Mitunter geht das Produzieren und Verkaufen von Kunst rasend schnell. Im ersten Halbjahr 2026 beendete der 73-jährige US-Künstler Robert Longo, in Deutschland auch durch seine (geschiedene) Ehe mit Schauspielerin Barbara Sukowa bekannt, eine wandfüllende Holzkohlezeichnung – darauf zu sehen die Nahsicht eines Waldes, zwischen dessen Stämmen Nebel oder Rauch wallt. Jetzt war die Arbeit auf der Art Basel zu sehen, dieser weltweit bedeutendsten Messe für zeitgenössische Kunst und solche der klassischen Moderne. Aber sie war unter dem Titel „Gerhard’s Forest“ für Stunden nur zu sehen, dann wurde sie in der von New York aus global agierenden Galerie Pace verkauft und umgehend ausgetauscht – gegen andere Schaufensterware. Wie es zum Titel der erneut beeindruckenden Arbeit Longos kam? Sie ist eine Hommage an Gerhard Richter, seinen deutschen Kollegen, sowie an dessen Wald-Gemälde und Wald-Fotografien. 750.000 US-Dollar waren, wir sind in der Schweiz, zu berappen.
Ob der Verkauf im gehobenen Preissegment nun die Galerie Pace zum Umdenken bringt, die wenige Tage vor Messebeginn bekannt gegeben hatte, dass sie sich von Dutzenden von Angestellten und Künstlern trennt, darunter wohl auch vom Österreicher Hermann Nitsch, das weiß man nicht. Aber so viel entgeht dem Aufmerksamen auf der Art Basel nicht: dass nach zwei Tagen Dauer bereits etliches ausgetauscht ist und dass bei Fragen zu bestimmten Werken zur Antwort gleich die Info „Verkauft!“ mitgegeben wird. War es die starke Entspannung im USA-Iran-Konflikt kurz vor Messe-Start, die kauffreudiger stimmte, als zu erwarten gewesen war? Die Galerie-Fluktuation 2026 ist gleichwohl kaum zu übersehen.
Viele Galerien weisen „marktfrische“ Kunst aus
Genutzt haben dürfte dem überraschend guten und stark frequentierten Messestart sicherlich auch folgende Idee: Daraus, dass der Einzelhandel klagt, es werde zu viel von zu Hause aus vor dem PC geordert und nicht mehr im Ladengeschäft gekauft, hat die Art Basel zumindest zum Teil die Konsequenz gezogen und Galerien aufgefordert, auch solche Kunst zu zeigen, die nicht schon vor der Messe in Mails angepriesen wird, sondern tatsächlich eine Überraschung darstellt. „Basel exclusive“ heißt dieses Programm. Viele Galerien halten sich daran und weisen tatsächlich „marktfrische“ Kunst entsprechend aus. Wobei allerdings die Preise oftmals auch als „exclusive“ gelten dürfen. 5,8 Millionen US-Dollar etwa braucht es in der Galerie Yares/New York für eine außerordentlich spannungsvolle Groß-Komposition der US-Malerin Helen Frankenthaler (1928–2011), der im Basler Kunsthaus gerade eine Retrospektive ausgerichtet wird. Und immerhin noch 1.250.000 Dollar benötigt bei Luxembourg/London eine wunderbar gegen das Licht gearbeitete Graphit-Zeichnung von Georges Seurat. Weitere „Basel exclusive“-Angebote: ein Kleinformat Cy Twomblys bei Greve/Köln für acht, eine Bruce-Naumann-Plastik mit drei gehäuteten Füchsen plus vier Hammer bei Goodman/New York für 2,5, ein Elizabeth-Peyton-Selbstporträt bei Zwirner/New York für eine Million Dollar.
Die einzige Künstlerin, die als „Basel exclusive“ einen Galerie-Stand alleine besetzt, ist eine deutsch-deutsche Künstlerin. Rund 20 Arbeiten, von der Zeichnung über Öl auf Papier bis hin zum großen Gemälde, zeigt Pilar Corrias/London von Sabine Moritz, geboren 1969 in Quedlinburg, kein wirklich geläufiger Name. Moritz hat sich in den vergangenen Jahren beachtlich entwickelt und erstaunt jetzt ebenso mit einer Totenkopf-Zeichnung, inspiriert von „Hamlet“ (20.000 Euro), wie mit großformatigen flammend-starkfarbigen Dschungel-Kompositionen (345.000 Euro). Sie hat es schwerer und leichter zugleich auf dem Kunstmarkt. Ihre Ehe hängt sie verständlicherweise nicht an die große Glocke. Sie war Studentin und ist dritte Ehefrau von Gerhard Richter.
Werke von Picasso sind umlagert
Wer wohl an Künstlern bestens präsent war in Basel 2026? Die Antwort erstaunt nicht; es sind wohl Picasso und Warhol. Und es ist einmal mehr der jüngst verstorbene Georg Baselitz, vertreten in erklecklich vielen Galerien – von der Radierung (Knust Kunz/München) für 5200 Euro über das Mischtechnik-Mittelformat bei Werner/Berlin (95.000 Euro) bis hin zum Monumentalformat „Due donna senza ombre“ für 1,9 Millionen Euro am oft publikumsbelagerten Stand von Ropac/Salzburg. Und auch dem verstorbenen David Hockney wird natürlich in vielen Techniken und Preisklassen gedacht. Doch den Acryl-„Rittersporn an meinem Gartentisch“ von 2025 muss man bei einem Preis von 12 Millionen Dollar nicht wirklich haben.