ZDF / Lars Döring
Es läuft die Fußball-Weltmeisterschaft 2026, doch die Bildschirme von ARD und ZDF blieben am Dienstagabend komplett fußballfrei. Was wie ein schlechter Scherz für Sport-Fans klingt, ist das Ergebnis eines harten, politisch erzwungenen Sparkurses bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Während die Telekom die exklusiven Rechte hält und die Senderchefs den Rotstift ansetzen müssen, zeigt sich beim Blick auf die TV-Quoten eine irre Überraschung.
Das gab es bisher nie: Es läuft die Fußball-Weltmeisterschaft, aber ARD und ZDF waren am Dienstagabend fußballfrei. Wie kam’s? Vor allem konservative Partien haben sich über Jahre dafür ausgesprochen, dass die Öffentlich-Rechtlichen sparen sollen – und nicht zu viel Geld unter anderem für teure Sportrechte ausgeben sollen. So erhielt die Telekom den Zuschlag für alle WM-Spiele; und ARD/ZDF zeigen „nur“ 60 – Fun Fact: Konservative Kreise beklagen jetzt, dass ARD und ZDF zu wenig Fußball zeigen würden, man zahle doch Rundfunkbeitrag…
Wie waren die Reichweiten von Frankreich – Senegal am Dienstag?
Dass in den offiziellen Quotenlisten keinerlei Zuschauerzahlen des eigentlichen WM-Rechteinhabers MagentaTV auftauchen, hat einen einfachen, strategischen Grund: Die Deutsche Telekom lässt ihre Reichweiten für die Plattform nicht wie die klassischen TV-Sender ARD, ZDF oder RTL über das etablierte System der AGF Videoforschung (Arbeitsgemeinschaft Videoforschung) messen. Da MagentaTV in erster Linie als modernes Streaming-Programm konzipiert ist und über internetbasierte Plattformen (IPTV) empfangen wird, nutzt der Konzern interne, digitale Messverfahren. Diese erfassen die genauen Abrufzahlen und Streams zwar sekundengenau, die Daten werden von der Telekom jedoch als Geschäftsgeheimnis behandelt und nicht für die tägliche, öffentliche TV-Quoten-Auswertung in Deutschland freigegeben.
Deutsche Serien-Power im Ersten: Konstanz schlägt das Sommerloch
Auch ohne die WM im Ersten oder Zweiten taten sich am Dienstagabend zahlreiche Privatsender sehr schwer, dafür triumphierte das ZDF mit Sebastian Lege, der den Sender – wie in dieser Woche bekannt wurde – zum Jahresende verlassen wird. Bis das passiert, brachte Lege dem Sender nochmals die Marktführung bei 14-49. „BesserEsser: Tricks der Lebensmittelindustrie weltweit“ sicherte sich 14,2 Prozent bei den Jüngeren, insgesamt schauten 2,19 Millionen Menschen zu.
Das ZDF hat bereits mitgeteilt, dass man „BesserEsser“ auch 2027 fortsetzen möchte – andere Köpfe sollen dann an die Stelle von Lege treten. Dessen Zukunft ist noch offen, es gibt aber Gerüchte, dass er sich enger an die RTL-Gruppe bindet. Für Vox trat er schon in den vergangenen Jahren parallel zu seinem ZDF-Engagement in Erscheinung.
Deutsche Serien zeigte derweil Das Erste am Dienstagabend. „Die Kanzlei“ und „In aller Freundschaft“ erreichten ab 20:15 Uhr und ab kurz nach 21 Uhr im Schnitt 14,3 und 14,6 Prozent Marktanteil bei allen, insgesamt lag die Reichweite bei 2,86 und 3,06 Millionen Zusehenden.
Kleine Brötchen backen mussten die Privaten. Bei RTL tat sich eine „Dünentod“-Wiederholung mit gerade einmal 3,1 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen richtig schwer. Ein gutes Trostpflaster war aber die Gesamtreichweite, der Krimi hatte also ein recht altes Publikum. Zwei Millionen schauten im Schnitt zu, davon waren jedoch nur rund 110.000 zwischen 14 und 49 Jahre alt.
3,5 und 4,2 Prozent Marktanteil sicherte sich ein „Navy CIS“-Doppelpack im Sat.1-Programm, ProSieben sendete „Schlag den Star“ aus dem Archiv und sicherte sich mit der einst live am Samstagabend ausgestrahlten Sendung 5,2 Prozent. ProSieben gab unter den kommerziellen Sendern am Dienstagabend also die beste Figur ab.
Drei Key-Learnings aus diesen Wochen:
Streaming-Plattformen diktieren den Rhythmus: Dass ARD und ZDF nur noch 60 von 104 WM-Spielen zeigen, untermauert den rasanten Relevanzverlust des klassischen Free-TVs bei gigantischen Sport-Events. Die Filetstücke wandern zunehmend hinter die Paywalls.
Die Relevanz von Sender-Gesichtern: Der phänomenale Erfolg von Sebastian Lege zeigt, dass exklusive Köpfe im Jahr 2026 wichtiger sind denn je. Verliert ein Sender wie das ZDF seine Identifikationsfiguren, droht bei der jungen Zielgruppe ein dauerhafter Quoten-Absturz.
Wiederholungs-Falle im Sommer: Die Privatsender manövrieren sich mit billigen Archiv-Wiederholungen im Sommer zunehmend selbst ins Abseits. Wer im Juni kein frisches Programm bietet, verliert die junge, werberelevante Zielgruppe endgültig an die digitalen Streaming-Angebote.
Quelle: AGF Videoforschung; AGF SCOPE 1.15; 16.06.2026; Marktstandard: Bewegtbild; Auswertungstyp TV; produktbezogen
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