Magenbypass

Sowohl Adipositas als auch Typ-2-Diabetes sind mit einer erhöhten Krankheitslast sowie kardiometabolischen Folgeerkrankungen und perioperativen Risiken verbunden. Patienten, die an beiden Erkrankungen leiden, entwickeln häufiger chirurgische und anästhesiologische Komplikationen. Zudem ist Typ-2-Diabetes mit einem erhöhten Risiko für Rehospitalisierungen und postoperative Todesfälle assoziiert. Daher gewinnen die präoperative Risikostratifikation, die Operationsplanung und die metabolische Optimierung an Bedeutung.

Gewichtsreduktion als Teil der perioperativen Optimierung

Zur Gewichtsreduktion stehen vor allem metabolisch-bariatrische Eingriffe und Glucagon-like-Peptide-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-Rezeptoragonisten) zur Verfügung. Letztere verbessern die Glukoseregulation und können sich positiv auf Gewicht, Blutdruck und den Lipidstoffwechsel auswirken.

Bariatrische Verfahren wie die Schlauchmagenoperation, der Roux-en-Y-Magenbypass oder das adjustierbare Magenband führen bei geeigneten Patienten häufig zu einer ausgeprägten Gewichtsabnahme. Mit der zunehmenden Anwendung moderner inkretinbasierter Therapien stellt sich die Frage, wie sich beide Ansätze perioperativ einordnen lassen.

Retrospektive Analyse aus der Epic-Cosmos-Datenbank

Das Ziel einer retrospektiven Studie war es, die Reduktion des Body-Mass-Index (BMI) und die postoperativen Ergebnisse nach einer vorausgegangenen metabolisch-bariatrischen Operation oder einer GLP-1-Therapie zu vergleichen. Ausgewertet wurden Daten der US-amerikanischen Epic-Cosmos-Datenbank von Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und einem BMI von mindestens 30 kg/m², die zwischen 2016 und 2024 einen nicht-bariatrischen allgemeinchirurgischen Eingriff erhielten.

Die Gewichtsintervention musste ein bis drei Jahre vor dem Indexeingriff erfolgt sein. Für die GLP-1-Gruppe war eine mindestens einjährige kontinuierliche Verordnung mit ≥ 80 % Therapieabdeckung erforderlich. Patienten mit kombinierter bariatrischer Operation und GLP-1-Therapie wurden ausgeschlossen.

Studienpopulation mit hoher Komorbiditätslast

Insgesamt wurden 9.470 Patienten eingeschlossen. Sie waren im Median 64 Jahre alt, 60,6 % waren Frauen und die Komorbiditätslast war meist hoch. Am häufigsten wurden Gallenblasenoperationen, Hernienoperationen und kolorektale Eingriffe durchgeführt.

Die Mehrheit der Patienten erhielt vor dem allgemeinchirurgischen Eingriff eine GLP-1-Therapie, eine kleinere Gruppe hatte zuvor eine metabolisch-bariatrische Operation. Patienten unter GLP-1-Therapie waren im Median älter und wiesen eine etwas höhere Komorbiditätslast auf, die Patienten nach bariatrischer Operation hatten häufiger einen sehr hohen Ausgangs-BMI. Der Zeitraum zwischen der Gewichtsintervention und dem späteren Eingriff war vergleichbar.

Bariatrische Chirurgie mit stärkerer BMI-Reduktion

Die Gewichtsverläufe unterschieden sich deutlich zwischen den einzelnen Interventionen. Eine Abnahme des BMI um mindestens 10 Einheiten gelang nach bariatrischer Chirurgie bei 72,4 % der Patienten, unter GLP-1-Therapie dagegen nur bei 7,2 %. Eine Zunahme des BMI wurde unter GLP-1-Therapie häufiger beobachtet als nach bariatrischer Operation.

Auch nach statistischer Gewichtung blieb die bariatrische Chirurgie mit einer deutlich stärkeren Abnahme des BMI assoziiert. Dieser Vorteil zeigte sich über alle BMI-Ausgangsgruppen hinweg und war bei sehr hoher Adipositas am stärksten ausgeprägt.

Höherer BMI als perioperativer Risikofaktor

Bei nahezu jedem zweiten Patienten, der sich einer nicht-bariatrischen allgemeinchirurgischen Operation unterzogen hatte, trat mindestens eine postoperative Komplikation auf. Etwa jeder vierte Patient musste länger im Krankenhaus bleiben. Die Wiederaufnahmerate betrug 12,4 %, die 30-Tage-Mortalität 2,0 %. Ein höherer BMI zum Zeitpunkt der Operation war unabhängig mit mehr postoperativen Komplikationen und einer längeren Verweildauer assoziiert.

BMI-Reduktion vermittelt geringeres Komplikationsrisiko

Im Vergleich zu einer GLP-1-Therapie war eine vorausgegangene bariatrische Operation mit einem geringeren Risiko für postoperative Komplikationen, verlängerte Krankenhausaufenthalte und Wiederaufnahmen verbunden. Dieser Unterschied wurde maßgeblich durch die stärkere BMI-Reduktion vermittelt. Bei Patienten mit einem Ausgangs-BMI von mindestens 35 kg/m² ging eine BMI-Abnahme mit niedrigeren Komplikationsraten einher. Bei einem BMI zwischen 30 und 34 kg/m² war dieser Zusammenhang nicht eindeutig nachweisbar.

Gewichtsreduktion vor Operationen individuell abwägen

Die Daten deuten darauf hin, dass eine strukturierte Gewichtsreduktion vor der Operation bei adipösen Patienten mit Typ-2-Diabetes ein relevanter, modifizierbarer Risikofaktor sein kann. Insbesondere Patienten mit einem höheren Ausgangs-BMI könnten vor elektiven allgemeinchirurgischen Eingriffen von einer bariatrischen Operation profitieren, wenn eine substanzielle Gewichtsreduktion angestrebt wird.

Aufgrund des retrospektiven Designs, möglicher Confounder, fehlender Angaben zur Operationskomplexität, zum HbA1c-Wert, zur GLP-1-Dosierung und zur Körperzusammensetzung sowie aufgrund der fehlenden Vergleichsgruppe ohne Gewichtsintervention bleibt eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung entscheidend.