerin Sandra Hüller in Verbindung gebracht wird.

Ein Mann sitzt in einem Jeep und guckt in die Kamera

Björn Wagner ist Chef des Hamburger Labels Mocambo Records, das weltweit erfolgreich ist.

Dass ausgerechnet ihre Version von «P.I.M.P.» einmal in einem preisgekrönten Kinofilm landen würde – damit hatte bei Mocambo niemand gerechnet, erzählt Labelgründer Björn Wagner. «Für mich lag das ganz nahe, ‚P.I.M.P.‘ mit einer echten Steel Drum zu spielen. Ich hatte eine, denn ich habe in Trinidad Steel Drum spielen gelernt. Für mich war es das Natürlichste von der Welt, so einen programmierten Beat von einem echten Drummer spielen zu lassen und die Steel Drum auf einem echten Instrument zu spielen», erklärt Björn Wagner.

Mocambo-Musik in «Better Call Saul» und «Manhattan Queen»

Nicht nur im Oscar-prämierten Film von Regisseurin Justine Triet lief Mocambo-Musik zuletzt rauf und runter. Auch in der Serie «Better Call Saul» taucht ein Song des Hamburger Labels auf. Und im Jennifer Lopez-Film «Manhattan Queen» sind die Mighty Mocambos mit Sängerin Gizelle Smith und dem Song «Working Woman» zu hören.

Mocambo-Chef Björn Wagner liebt Verbindung von Film und Musik

sechs Männer und eine Frau stehen unter einer Brücke

The Mighty Mocambos aus Hamburg veröffentlichen seit den frühen 2000er-Jahren Funk-Musik, oft auf dem bandeigenen Label Mocambo Records.

Für Label-Chef Björn Wagner ist die Verbindung von Film und Musik seit Kindheitstagen zentral. «Ich bin erstmal Kinofan, Filmfan. Ich habe mir schon als kleines Kind alle Hitchcock-Filme angeguckt, wenn die nachts im Fernsehen liefen, auf VHS aufgenommen. Relativ schnell habe ich die Liebe entdeckt für die Verbindung von Film und Musik», erinnert sich Wagner.

Der Sound von Mocambo: warmer Analog-Funk, rauher do-it-yourself-Charme – und Musik, die oft klingt wie der Soundtrack zu einem Film, den es noch gar nicht gibt. Björn Wagner beschreibt den Sound als «eine Mischung aus Dancefunk, Kinofunk und Wiederveröffentlichung von Obskuritäten.»

Soundtrack-Schätze wie «Raumpatrouille Orion» wiederveröffentlicht

Zum Label gehören deshalb auch Wiederveröffentlichungen obskurer Soundtrack- und Library-Music-Schätze, etwa vom legendären Filmkomponisten Peter Thomas, der Musik für die «Raumpatrouille Orion» und diverse Edgar Wallace-Filme geschrieben hat. Auch die spätere Disco-Queen Donna Summer zeigt Mocambo Records ein paar Jahre vor ihrem weltweiten Durchbruch – auf Deutsch singend. Ein Song, der demnächst erstmals auf Vinyl veröffentlicht wird.

Und obwohl Mocambo immer ein kleines Indie-Label geblieben ist, hat sich die Musik längst weltweit verbreitet. «Wir sind ein kleines Indie-Label, aber diese kleine Szene findet weltweit statt. Jetzt hat gerade in Brasilien jemand wieder eine Platte von mir gekauft – oder ich kriege eine Bestellung aus Rumänien. Cool – die finden solchen Sound auch gut», freut sich Wagner über die weltweite positive Resonanz.

Anfragen von HipHop-Legenden wie Ice-T oder Kenny Dope

Angefangen hat alles mit kleinen Vinyl-Singles für DJs, Breakdancer und HipHop-Nerds. Inzwischen bekommen die Hamburger sogar Props von HipHop-Legenden wie Ice-T oder Kenny Dope. Sogar ein Breakdance-Duell im Westernstil haben die The Mighty Mocambos schon vertont – mit dem Stück «The Showdown».

Auch nach 20 Jahren soll bei Mocambo vor allem eines bleiben: die Lust aufs Experimentieren. «Ich hoffe jetzt viel mit Leuten, die 20, 25 Jahre jünger sind als ich, zusammenzuarbeiten. Die haben nochmal ganz andere Ideen und ich hoffe, dass daraus etwas entsteht», so Label-Chef Wagner.

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