Die Hürden für den Zivildienst werden erhöht. Während die Vorlage in der Westschweiz mehrheitlich abgelehnt wird, hat sie in allen bisher ausgezählten Deutschschweizer Kantonen eine Mehrheit gefunden.
Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht
14. Juni 2026 – 12:00

Mein Fokus liegt auf dem Besonderen und Alltäglichen der Schweiz. Für ein internationales Publikum schreibe ich Artikel darüber, wie das Land funktioniert und wie die Menschen hier leben.
Nach dem Germanistik- und Skandinavistikstudium in Zürich und Oslo habe ich die Journalismusschule MAZ abgeschlossen und als Journalistin für verschiedene Schweizer Tageszeitungen sowie als freie Autorin eine Vielzahl von Themen abgedeckt. Seit 2023 bin ich Teil von SWI swissinfo.ch.
Mehr von dieser Autorin / diesem Autoren
Français
fr
L’accès au service civil sera plus difficile en Suisse
Original
Mehr L’accès au service civil sera plus difficile en Suisse
Mit 7211 Zulassungen haben sich 2025 so viele Menschen für den Zivildienst entschieden wie noch nie. Der Bundesrat und die Mehrheit des Parlaments halten diese Entwicklung für problematisch. Und wie am Abstimmungssonntag schnell klar wurde, spricht sich auch das Stimmvolk für eine Zivildienstgesetzes aus.
Die ersten Hochrechnungen des Forschungsinstituts gfs.bern wiesen einen Ja-Anteil von 53 Prozent aus. Das Nein-Lager konnte im Endspurt zwar zulegen, doch Politologe Lukas Golder sah schon früh am Nachmittag trotz starker Mobilisierung in den Städten keinen Weg mehr zu einem Nein.
Die bereits ausgezählten Kantone zeigen, dass die Vorlage in der Westschweiz mehrheitlich abgelehnt wird, während bislang alle Deutschschweizer Kantone dafür gestimmt haben. Besonders deutlich fällt das Ja in der Innerschweiz mit einem Anteil von 63% aus (Schwyz, Nidwalden, Obwalden). Der Kanton Jura ist mit 60% Nein-Stimmen am deutlichsten gegen die Verschärfung des Zivildienstgesetzes.
Im Ja-Lager machen sich verhaltener Jubel und Erleichterung breit. «Wir verlieren jedes Jahr eine Brigade», sagt Stefan Holenstein, Präsident des Verbands Militärischer Gesellschaften Schweiz, zu SRF. «Mit der Revision können wir dieses Loch stopfen.» Diejenigen, die Militärdienst geleistet haben, sollen mit der «sanften Revision» an einem Wechsel in den Zivildienst gehindert werden. Holenstein glaubt nicht, dass sich jetzt mehr Personen wegen Untauglichkeit aus der Armee verabschieden werden.
«Auch eine knappe Niederlage zeigt, wie wichtig Zivildienstleistende für den Zusammenhalt der Bevölkerung sind», sagt Magdalena Erni, Co-Präsidentin der Jungen Grünen, zu SRF. Ihre Partei hat das Referendum gegen die Vorlage ergriffen. Erni sagt, sie könne sich nicht vorstellen, dass Personen, die nicht motiviert seien, ihren Dienst in der Armee leisten würden. Sie betont, dass die Revision Teil einer Salamitaktik sei. Weitere Massnahmen wie die Einführung einer Gewissensprüfung würden ebenfalls bekämpft werden.
Worum geht es bei der Änderung des Zivildienstgesetzes?
Der Zivildienst ist für diensttaugliche Menschen, die einen Einsatz in der Armee nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können, ein Ersatz für den Militärdienst. Er dauert anderthalbmal so lang wie der Militärdienst und wird zum Beispiel im Sozialbereich, im Gesundheits- oder Bildungswesen absolviert.
Es ist möglich, vom Militärdienst in den Zivildienst zu wechseln, ein Drittel der Zulassungsgesuche wurde 2025 nach der Rekrutenschule eingereicht.
Mit der Revision soll die Zahl der jährlichen Zulassungen zum Zivildienst von derzeit rund 7200 auf 4000 sinken.
Unseren ausführlichen Artikel über die Vorlage finden Sie hier:
Mehr

Mehr
Schweizer Politik
Abstimmung vom 14. Juni: Soll der Zugang zum Zivildienst eingeschränkt werden?
Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht
07. Apr. 2026
Das Parlament möchte die Zugangsbedingungen zum Zivildienst verschärfen, um den Bestand der Armee zu stärken. Dagegen wurde das Referendum ergriffen.
Mehr Abstimmung vom 14. Juni: Soll der Zugang zum Zivildienst eingeschränkt werden?
Verschiedene Massnahmen sollen den Zivildienst weniger attraktiv machen. So soll es auch für diesen Dienst eine Art «Wiederholungskurs» geben.
Die Ersatzdienste würden sich immer auf mindestens 150 Tage belaufen, ungeachtet des Dienstgrades und der bereits absolvierten Militärdiensttage. Der Einsatz soll jährlich stattfinden und kann so weniger flexibel geplant werden.
Die Vorlage wird von Bundesrat, einer Parlamentsmehrheit sowie den bürgerlichen Parteien SVP, FDP und Die Mitte unterstützt. Rückhalt erhält sie zudem von der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG) und weiteren armeenahen Organisationen. Gegen die Gesetzesänderung stellen sich SP, Grüne und GLP sowie der Zivildienstverband Civiva, der zusammen mit den Jungen Gründen das Referndum ergriffen hat.
Das sind die Argumente der Befürworter:innen
Bundesrat Guy Parmelin argumentierte in der Parlamentsdebatte, dass der Zivildienst zu einem «problematischen Massenphänomen» geworden sei, entgegen seinem ursprünglichen Ziel als Ausnahme für Personen mit Gewissenskonflikt.
Mit den verschärften Zugangsbedingungen sollen die Abgänge begrenzt und der Personalbestand der Armee gesichert werden. Hintergrund ist die angespannte geopolitische Lage mit dem Ukrainekrieg.
Das sind die Argumente der Gegner:innen
Die Gegner:innen betonen dagegen die wichtige Rolle des Zivildienstes für das Gesundheits- und Sozialwesen. Eine deutliche Reduktion der Zivildienstleistenden würde den Personalmangel in diesen Bereichen verschärfen. Zu den Gegner:innen der Vorlage gehört auch die Kleinbauern-VereinigungExterner Link.
Zudem bezweifeln sie, dass die Armee von den Verschärfungen profitiert, da Dienstpflichtige weiterhin die Möglichkeit hätten, sich medizinisch ausmustern zu lassen. Die Reform sei Teil einer «Salamitaktik», die den Zivildienst schrittweise schwächen könne.
Artikel in dieser Story