„Mein Tipp: Die sushi-überraschungsplatte“, diese Empfehlung gibt mir Google Gemini. Wieso empfiehlt mir eine KI, die keinen Geschmack haben kann, ungefragt, was ich bestellen soll? Seit Juni werde ich in Google Maps bei der Suche nach Restaurants mit „hilfreichen Hinweisen“ genervt, die diesen Namen wirklich nicht verdient haben.

Undurchsichtige KI-Zusammenfassungen sind nicht hilfreich

Bei verschiedenen Speiselokalen in Hannover bekomme ich wahlweise angezeigt, ob der Außenbereich vielleicht etwas frisch sein kann – was nun wirklich überraschend ist, da kommt ja niemand drauf –, ob ich reservieren soll oder welche Speise denn laut KI schmeckt.

Gemini macht diese Vorschläge unter anderem auf Basis von Nutzenden-Bewertungen aus den vergangenen zwölf Monaten. Die KI analysiere die Bewertungen und erstelle „eine hilfreiche Zusammenfassung der allgemeinen Stimmung“, heißt es in der Erklärung zu den Gemini-Texten. Überall verfügbar sind sie nicht: Gibt es nicht genug Rezensionen oder findet die KI nicht genügend Wiederholungen, bleiben Nutzende verschont.

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Für mich ist somit undurchsichtig, was zu den drei kurzen Stichpunkten führt, die an oberster Stelle in der Info-Übersicht bei Google Maps kleben. Die relevanten Informationen, wie Öffnungszeiten und Website, schiebt Google frech weiter nach unten.

Gemini ist nicht mit mir befreundet

Ein Screenshot von einem Restaurant bei Google Maps.

Die KI-Tipps stehen an erster Stelle, Infos wie Öffnungszeiten und Website liegen jetzt darunter. (Screenshot: Google Maps)

Zudem maßt sich Gemini an, ungefragt einen persönlichen Tipp zum Essen zu geben. Sprachlich werden die Tipps teilweise verpackt, als würde mir eine Freundin ihr Lieblingsgericht empfehlen. Das stört mich. Google erzeugt so technisch eine Nähe, die täuscht.

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Gemini kann mir nicht sagen, was schmeckt, denn KI hat keinen Geschmack. Gemini kann nicht frieren, denn KI hat kein Kälteempfinden. In diesem persönlichen Bereich kommt es auf all das an, was KI nicht kann und hat: Empfindungen und Persönlichkeit. Und diese Inhalte macht sich KI ungebeten zu eigen.

Auch ohne KI hätte Google Rezensionen übersichtlicher zugänglich machen können, etwa durch eine bessere Suchfunktion. Alternativ könnte das Unternehmen statistische Auswertungen bereitstellen, die sachlich statt persönlich formuliert und dadurch leichter nachvollziehbar sind.

Ist das der Weg in eine agentische KI-Dystopie?

Für mich zeigt dieses kleine Beispiel, wie Google immer mehr Macht über Inhalte gewinnt. Wir User werden darauf trainiert, uns mit der KI-generierten Zusammenfassung zufriedenzugeben. Die Quellen dahinter erfordern mehr Klicks und damit mehr Mühe. Und auch da sehe ich nur einen kleinen Auszug.

Ich frage mich, wohin das führt. Ist das die Vorbereitung, bevor sich eines Tages nur noch die Agenten unterhalten? Speichert das KI-Tool meiner Wahl dann meine Essgewohnheiten, gleicht sie mit automatisch generierten Bewertungen anderer KI-Agenten ab und sucht mir Lokal und Speisen raus? Fragt mich nach jeder Mahlzeit mein KI-Agent, wie es war? Esse ich dann nur noch die „sushi-überraschungsplatte“? Leider kenne ich die Antworten auf diese Fragen nicht. Für mich klingt es nach einer Dystopie, die hoffentlich nicht eintritt.

Was ich jetzt akut wissen will: Wie werde ich diese nutzlosen „hilfreichen Informationen“ los? Die Einstellung, diese Störung gezielt auszuschalten, habe ich bisher nicht gefunden. Hilfreiche Tipps von Menschen erreichen mich unter podcast@t3n.de.

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