Die Rolle von Schweizer Finanzplatz Als tragende Säule der Volkswirtschaft standen Vertreter und Schlüsselakteure des Bankensektors im Mittelpunkt des Treffens am 17. Juni in Bern, bei dem die wichtigsten Herausforderungen der Branche erörtert wurden. Die Initiative ging von den Bankenverbänden Genf, Tessin und Zürich sowie ihren jeweiligen Kantonen aus, um den direkten Dialog mit Bundestagsabgeordneten und Vertretern der Bundesverwaltung zu fördern.
Die Veranstaltung bot Gelegenheit, die wirtschaftliche Bedeutung des Finanzsektors und seinen Beitrag zum Wachstum der Schweiz in einer Zeit tiefgreifender internationaler Veränderungen zu bekräftigen.
Ein Vergleich zwischen Politik und Bankensektor
Die Sitzung wurde von den Präsidenten der drei Trägerorganisationen eröffnet: Denis Pittet für die Fondation Genève Place Financière, Alberto Petruzzella für den Tessiner Bankenverband (ABT) und Patrick Müller für den Zürcher Bankenverband. Ihnen schlossen sich die für Wirtschaft und Finanzen zuständigen Staatsräte der drei beteiligten Kantone an: Carmen Walker Späh und Ernst Stocker für Zürich, Delphine Bachmann für Genf und Christian Vitta für das Tessin.
Das übergeordnete Thema der Initiative war die Stärkung des Dialogs zwischen politischen Institutionen und Finanzakteuren, der als unerlässlich für die Bewältigung eines zunehmend komplexen wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmens angesehen wurde.
Die Widerstandsfähigkeit des Bankensystems
In seinen einleitenden Bemerkungen erinnerte Alberto Petruzzella daran, wie der Sektor in den letzten Jahren eine Reihe von Ereignissen erfolgreich überstanden hat, die den Finanzmarkt tiefgreifend verändert haben: von der globalen Krise 2008 über die lange Periode negativer Zinsen und die Entwicklung der internationalen Besteuerung bis hin zu den Folgen der Credit-Suisse-Krise.
Laut dem Präsidenten der ABT war die Fähigkeit, diese Schwierigkeiten zu überwinden, kein Zufall, sondern das Ergebnis solider Geschäftsmodelle, umsichtiger Unternehmensführung und des Vorhandenseins eines diversifizierten Bankenökosystems – ein Element, das auch heute noch eine der Hauptstärken des Schweizer Systems darstellt.
Regeln, die den unterschiedlichen Realitäten angemessen sind
Eines der besprochenen Themen war die Entwicklung der Bundesregulierung. Petruzzella betonte, dass künftige Regulierungen die tiefgreifenden Unterschiede zwischen den verschiedenen Marktteilnehmern berücksichtigen müssten.
Der Gesetzgeber wird dringend aufgefordert, den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit anzuwenden und zu vermeiden, dieselben Verpflichtungen unterschiedslos auf sehr unterschiedliche Einrichtungen auszudehnen. Kantonale Banken, kleinere Institute und unabhängige Vermögensverwalter, so wurde betont, operieren mit anderen Größen und Geschäftsmodellen als große Bankengruppen und benötigen daher einen ihren jeweiligen Gegebenheiten entsprechenden Regulierungsrahmen.
Das Tessin blickt auf den europäischen Markt.
Im Rahmen der Veranstaltung betonte Staatsrat Christian Vitta die anhaltende strategische Bedeutung des Finanzsektors für die Schweizer Wirtschaft und das Tessin. Neben der Schaffung Tausender qualifizierter Arbeitsplätze trägt der Sektor maßgeblich zur Wertschöpfung und zu den kantonalen Steuereinnahmen bei.
Ein wesentlicher Teil seiner Rede war dem Thema des Zugangs zum EU-Markt gewidmet. Für das Tessin, das traditionell auf internationale Vermögensverwaltung ausgerichtet ist und enge wirtschaftliche Beziehungen zu Italien pflegt, hat die Möglichkeit, grenzüberschreitende Finanzdienstleistungen in einem stabilen Rechtsrahmen anzubieten, höchste Priorität.
Vitta bekräftigte daraufhin die Notwendigkeit, den Dialog mit der Europäischen Union fortzusetzen, und forderte mehr Klarheit über die nächsten Verhandlungsphasen sowie eine strukturierte Einbindung der Kantone und Wirtschaftsakteure in den Verhandlungsprozess.
Wettbewerbsfähigkeit im Mittelpunkt der Prioritäten
Im Laufe des Treffens wurde deutlich, dass das aktuelle internationale Szenario, das von geopolitischen Spannungen, wirtschaftlichen Umwälzungen und laufenden regulatorischen Änderungen geprägt ist, die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Behörden und dem Finanzsektor noch wichtiger macht.
Das gemeinsame Ziel besteht darin, die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes durch Stärkung seiner Innovationsfähigkeit, Robustheit seines Systems und Diversität seiner Akteure zu erhalten. Diese Strategie erfordert laut den Beteiligten einen kontinuierlichen Dialog zwischen der Eidgenossenschaft, den Kantonen und Vertretern des Bankensektors.