Die Regierungen beider Basel sollen sich mit Nachdruck für die Realisierung des Rheintunnels im Ausbauschritt 2031 einsetzen: So lautet die Botschaft einer Allianz aus Parteien und Verbänden, die anlässlich der beginnenden Offenlage zur Verkehrsbotschaft 2027 des Schweizer Bundes am Donnerstag dringenden Handlungsbedarf betonten.

Damit wird an einem Vorhaben festgehalten, das im November 2024 an der Wahlurne gescheitert war: Damals hatten sich die Schweizer gegen zahlreiche Autobahnprojekte und den Nationalstraßenausbau ausgesprochen – auch gegen den Rheintunnel. Unterdessen attestiert das Gutachten „Verkehr 2045“ der ETH Zürich dem rund 2,4 Milliarden Franken teuren Vorhaben eine hohe Priorität. Experten zufolge könne durch den Tunnel ein Kapazitätsengpass an einer neuralgischen Stelle behoben und der Fernverkehr vom regionalen und städtischen Verkehr getrennt werden.

Die Verkehrsüberlastung auf den Straßen der Region Basel habe ein Ausmaß erreicht, das für Bevölkerung, Wirtschaft und Umwelt zunehmend untragbar sei, erklärten die Akteure im Rahmen einer Pressekonferenz. „Was sich auf der Osttangente abspielt, ist nicht mehr tragbar“, monierte FDP-Großrat Johannes Barth. Man dürfe auch nicht die staubedingten Kosten aus den Augen verlieren, ergänzte Pascal Ryf, Mitte-Vize- und Fraktionspräsident Basel-Landschaft. Ihm zufolge hätten die Staustunden von 2023 bis 2024 um 14 Prozent zugenommen– gut drei Milliarden Franken schlügen zu Buche. Die wirtschaftlichen Nachteile seien dementsprechend groß, sagte dann auch der basellandschaftliche FDP-Vizepräsident Balz Stückelberger.

Nadelöhr in Basel

Die Osttangente ist ein Nadelöhr, erschwerend kommt hinzu, dass sich die Situation weiter verschärfen wird. Denn: Die Nord-Süd-Achse muss in den kommenden Jahren umfassend saniert werden. Ohne zusätzliche Kapazitäten durch den Rheintunnel drohe während dieser Bau- und Sanierungsphase ein massiver Verkehrskollaps in der gesamten Region. Der Transit- und Pendlerverkehr müsste über das städtische Straßennetz umgeleitet werden, was Wohnquartiere, Hauptverkehrsachsen und die Innenstadt zusätzlich stark belasten würde, hieß es weiter.

Gravierende Folgen

„Die Folgen für Bevölkerung, Gewerbe, Rettungsdienste und den öffentlichen Verkehr wären gravierend“, schreiben die Akteure in dem offenen Brief. Nun müsse Einigkeit herrschen, damit Bundesbern die Mittel für das Vorhaben genehmige, appellierte HKBB-Direktor Martin Dätwyler an die Politik. Diese müsse den Tunnel in Bern einfordern. Zweifel dürften keine aufkommen.

Der Rheintunnel biete die Chance, für diejenigen spürbare Verbesserungen zu erzielen, die heute unter den Auswirkungen der überlasteten Osttangente leiden. Nach dem Bau des Tunnels biete der Osttangenten-Korridor Chancen zur Aufwertung für die Bevölkerung, wie Michael Hug, Vorstandsmitglied Hauseigentümerverband Basel-Stadt, erklärte. Man unterstütze die Anliegen der Bevölkerung, daher soll parallel zur Projektierung des Rheintunnels eine Planung für die Aufwertung des Osttangenten-Korridors eingeleitet werden.

Lärmschutz umsetzen

Demnach soll der Lärmschutz konsequent umgesetzt werden, nämlich durch eine großzügige Überdachung, Begrünung sowie zusätzliche Veloüberquerungen und mehr Grünraum. Hinter der Allianz stehen unter anderem die Handelskammer beider Basel (HKBB), der Gewerbeverband Basel-Stadt, der TCS, Logistikcluster Region Basel und Quartiervereine.