Herzkatheter

TAVI als Standard bei schwerer symptomatischer Aortenstenose

Die Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) hat sich in den vergangenen Jahren als Standardtherapie für viele Patienten mit schwerer symptomatischer Aortenstenose etabliert.

Mit der Ausweitung der Indikation auf ältere Patientengruppen mit niedrigerem Operationsrisiko steigt die Zahl der Eingriffe kontinuierlich. Gleichzeitig wurden durch technische Weiterentwicklungen und zunehmende Erfahrung der Zentren zahlreiche prozedurale Komplikationen reduziert.

TAVI und Schlaganfall: Eine weiterhin relevante Komplikation

Trotz dieser Fortschritte bleibt der Schlaganfall eine der schwerwiegendsten Komplikationen nach TAVI. Die Ereignisrate liegt typischerweise zwischen 2 % und 5 %, wobei neurologische Defizite häufig mit dauerhafter Einschränkung der Lebensqualität, erhöhtem Pflegebedarf und gesteigerter Mortalität verbunden sind. Vor diesem Hintergrund untersuchte eine schwedische Registerstudie die zeitliche Entwicklung von Schlaganfällen innerhalb von 30 Tagen nach TAVI sowie deren Prädiktoren und prognostische Bedeutung.

Analyse nationaler Registerdaten zu Schlaganfall nach TAVI

Für die Untersuchung eines Teams um den Kardiologen Antros Louca von der Sahlgrenska-Universitätsklinik in Göteborg wurden Daten aus dem schwedischen SWEDEHEART-Register ausgewertet. Eingeschlossen wurden 11.957 Patienten, die zwischen 2008 und 2023 eine TAVI erhielten. Primärer Endpunkt war das Auftreten eines ischämischen oder hämorrhagischen Schlaganfalls innerhalb von 30 Tagen nach dem Eingriff.

Während des Beobachtungszeitraums stieg die jährliche Zahl der TAVI-Prozeduren von 77 auf 1.761 Eingriffe. Parallel dazu veränderte sich das Risikoprofil der behandelten Patientenpopulation: Das mediane Alter sank leicht, insbesondere sank das operative Risiko, gemessen am EuroSCORE II, deutlich.

Ergebnisse: Rückgang der Ereignisrate im Zeitverlauf

Insgesamt erlitten 374 Patienten (3,1 %) innerhalb von 30 Tagen nach TAVI einen Schlaganfall. Die Mehrheit der Ereignisse trat während des initialen Krankenhausaufenthalts auf. Von allen Schlaganfällen waren 83,4 % ischämisch und 7,8 % hämorrhagisch, während ein kleiner Anteil nicht eindeutig klassifizierbar war.

Die 30-Tage-Schlaganfallrate sank im Studienzeitraum von 5,3 % im Jahr 2008 auf 3,2 % im Jahr 2023. Dies entspricht einer jährlichen Reduktion der Schlaganfallwahrscheinlichkeit von etwa 3 %. Ein Teil dieses Rückgangs ließ sich durch die Behandlung von Patienten mit geringerem Risikoprofil erklären. Die Abnahme des EuroSCORE II war dabei der wichtigste Einflussfaktor. Allerdings blieb auch nach Adjustierung ein günstiger Zeiteffekt bestehen, was auf zusätzliche Verbesserungen in Technik, Implantationsverfahren und periinterventionellem Management hindeutet.

Risikofaktoren für Schlaganfall nach TAVI identifiziert

Die multivariable Analyse identifizierte mehrere Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko für einen Schlaganfall innerhalb von 30 Tagen assoziiert waren:

Vorausgegangener Schlaganfall (Odds Ratio [OR] 2,42),Weibliches Geschlecht (OR 1,33),Vorliegen einer Porzellanaorta (OR 1,92),Verwendung selbstexpandierender Klappensysteme (OR 1,44).Geringes Schlaganfallrisiko nach TAVI-in-SAVR

Dagegen zeigte sich bei TAVI-Eingriffen bei Patienten mit degeneriertem chirurgischen Aortenklappenersatz (transcatheter aortic valve implantation in surgical aortic valve replacement [TAVI-in-SAVR]) ein geringeres Schlaganfallrisiko (OR 0,38). Die Autoren betonen jedoch, dass dieser Befund aufgrund deutlicher Unterschiede in den Ausgangscharakteristika der Patienten lediglich als hypothesengenerierend zu interpretieren ist.

Mortalität und neurologische Komplikationen nach Schlaganfall

Die prognostische Relevanz früher neurologischer Komplikationen war erheblich. Die 30-Tages-Mortalität betrug bei Patienten ohne Schlaganfall 2,1 %, gegenüber 11,8 % nach einem Schlaganfall. Auch langfristig blieb die Prognose deutlich schlechter: Nach Adjustierung war ein Schlaganfall innerhalb von 30 Tagen mit einer mehr als zweifach erhöhten 1-Jahres-Mortalität assoziiert (Hazard Ratio [HR] 2,34).

Studienergebnisse unterstreichen Bedeutung einer verbesserten Risikostratifizierung

Die Schlaganfallrate nach TAVI ist zwar über die vergangenen Jahre kontinuierlich gesunken, neurologische Komplikationen sind jedoch weiterhin mit einer erhöhten Mortalität assoziiert.

Für die klinische Praxis unterstreichen die Daten die Bedeutung einer verbesserten Risikostratifizierung, insbesondere bei Patienten mit vorausgegangenem Schlaganfall oder ausgeprägter vaskulärer Kalzifikation. Zukünftige Studien sollten klären, welche Patientengruppen von gezielten neuroprotektiven Strategien oder weiterentwickelten Embolie-Schutzsystemen profitieren könnten.