«Rodeo» ©BR/2022 CG Cinéma
Auch in diesem Jahr startet die ARD ihre „Queer“-Reihe auf verschiedenen Sendern. 16 Produktionen stehen dabei auf dem Programm. Diese Titel stechen heraus.
Seit 2022 präsentiert das öffentlich-rechtliche Fernsehen seine „Queer“-Filmreihe. 2018 startete der RBB. 2022 ist der BR mit an Bord. 2026 werden zudem auch MDR und WDR wieder mit von der Partie sein. Zwei Termine entfallen konkret auf diese Sender. 16 Filme werden dabei ab dem 18. Juni 2026 präsentiert. Zwölf davon sind zum ersten Mal im deutschen Fernsehen zu sehen. Ein weiterer ist als Free-TV-Premiere eingeplant.
Nach Ausstrahlungstermin kann man die einzelnen Titel für jeweils 30 Tage in der ARD Mediathek streamen. Der Bayerische Rundfunk will außerdem am 15. Juli um 22.45 Uhr eine Dokumentation namens „Queer im Kino – Wild. Romantisch. Frei“ ausstrahlen. DIGITAL FERNSEHEN verrät, welche Filme sich in diesem Sommer besonders lohnen. Eine Übersicht über alle Sendetermine findet man am Ende des Artikels.
Rodeo eröffnet die „Queer“-Reihe
Gleich der erste Film in der diesjährigen Sendereihe gehört zu den spannendsten Filmen, die man für das Programm ausgesucht hat. In dem französischen Coming-of-Age-Drama „Rodeo“, dem Langfilmdebüt von Lola Quivorons, geht es um eine junge Bikerin namens Julia, die sich einer kriminellen Männer-Gang anschließt. Der Film nutzt dabei das Motorrad als Mythos und Ausgangspunkt, um eine sehr rohe und raue Milieustudie in der Banlieue von Bordeaux zu kreieren.
Julia erscheint als Protagonistin, die sich nicht nur in einer von Gewalt, Armut und Ausgrenzung dominierten Welt behaupten muss, sondern dabei auch Geschlechterrollen einreißt. Sie verweigert sich dem Mädchen-Image, das andere auf sie projizieren. Es ist eine harte Welt, die das Drama zeigt, in denen Menschen inmitten ihrer politisch befeuerten Misere offenbar keine Wahl bleibt, als sich dem Recht des Stärkeren zu fügen. Rebellische Gesten, Gefühle von Freiheit sucht man etwa in illegalen Straßenrennen. Es ist ein Glück von kurzer Dauer.
„Aus meiner Haut“ © BR/Walker+Worm Film
Aus meiner Haut
Der Schein trügt. Es gibt viele Momente, da mutet „Aus meiner Haut“ wie ein klassischer Sektenhorrorfilm an. Man denkt an Filme wie „Midsommar“, auch was die Bildgestaltung bisweilen anbelangt. Eine Gruppe Menschen gelangt dort auf eine Insel, wo sich Menschen einem rituellen Körpertausch hingeben. Das junge Paar Tristan und Leyla lässt sich auf das Experiment ein und erfährt, wie es sich anfühlt, im jeweils anderen Körper und Geschlecht zu leben.
Es ist ein großer Spaß, wie „Aus meiner Haut“ diese simple Idee durchspielt und verkompliziert. Er verunsichert Vorstellungen und Bildern von Geschlechtern und die ideologische Trennung von Körper und Seele. Die Brüder Alex und Dimitrij Schaad haben dabei auch einen furiosen Schauspielfilm auf die Beine gestellt, der das Spielen, Performen und Inszenieren in enger Verflechtung mit der eigenen Identität begreift.
Schlussendlich steht dabei auch die ganze sexuelle Orientierung und deren soziale Wahrnehmung auf dem Prüfstand, wenn die Körper erst einmal getauscht sind. Denn was begehrt man am Ende wirklich? Die reine Äußerlichkeit? Verhaltensweisen? Wie würden wir auf andere schauen, wenn das vermeintlich Äußere mit dem vermeintlich Innern auf einmal nicht mehr übereinstimmt?
Foto: Salzgeber/ Nicolas Graux
Viet und Nam
Dieses romantische Drama ist der bildgewaltigste Film, dem man für die diesjährige „Queer“-Reihe ausgesucht hat. Trương Minh Quý erzählt darin von der Liebe zwischen zwei jungen Bergarbeitern, die erschüttert wird, als einer von beiden davon träumt, Vietnam zu verlassen und ins Ausland zu gehen, um ein besseres Leben zu haben.
„Viet und Nam“ wirft damit einen gespenstischen, verträumten, magisch-realistischen Blick auf ein Land, das von der eigenen Geschichte und von gesellschaftlichen Rissen heimgesucht wird. Das meint hier unter anderem die Verheerungen des Vietnamkriegs, die immer noch nachwirken, sondern auch aktuelle Generationenkonflikte rund um die Frage nach der Migration.
Es sind mythisch aufgeladene Räume, die die wunderschönen, analogen 16mm-Aufnahmen dabei erkunden. Wie in Trance wandeln die Figuren durch die Welt und in eine vergleichbare Stimmung verwickelt einen auch das gesamte Werk, ehe es dem Publikum mit einem bedrohlich, eindringlichen Schlussbild den Boden unter den Füßen wegzieht.
Alle Sendetermine der ARD „Queer“-Reihe 2026
donnerstags im BR Fernsehen
18. Juni, 23.15 Uhr: Rodeo
25. Juni, 23.15 Uhr: Lilies Not For Me
2. Juli, 23.15 Uhr: Close to You
9. Juli, 23.15 Uhr: Fireworks
16. Juli, 23.15 Uhr: What a Feeling
23. Juli, 23.15 Uhr: Frau aus Freiheit
30. Juli, 23.15 Uhr: Aus meiner Haut
dienstags im RBB Fernsehen
14. Juli, 22.15 Uhr: 15 Liebesbeweise
14. Juli, 23.50 Uhr: Jungs vom Lande
21. Juli, 22.15 Uhr: Below Her Mouth
28. Juli, 22.15 Uhr: Viet und Nam
4. August, 22.15 Uhr: Sad Jokes
11. August, 22.15 Uhr: Drei Kilometer bis zum Ende der Welt
MDR
10. Juli, 00:00 (in der Nacht zum 11. Juli): Little Trouble Girls
WDR
16. Juli, 23.45 Uhr: Bis ans Ende der Nacht