Die Deutschen trinken gerne Kaffee. Das Heißgetränk schmeckt nicht nur – sondern soll auch Demenz entgegenwirken können, wie eine große US-Studie nun zeigt. Was steckt genau dahinter? Ein Blick auf die Studienergebnisse.

Eine große US-amerikanische Studie legt nahe, dass der Konsum koffeinhaltigen Kaffees und Tees langfristig mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden sein könnte. Veröffentlicht wurde die Untersuchung im Fachjournal JAMA. Grundlage waren Daten aus zwei großen Langzeitstudien, der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-up Study. Insgesamt wurden die Angaben von 131.821 Frauen und Männern ausgewertet, die zu Studienbeginn weder an Krebs noch an Parkinson oder Demenz erkrankt waren. Die medizinische Beobachtung erstreckte sich über einen Zeitraum von bis zu 43 Jahren.

 

Studie untersucht Zusammenhang zwischen Koffeinkonsum und Demenzrisiko

Im Verlauf der Beobachtungszeit wurden 11.033 neue Demenzfälle dokumentiert. Die Forschenden analysierten wiederholt, in welchem Umfang die Teilnehmenden koffeinhaltigen Kaffee, entkoffeinierten Kaffee und Tee konsumierten. Dabei zeigte sich ein statistischer Zusammenhang: Personen, die mehr koffeinhaltigen Kaffee tranken, erkrankten seltener an Demenz. Zudem berichteten sie seltener über einen subjektiven Rückgang ihrer Gedächtnisleistung. Für entkoffeinierten Kaffee ließ sich ein vergleichbarer Zusammenhang nicht feststellen.

Ähnliche Beobachtungen ergaben sich auch für Tee. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei moderatem Konsum. Nach den Ergebnissen der Studie waren etwa zwei bis drei Tassen koffeinhaltiger Kaffee oder ein bis zwei Tassen Tee pro Tag mit den günstigsten Werten verbunden. Ein höherer Konsum war laut der Untersuchung jedoch nicht automatisch mit zusätzlichen Vorteilen verknüpft.

 

Auffällige Ergebnisse bei moderatem Konsum

Der Studienleiter Daniel Wang von der Harvard T.H. Chan School of Public Health betonte in einer Pressemitteilung, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Solche Studien können Zusammenhänge aufzeigen, erlauben jedoch keinen Nachweis einer ursächlichen Wirkung. Auch andere Einflussfaktoren wie Lebensstil, Ernährung oder sozioökonomische Bedingungen könnten bei den Ergebnissen eine Rolle gespielt haben.

Wang erklärte zudem, Ernährungsrichtlinien konzentrierten sich bislang vor allem auf die Vorbeugung chronischer Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, während die kognitive Gesundheit seltener im Mittelpunkt stehe. Dabei gebe es Zusammenhänge zwischen diesen Bereichen. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, die Verbindung zwischen Ernährung und Gehirngesundheit stärker zu berücksichtigen.

 

Kein Anlass für unbegrenzten Koffeinkonsum

Fachleute mahnen dennoch zur Vorsicht. Die vorliegenden Daten liefern keinen Anlass, den eigenen Koffeinkonsum gezielt zu erhöhen. Zudem reagieren manche Menschen empfindlich auf Koffein, etwa bei Schlafproblemen, Angststörungen oder Herzrhythmusstörungen.

Warum Kaffee und Tee möglicherweise günstige Effekte auf die Gehirngesundheit haben könnten, ist weiterhin Gegenstand der Forschung. Neben Koffein enthalten beide Getränke zahlreiche bioaktive Substanzen, darunter Polyphenole. Diese könnten unter anderem Entzündungsprozesse und oxidativen Stress beeinflussen.

Unabhängig davon ersetzen Kaffee und Tee keine etablierten Maßnahmen zur Förderung der Hirngesundheit. Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, der Verzicht auf Rauchen, eine ausgewogene Ernährung sowie die Kontrolle von Blutdruck und Diabetes gelten weiterhin als wichtige Faktoren. Kaffee kann nach derzeitigem Forschungsstand allenfalls als ein möglicher Baustein unter mehreren betrachtet werden.

 

emf