Die Ausgangslage nach dem ersten Wahlgang scheint auf den ersten Blick eindeutig: Andreas Breitenmoser (Die Mitte) liegt bei der Wahl ums Stadtpräsidium deutlich vor seinen Konkurrenten. Im Rennen um den Stadtrat erreichte Lukas Reimann (SVP) das beste Resultat, verfehlte das absolute Mehr jedoch ebenfalls klar. Damit ist die Entscheidung vertagt. Am 16. August fällt die Wahl in einem zweiten Wahlgang.
Könnte es zu einem Bündnis kommen?
In politischen Kreisen wird nun über mögliche Strategien diskutiert. Ein Szenario: Thomas Abbt (Die Mitte) verzichtet auf eine erneute Kandidatur für den Stadtrat, während Michael Sarbach (Grüne prowil) seine Kräfte auf die Stadtratswahl konzentriert und auf eine Kandidatur für das Stadtpräsidium verzichtet.
In einem solchen Fall wird Grüne/SP Andreas Breitenmoser für das Stadtpräsidium unterstützen, während die Mitte im Gegenzug Michael Sarbach bei der Stadtratswahl unterstützt. Ziel eines solchen Bündnisses wäre es, die Chancen gegen Lukas Reimann zu erhöhen.
Die Mathematik spricht dafür
Rechnerisch wäre eine solche Konstellation nicht aussichtslos. Thomas Abbt erhielt im ersten Wahlgang knapp 2’000 Stimmen. Würde ein grosser Teil dieser Wählerinnen und Wähler zu Michael Sarbach wechseln, könnte dieser den Rückstand auf Lukas Reimann aufholen. Auch Andreas Breitenmoser könnte von zusätzlichen Stimmen aus dem grün-alternativen Lager profitieren und seine Favoritenrolle weiter ausbauen.
Parteien halten sich bedeckt
Ob ein solches Bündnis tatsächlich zustande kommt? «Alles noch offen», sagt Thomas Abbt auf Anfrage. Und Mike Sarbach sagt: «Das ist eine Option. Zuerst werde man intern diskutieren und dann Gespräche mit den anderen Parteien führen.» Nun zeigt die Erfahrung, dass sich Wählerstimmen nicht einfach von einer Kandidatur auf die andere übertragen lassen. Dennoch dürfte in den kommenden Tagen intensiv gerechnet und sondiert werden. Denn klar ist: Der erste Wahlgang hat zwar Favoriten hervorgebracht, entschieden ist in Wil aber noch nichts.
Der Sommer könnte politisch heiss werden
Bis zur Eingabefrist für Wahlvorschläge am 22. Juni bleibt wenig Zeit. Die Parteien müssen nun entscheiden, ob sie auf Eigenständigkeit setzen oder ob strategische Überlegungen den Ausschlag geben.