Es gibt Firmengründer, die über lange Zeit und mit höchster Kompetenz immer wieder Meilensteine der HiFi-Geschichte setzten. In der kleinen und nerdigen Welt des High End HiFi gehört Dan D’Agostino zweifelsfrei zu diesen Legenden, dessen Portfolio verarbeitungstechnisch, aber auch preislich allerdings in äußerst exklusiven Sphären angesiedelt ist. LowBeats hatte nun seinen neuen „Einsteiger“-Vollverstärker Pendulum mit optionalem Streaming-Digitalboard im Test. Der ist – erwartungsgemäß – leider nicht billig. Aber leider auch sehr gut…
Dan D’Agostino – Von Fiction zu Science
Der Experte für Verstärkerschaltungen Dan D’Agostino hat die nicht minder legendäre Marke Krell begründet und damit den Grundstein für seinen Ruf als begnadeter Verstärkerentwickler begründet.
Pendulum: Ein Vollverstärker wie aus dem Bilderbuch (Foto: F. Borowski)
Wie es manchmal so kommt: Im Jahr 2009 verließ D’Agostino Krell wegen Streitigkeiten mit der damaligen Geschäftsführung das von ihm gegründete Unternehmen. Kurz nach dem Weggang gründete er 2011 die Firma Dan D’Agostino Master Audio Systems und begann noch im selben Jahr Verstärker unter eigenem Namen zu bauen und zu verkaufen. Erste Produkte waren die Momentum- und Progression‑Serie. Letztere wird in diesem Jahr komplett überarbeitet. Auf der High End in Wien waren die Neuheiten schon zu sehen. Zu den jüngeren Sprösslingen gehört auch der Momentum Z Mono-Endverstärker.
Doch wir bleiben bei dem „Einstiegsmodell“ von D’Agostino, dem Vollverstärker Pendulum. Ich schreibe das bewusst in Anführungszeichen, denn mit Preisen ab rund 23.500 bis knapp 29.000 Euro – je nach Ausstattung mit Phono-Modul und/oder Streamingboard – hört sich „Einstigesmodell“ etwas seltsam für einen HiFi-Verstärker an. Aber der Pendulum ist nun mal der derzeit günstigste Amp im super exklusiven D‘Agostino-Portfolio.
Es handelt sich bei den Schöpfungen von D’Agostino zweifellos um absolute Luxusprodukte. Aber immer auch um technologische Exzellenz, also das, was High-End Hifi eigentlich ausmacht: Die ständige Verschiebung von Grenzen, um das Klangerlebnis immer noch ein bisschen weiter in Richtung absoluten Realismus zu verbessern. Ein Ziel, dass bei dem heutigen durchschnittlichen Qualitätsstandard besserer Verstärker gar nicht so einfach zu realisieren ist, denn Verbesserungen finden oft nur noch im kleinen Prozentbereich statt. Manche behaupten sogar, es gibt gar keine Unterschiede bei Verstärkern mehr, außer deren Funktionen und ihre Ausgangsleistung. Aber so weit würde ich nicht gehen. Dass tatsächlich noch mehr gehen kann, beweisen solche Sahneverstärker wie die Linn Solo Klimax 500.
Seine persönlichen (Klang-) Grenzen setzt Dan D’Agostino derzeit mit Verstärkern wie den unglaublichen Relentless Monoblöcken zum Gegenwert eines kleineren Einfamilienhauses oder auch mit den Endstufen Momentum Z. Die kleineren Serien Progression und eben auch der Pendulum wollen aber keine so großen Klangabstriche machen, um damit im Mainstream und Beliebigkeit unterzugehen. Nein, ein echter Dan klingt immer überragend. – So zumindest die Meinung der Fans. Aber stimmt das auch?
Dan D’Agostino Pendulum: Luxus trifft auf Steam Punk
Es sind zwar nur Äußerlichkeiten, und die spielen angeblich bei wahren High-Endern keine Rolle, weil nur der Klang zählt. Aber wir wissen alle tief in unserem Herzen, dass die Optik auch im HiFi eine sehr große Rolle bei unseren Entscheidungen spielt. Nicht selten sogar die ausschlaggebende.
Die Produkte von D’Agostino unterscheiden sich seit jeher von der Konkurrenz und haben stets ihren eigenen Look. Den muss man nicht mögen, aber er hat Charakter. Tolle Geschichten ranken sich um die Herkunft bestimmter Design-Details. Wie etwa, dass die ursprünglichen Krell-Verstärker mit ihren großen Zeigerinstrumenten von dem klassischen Science-Fiction-Film „Forbidden Planet“ (1956) inspiriert waren. Auch der Firmenname Krell stammt demnach aus diesem Film, in dem eine ominöse Alien-Spezies namens „Krell“ eine Rolle spielen, die allerdings schon seit 200.000 Jahren aus dem Universum verschwunden sind. Die Krell hinterließen eine gigantische, noch immer funktionierende unterirdische Maschine mit einem Volumen von 33.000 km³, die von 9.208 thermonuklearen Reaktoren gespeist wird und grenzenlose Macht verleihen soll – was bei Betrachtung der heutigen, immer größer werdenden KI-Rechenzentren beängstigend visionär für eine Story aus den 50ern anmutet, allerdings mit Audio-Verstärkern nur wenig zu tun hat…
Steam-Punk-Elemente mit Kupfer-Highlights und üppiger Metallverarbeitung zeichnen das Design des Pendulum aus (Foto: F. Borowski)
Von solch fantastischen Storys scheint auch das D’Agostino-Design inspiriert zu sein. Ich hatte zwar noch nicht die Gelegenheit, den Meister persönlich danach zu fragen. Aber für mich könnten Filme wie „20.000 Meilen unter dem Meer“ Einfluss gehabt haben. Vor allem die oft bei Dan D’Agostino zu findenden Kupferelemente, die nicht nur aus technischen Gründen eingesetzt werden (Wärmeableitung, Schutz gegen RF-Einstreuungen). Auch Zierelemente, wie hier der Ring um das runde Display des Pendulum, sind bei seinen Kreationen häufig aus Kupfer.
Besagter Display-Ring sieht ein wenig aus, wie der Verschluss des Sichtglases in einem historischen Taucheranzug. Oder wie Bullaugen des berühmten Unterseebootes Nautilus aus dem Film. Wie gesagt: Ob das wirklich Dans Inspirationsquelle war, ist mir nicht bekannt. Aber ich assoziiere es damit.
Massiver Drehknopf mit Kupfer-Intarsien (Foto: F. Borowski)
Auch der Rest der Verstärkers verdient einen genaueren Blick. Und ich ich muss hier betonen, dass Bilder dem Amp in seiner wahren Pracht kaum gerecht werden. Mann muss das Gesamtkunstwerk unbedingt persönlich und im Detail inspizieren. Nur dann entdeckt man an den vielen massiven Aluteilen etwa solche Dinge, wie die sehr feinen Längsrillen im Deckel. Der ist also nicht einfach mit einem Standard-Schliff versehen, wie man ihn an unzähligen anderen Komponenten mit Gehäusedeckeln aus Aluminium findet. Also mattiert, poliert oder mit einem von diversen Schliff-Varianten gefinished. Die feinen Längsrillen im Deckel des Pendulum, die nur bei genauem Hinsehen oder in der Vergrößerung (siehe nächstes Foto) als solche zu erkennen sind, erzeugen beim Drüberstreichen mit der Hand ein ganz eigenes „Sssst!“-Geräusch und reflektieren Licht anders als von silbernen Alu-Gehäusen gewohnt.
Ganz feine Längsrillen in der Deckelplatte des Pendulum. Auch die Bohrungen für die Belüftung sind sauber im Detail (Foto: F. Borowski)
Ein genauer Blick auf die großzügig abgerundeten Gehäuseecken offenbart weitere Design-Besonderheiten. Deren Radius ist nämlich leicht stufig, oder facettiert. Ein Stilelement, das D’Agostino auch an anderen Gehäusen (auch beim neuen Momentum Z) genutzt hat. Auch das trägt zum besonderen Look dieses Verstärkers bei.
Die facettierten Kantenrundungen des Gehäuses (Foto: F. Borowski)
Viel Aluminium bedeutet, obwohl es sich um ein Leichtmetall handelt, hohes Gewicht. Zusammen mit dem kräftigen 750 VA Ringkerntrafo in seinem Inneren bringt der Pendulum stattliche (fast) 20 Kilo auf die Waage. Alles in Allem ist der Amp eine in jeder Hinsicht beeindruckende Erscheinung.
Die nackten Zahlen
Ein Verstärker ist ein Verstärker, ist ein Verstärker. Grundsätzlich haben alle die selbe profane Aufgabe, nämlich die Signalverstärkung zur Tonausgabe über Schallwandler. Jeder moderne Class-D Amp in Winzigbauweise leistet heute genug, um beinahe jeden Lautsprecher des Planeten betreiben zu können. Wie etwa der FiiO Jade Audio Level1. Ein Verstärker für weniger als 150 Euro, der 2 x 300 W an 4 Ohm liefert. Der Pendulum schafft „nur“ 240 W an 4 Ohm (120 W an 8 Ohm) pro Kanal. Ausgangsleistung allein macht aber nicht glücklich: Es geht immer auch um Verzerrungsarmut.
Der Blick ins Innenleben. Bei Dan wird geklotzt, nicht gekleckert (Foto: F. Borowski)
D’Agostino arbeitet im Pendulum mit einer Class-A/B-Schaltung. So eine Schaltung könnte man nach Schema F aus einem Lehrbuch bauen, oder von einem Computerprogramm im Handumdrehen berechnen lassen. Doch keine Software der Welt (und auch noch keine KI) kann die im High End unumgängliche klanglichen Feinabstimmung aller Bauteile erledigen. Dazu sind immer noch menschliche Ohren und zeitintensive Hörvergleiche erforderlich. Von dem Aufwand zum Bau der Prototypen ganz zu schweigen. Aber so und nicht anders muss das sein, wenn man sich aus der Masse abheben will. Bei den D’Agostino-Entwicklern ist das eine Selbstverständlichkeit.
Der kräftige 750-VA-Trafo des Pendulum trägt maßgeblich zum Gesamtgewicht von knapp 20 Kilo bei (Foto: F. Borowski)
Die restlichen technischen Daten finden Sie in der folgenden Tabelle. Die sagen aber nur wenig über den Klang und die Praxistauglichkeit eines Verstärkers aus.
Frequenzgang20 Hz bis 20 kHz, ±0,1 dBSignal/Rauschabstand0,015% @ 1 kHz, 120 W pro Kanal @ 8ΩEingangsimpedanz1 MΩAusgangsleistung (pro Kanal)120 W @ 8Ω / 240 W @ 4ΩAusgangsimpedang0,1ΩAnaloge Eingänge3 Paar symmetrisch XLR; 1 Paar unsymmetrisch CinchDigitaleingänge (mit opt. DSM-Modul)Je 1 optisch; RJ45 Ethernet; Wi-Fi; HDMI mit eARCPhono Impedanzen (mit opt. Phono-Modul)47 kΩ, 1 kΩ, 500Ω, 250Ω, 100Ω, 50ΩPhono Gain60 dBAusgänge1 Paar symmetrisch XLR; 6,35 mm Kopfhörer; 2 Paar LautsprecherSteuereungBT-Fernbedienung, RS-232, Trigger OutBesonderheitenBidirektionale Display-Fernbedienung, optionale Module f. Streaming + PhonoMaße (BHT)43,2 x 11,8 x 36,6 cmGewicht19,5 kgFinishSilber oder SchwarzAusstattung und Praxis
Die Basisversion des Pendulum ist ein rein analoger Vollverstärker für Hochpegelquellen. Dafür besitzt er an der Rückseite genau drei Eingänge. Und zwar nur als symmetrische XLR-Inputs. Zusätzlich verfügt er über einen ebenfalls symmetrischen Vorstufenausgang (PREAMP OUT) zum Anschluss an externe Endverstärker, sowie über einen Trigger-Ausgang. Und natürlich über einen Satz solider Lautsprecherterminals. Die nur für Servicezwecke vorgesehene RS232-Buchse mal außen vorgelassen war’s das auch schon. Also eine ziemlich puristische Ausstattung, die auf vollsymmetrische Verbindung der wichtigsten Quellen setzt.
Die analogen Anschlüsse des Pendulum. Alle Line-Eingänge liegen nur als XLR vor (Foto: F. Borowski)
Doch halt: da ist noch ein Loch in der Rückwand. Und zwar eines mit 6,35 mm Durchmesser, in das zufällig genau die größeren Klinkenstecker für Kopfhörer passen. Der Kopfhöreranschluss ist mehr als ein willkommener Bonus. Und seine Unterbringung auf der Rückseite begrüße ich sehr, denn dadurch bleibt die Front frei von Schönheitsmakeln durch Steckanschlüsse. Für diejenigen, die nicht ständig den Kopfhörer wechseln, ist das auch kein Komfort-Nachteil, denn so kann der Hörer ständig eingesteckt bleiben, ohne hässlichen Kabelauswurf an der Front. Umgeschaltet wird der Ausgang Kopfhörer/Lautsprecher über das Menü.
Zusätzlichen Anschluss-Spielraum bietet der Pendulum durch das optional erhältliche Phono-Modul (1.800 Euro), das aber nur für MC-Abtaster zu haben ist. Mein Testgerät hatte zwar die Buchsen, aber nicht das Phono-Modul.
Für die moderne digitale Welt hält Dan ein weiteres Modul mit On-Board Streaming, DAC und zusätzlichen Digitaleingängen bereit (3.600 Euro). Unterstützt durch eine App – natürlich. Damit wird der Pendulum zu einem vollwertigen Streaming-Vollverstärker.
Das optionale Streaming-Board bietet die gängigsten Anschlüsse (Foto: F. Borowski)
Zu den besonderen Ausstattungsmerkmalen des Pendulum gehört seine außergewöhnliche Bluetooth-Fernbedienung. Diese bietet, wie das Gerät selbst, ein rundes Farbdisplay und einen großen Drehring. Allerdings nicht wie die am Gerät zu findenden Dreh-/Drück-Knöpfe aus massivem Metall, sondern aus Kunstoff. Das Gehäuse der Fernbedienung besteht aus Delrin. Das ist der Handelsname für den in der Industrie häufig verwendeten Kunststoff POM (Polyoxymethylene). Der ist äußerst robust und lässt sich wunderbar in dreidimensionale Formen fräsen. Nur geht ihm ein wenig der Luxusfaktor von geschliffenem Aluminium ab, was man der Fernbedienung auch anmerkt. Die fühlt sich gut und solide an (mit Ausnahme des etwas wackelig wirkenden Dreh-/Drück-Rades), versprüht aber nicht den sonst so D’Agostino-typischen Vollmetall-Charme.
Die bidirektionale Fernbedienung mit Display gehört zu den Highlights des Pendulum (Foto: F. Borowski)
Zwar unterstützt der Pendulum mit dem optionalen Digital-Modul die heute beliebtesten Streaming-Features wie Qobuz/Tidal/Spotify-Connect, Roon Ready, dazu HDMI, WiFi und Bluetooth, aber spätestens in der App merkt man, dass andere in diesem Bereich schon etwas mehr Entwicklungszeit investiert haben. Zumindest in Sachen Benutzerführung und allgemeinem Bedienkomfort. Andererseits: Bei Nutzung der Connect-Dienste oder Roon vermisst man auch nichts, weil man die App dann nur selten bis gar nicht benötigt.
Die zugehörige App (Screenshot: F. Borowski)
Die Funktionen und Menüoptionen des Pendulum sind auf das Wesentliche begrenzt und ohne Spielereien, wie etwa vom Nutzer anpassbare virtuelle VU-Meter. Allzu viele Konfigurationsmöglichkeiten, wie etwa bei Digitalexperten wie eversolo zu finden, gibt es hier nicht. Auch nicht in Bezug auf die eigentlichen Verstärkerfunktionen. Aber alles wirklich Wichtige ist vorhanden.
Wer nur die vorhandenen und meines Erachtens sehr sinnvoll ausgewählten Funktionen benötigt, trauert anderen nicht nach. Was soll man beispielsweise mit vielen zum Teil sehr exotischen Streamingdiensten, wo man doch selten mehr als einen abonniert?
Wenn ich wirklich etwas zu kritisieren hätte, dann betrifft einen ganz anderen Aspekt. Der Pendulum ist quasi als Always-On-Komponente ausgelegt. Zwar kann er in so eine Art Ruhemodus geschaltet werden, aber das ist eigentlich nicht viel mehr, als die Stummschaltung der Ausgänge. Solange der Pendulum mit dem Stromnetz verbunden ist, verbraucht er ständig rund 29-30 Watt. Nicht mal das Display wird abgeschaltet, sondern zeigt stattdessen so eine Art Sendepause-Bild in Form des Dan-Prestige-Logos. Einen Standby mit deutlicher Senkung des Stromverbrauchs gibt es nicht. Nicht mal einen Hauptschalter an der Rückseite.
Der „Standby-Bildschirm“ (Foto: F. Borowski)
Das übliche Argument in solchen Situationen lautet, wer sich einen so kostspieligen Verstärker leisten kann, wird ja wohl auch noch die Stromrechnung dafür bezahlen können. Und vielleicht auch noch, dass die stromführenden Bauteile dadurch stets auf optimaler Temperatur für den idealen Arbeitspunkt gehalten werden, was dem Klang zugute kommt. Aber lieber Dan, denk doch bitte an uns komische Europäer. Hier kostet der Strom nicht nur im Durchschnitt rund dreimal so viel wie im schönen Utah, es herrscht auch ein anderes Bewusstsein für den Umgang mit Ressourcen.
Davon abgesehen ist der Pendulum im täglichen Betrieb ein echter Hochgenuss. Insbesondere in seiner Paradedisziplin …
Der Klang: So muss ein Vollverstärker sein
Ich habe schon viele D’Agostino-Verstärker hören dürfen. Aber nie in einer mir vertrauten Kette in meinen eigenen vier Wänden. Also konnte ich auch nie wirklich sagen, wie Verstärker aus diesem Stall tatsächlich klingen. Der Test des Pendulum ist mein erster Versuch in dieser Richtung und er hat mich äußerst positiv überrascht.
Gehört mit den Wilson Audio Sabrina V und verglichen mit meiner Verstärkerreferenz MOON 791/761 machte der Pendulum schnell klar, dass er in diesem Spiel nicht die schlechtesten Karten hat. Da wäre zunächst einmal ein typisch amerikanischer Charakter zu nennen. Vollmundig, satt und wunderbar farbstark wirkt der Pendulum. Und dadurch im erstem Moment sogar etwas kraftvoller als das kanadische Verstärkergespann. Aber Kraft ist nicht gleich Feinsinn. Doch bevor jemand im Pendulum so einen typischen Kraftmeier vermutet, der nur zwar mit dem Kopf durch die Wand, aber nicht geschickt um enge Kurven laviert, kann ich hier Entwarnung geben.
Mit dem optionalen Digital-Board gibt der Pendulum natürlich auch TV-Ton über die Lautsprecher aus (Foto: F. Borowski)
Der Pendulum verbindet seinen warmen, kraftvollen Charakter in jeder Lebenslage mit dem nötigen Sinn für die kleinen Details und dezente Harmonien, gewürzt mit einer Räumlichkeit, die Toplautsprecher wie die Sabrina V akustisch scheinbar verschwinden lässt. Nur die Bühne ist da. Röhrenähnlich, könnte man sagen. So klingt nicht nur grobes Schlagzeug stets überzeugend, sondern auch ein zart gespielte Geige oder fein geblasene Flöte wird in voller Pracht und ohne Vernachlässigung feinster Transienten wiedergegeben. Von Stimmen ganz zu schweigen. Da fällt es mir ehrlich gesagt schwer, überhaupt die Limits des Dan-Verstärkers abzustecken.
Nun gut. Im direkten Vergleich mit der MOON-Endstufe 761 fehlt dem Pendulum hier und da vielleicht ein klein wenig „Drehmoment“, wenn es um den souveränen Anschub von viel Luft geht. Und aus der Erinnerung heraus kann der Pendulum auch nicht mit der unfassbaren Klarheit und Finesse der Linn Mono-Endstufen Klimax Solo 500 mithalten. Aber die kosten auch noch mal gut das Doppelte. Wobei da nur von Endstufen die Rede ist. Es sind also vornehmlich dynamische Limits, die beim Pendulum vielleicht den Wunsch nach noch mehr aufkommen lassen. Und da sind wir wieder bei der Tatsache, dass der Pendulum ja nur der Einstieg in die illustre Welt des Dan D’Agostino ist.
Wie klangbestimmend der (analoge) Verstärkerteil ist, zeigt sich auch bei der klanglichen Analyse des Streamingboards, welches ich im Vergleich zum eversolo T8 Transport und DAC Z10 gehört habe. Das eversolo-Gespann per XLR mit dem Pendulum verbunden konnte die Steckkarte dem Pendulum in einigen Bereichen wie Feinauflösung, Tiefe der Räumlichkeit und auch dynamisch noch eine Spur mehr Realismus entlocken. Doch riesig war der Unterschied nicht. Viel entscheidender ist, dass der Pendulum sowohl mit dem internen Digitalboard, als auch mit externer Digitalelektronik seinen stets sympathischen und vollmundigen Charakter beibehalten konnte. Der analoge Vor-/Endstufenzweig gibt hier ganz klar die klangliche Pace vor.
Der integrierte Kopfhörerverstärker klingt ebenfalls großartig. Und dank der rückseitigen Buchse verschandelt kein hässlicher Kabelauswurf die schöne Front (Foto: F. Borowski)
Übrigens macht sich der Charme des Pendulum auch über seinen Kopfhörerausgang bemerkbar. Der hier getestete Yamaha YH-4000 gefiel mir tatsächlich am D’Agostino-Amp noch ein Stück besser, als am Kopfhörerverstärker Violectric HPA V324, weil der etwas japanische Charakter des offenen Kopfhörers im Zusammenspiel mit dem US-Verstärker eine natürlichere Note offenbarte, die er am etwas nüchterner spielenden Violectric vermissen ließ. Top!
Fazit Dan D’Agostino Pendulum: keine Kompromisse
Unter dem Strich ist der Pendulum klanglich einer der besten Vollverstärker, die ich bislang hören durfte. Und ganz nebenbei auch mit einem tollen Kopfhörerverstärker ausgestattet, wie sich herausstellte.
Neben seinen herrlichen Klang ist der Pendulum auch physisch eine echtes Luxus-Schiff, das mit seinem besonderen Design garantiert in jeder Wohneinrichtung ins Auge fällt. Die Materialqualität hebt sich nicht nur optisch, sondern auch haptisch von den allermeisten Verstärkern niedrigerer Preisklassen ab.
Wenn da nicht der unzeitgemäße Verzicht auf einen stromsparenden Standby-Modus wäre, gäbe es auch in der Praxiswertung keine nennenswerten Punktabzüge. So muss sich der Pendulum am Ende „nur“ mit einem „Sehr gut“ begnügen.
DAN D’AGOSTINO
Pendulum2026/06
SEHR GUTBewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung
Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.Großartig vollmundiger und nie anstrengender KlangEinzigartiges Design mit herausragender VerarbeitungStreaming und Phono bei Bedarf nachrüstbarkein Standby, kein Power off
Vertrieb:
Audio Reference GmbH
Alsterkrugchaussee 435
22335 Hamburg
www.audio-reference.de
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Dan D’Agostino Pendulum: ab 23.500 Euro (je nach Ausführung)
Technische DatenDan D’Agostino PendulumKonzept:VollverstärkerAusgangsleistung (pro Kanal):120 W @ 8Ω / 240 W @ 4ΩAnaloge Eingänge:3 Paar symmetrisch XLR; 1 Paar unsymmetrisch CinchAusgänge:1 Paar symmetrisch XLR; 6,35 mm Kopfhörer; 2 Paar LautsprecherBesonderheiten:Streaming/DAC-Board und Phono optional, Bidirektionale BT-Fernbedienung mit DisplayGewicht:19,5 KiloAbmessungen (B x H x T):
43,2 x 11,8 x 36,6 cm
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