
AUDIO: Akte, Kühe und Düsenjet: Steinfeld feiert 100 Jahre Maler Paul Lankes (3 Min)
Stand: 13.06.2026 12:52 Uhr
Paul Lankes wäre in diesem Jahr 100 geworden. Für die meisten ist er vermutlich kein Begriff – zu unrecht, finden David Beavan und Rembert Middendorf und haben eine Retrospektive in der Kleinen Steinfelder Galerie organisiert.
Die Wände in der Galerie sind grau gestrichen. Aber viel von dem Grau ist gar nicht zu sehen. Die Bilder sind sehr dicht gehängt, das macht noch offensichtlicher, wie unterschiedlich sie sind: Landschaften, Tiere, Menschen. Dort steht eine Holzskulptur, woanders hängen Radierungen, Ölbilder, Skizzen oder Holzschnitte. Kleine Bilder hängen neben Großformaten – realistisch und abstrakt. Das begeistert David Beavan, er ist einer der Mitorganisatoren der Ausstellung: «Paul Lankes konnte wirklich alles meisterhaft festhalten. Und man sieht das auch. Es ist absolutely wonderful.»
Der Künstler und Galerist musste nicht lange überlegen, als die Idee aufkam, eine Ausstellung mit Werken von Lankes zu machen. «Ich kannte ihn», erzählt er, «aber nicht viel von seinen Arbeiten. Rembert Middendorf, der den Förderverein Kleine Steinfelder Galerie im Landkreis Vechta mitgegründete, habe ihm dann ungefähr 40 Bilder gezeigt und es sei sofort klar gewesen: «Das müssen wir machen!» Das erste Projekt ist die Paul-Lankes-Retrospektive.
Lankes konnte malen, worauf er Lust hatte

Paul Lankes ließ sich nicht auf einen Stil festlegen – egal ob Aquarell, Tusche oder Öl.
Paul Lankes kam ursprünglich aus Bayern, lebte aber etwa zehn Jahre lang mit seiner Familie in Vechta und hatte dort eine Professur als Kunstpädagoge an der Universität. Middendorf nahm Kontakt zu Lankes Familie auf und durfte den gesamten Nachlass sichten. «Was ich persönlich an Lankes faszinierend finde, ist, dass er sich tatsächlich davor gescheut hat, nur einen Stil zu entwickeln, den man wiedererkennen kann. Er hat selber mal in seinem Notizbuch aufgeschrieben: ‘Was schert mich mein Stil, was geht mich mein Image an’», sagt Middendorf.
Durch die Stelle an der Universität Vechta war er nicht darauf angewiesen, seine Kunst zu verkaufen. Er konnte im Prinzip das malen, worauf er Lust hatte. Das merkt man seiner Kunst an, findet der Mitorganisator: «Er kommt in den Bildern immer ganz als er selbst rüber, weil er nur das macht, was ihn wirklich interessiert. Das ändert sich im Laufe der Zeit und dadurch kommt eben diese Vielfalt zustande.»
Stoppelmarkt in Vechta als bedrohlich wirkende Kulisse

Auch zahlreiche Holzschnitte finden sich in Lankes‘ Œuvre.
An einer Wand hängen Bilder von Kühen, sein Leben lang hatte Lankes offenbar eine Faszination für sie. Darüber ein imposantes Gemälde: ein Düsenflieger über Vechta. Dieses Bild wird gemeinsam mit wenigen anderen bald umziehen. Aktuell werden auch im Vechtaer Rathaus einige Werke von Lankes ausgestellt, die einen Bezug zu der Kreisstadt haben. Dazu gehören auch zwei Holzschnitte zum Stoppelmarkt. «Er hat das eingefangen, was ihn selber vielleicht sogar verängstigt hat», mutmaßt Middendorf. «Diese gedrängten Massen von trinkenden Leuten. Deshalb sehen diese Bilder beunruhigend aus.»
Szenenwechsel: «Jetzt heißt es wachsam sein» – steht auf einem der Drucke. Es sind düstere Bilder, mit Soldaten, eine rote Lache zu Füßen von mächtig wirkenden Männern. Hier erkennt man Lankes Haltung zu Krieg und Unterdrückung. «Er war sehr politisch», erklärt David Beavan. «Er war für Freiheit und Gerechtigkeit und das ist hier wirklich zu sehen.»
Aber nicht nur politische Aussagen findet man auf Lankes Bildern. Oft hat er kleine Randnotizen hinzugefügt, als wollte er den Moment so noch besser und schneller einfangen. «Ich glaube, es war für ihn eine biologische Notwendigkeit zu zeichnen. Ohne das Zeichnen hätte der Mann wohl nicht überlebt», schäzt Rembert Middendorf, und David Beavan ergänzt: «Statt zu sprechen hat er gezeichnet.»

In der Pop Up Galerie können Besucher bis September Kunst anschauen, anfassen und probieren. Alle Werke kommen von der Boddenküste.

Der Komiker aus Emden knöpft sich Meisterwerke vor. In der Wiener Albertina hängen die Parodien jetzt neben den Originalen.

Unter dem Motto «Hochstapeln» findet zum 36. Mal die landesweite Kunstschau statt – dieses Jahr in Güstrow.