Vor ziemlich genau zwei Jahren habe ich für LowBeats den Vorgänger-Receiver Denon AVC-X3800H getestet und war fast rundum zufrieden. Nun kommt der Nachfolger, der Denon AVC-X3900H, der mit 1.499 Euro stolze 200 Euro weniger kostet als der Vorgänger zum damaligen Einführungspreis (1.699 Euro) – und das bei quasi identischen Daten und sogar mehr Ausstattung. Stellt sich doch die Frage, ob da womöglich an der falschen Stelle gespart wurde? Oder steckt vielleicht sogar an entscheidender Stelle im Neuen mehr drin?

Denon AVC-X3900H mit nur minimalen Designänderungen gegenüber dem Vorgänger (Foto: R. Vogt)Denon AVC-X3900H mit nur minimalen Designänderungen gegenüber dem Vorgänger (Foto: R. Vogt)Denon AVC-X3900H: die Technik im Detail

Es bleibt beim schlichten Design, der gleichen Grundausstattung und demselben Konzept. Und das ist gut so. Denn man bekommt sonst nirgends eine derartige Vollausstattung an Ein- und Ausgängen, Kompatibilität selbst zu exotischen Signalen sowie eine Auswahl an Einmesssystemen.

Doch der Reihe nach. Wie das „H“ im Namen verrät, sind: HEOS Streaming und Multiroom bereits integriert.  Allein schon das erlaubt es, praktisch jede aktuell relevante Musikquelle ins Heimkino zu bringen. Von Bluetooth mit allen wichtigen Codecs bis hin zu Apple AirPlay 2 ist alles dabei. Bluetooth kann auch senden, um insbesondere Kopfhörer, vielleicht  aber auch entsprechende Lautsprecher zu versorgen. Ansonsten hat die Front im Mittelteil eine winzige Designanpassung erfahren, die ohne direkten Vergleich jedoch nicht zu erkennen ist.

Denon AVC-X3900H (Foto: R. Vogt)Kommet alle zu mir: Die Anschlussvielfalt des Denon AVC-X3900H kann als reichlich bezeichnet werden (Foto: R. Vogt)

Zählt man die Ausgänge, kommt man auf 11 Lautsprecher plus 4 Subwoofer. Tatsächlich beinhaltet der Receiver aber „nur“ neun Endstufen. Diese können jedoch flexibel auf die entsprechenden Ausgänge geschaltet werden, abhängig vom Signal und dem gewählten Surround-Decoder. So lassen sich zwar 11 Lautsprecher ansprechen, aber eben nicht gleichzeitig. Braucht man in der Praxis tatsächlich alle 11 Kanäle simultan, stellt der AVC-X3900H dafür alle 11 Kanäle gleichzeitig als Vorverstärker für externe Endstufen oder Aktivlautsprecher zur Verfügung.

Die Vorverstärker-Anschlüsse des Denon AVC-X3900H bieten volle 11,4 Kanäle und Zone 2 gleichzeitig (Foto: R. Vogt)Die Vorverstärker-Anschlüsse des Denon AVC-X3900H bieten volle 11,4 Kanäle und Zone 2 gleichzeitig (Foto: R. Vogt)

Etwas Besonderes stellt die Flexibilität der vier Subwooferausgänge dar. Es lassen sich Gruppen zusammenschalten, etwa separate Subwoofer für vorne und hinten, oder Links und Rechts, oder alle einzeln. Ganz speziell und wirklich spannend: Subwooferausgang 4 kann für Körperschallwandler verwendet werden, die je nach Fähigkeiten und Potenz das Sitzmöbel oder Kinopodest in Vibration versetzen. Dazu erhält der Transducer eine Summe aller Kanäle, gefiltert für niedrige Frequenzen, die sich taktil auch wahrnehmen lassen. Fein dosiert vermittelt ein Körperschallwandler durch den über Haut und Knochen gespürten Schall den Eindruck viel höherer Lautstärke. Dadurch lassen sich Special Effects oder Schockeffekte drastisch verstärken. Letzteres kann viel Spaß machen. Doch bei eigenen Experimenten fand ich insbesondere fein dosierte Vibration bei Livekonzerten von Blu-ray am beeindruckendsten, lässt sich so schon bei Wohnraumpegel der Druck einer Konzertlautstärke erfahren.

Digitalaudio- und Netzwerksektion. Neu ist die USB-Strombuchse (Foto: R. Vogt)Hier in Nahaufnahme die Digitalaudio- und Netzwerksektion. Neu ist die USB-Strombuchse (Foto: R. Vogt)

Am Anschlussfeld zeigt sich als einzige Neuerung eine USB-Strombuchse zum Versorgen externer Geräte, etwa Funksender für drahtlos angesteuerte Subwoofer. Alles andere scheint äußerlich unverändert. Ich fand nur kleinere Änderungen an der Chassisgrundplatte und dem Transformator.

Dicht gepackt und aufgeräumt: Das komplexe Innenleben des Denon AVC-X3900H (Foto: R. Vogt)Dicht gepackt und aufgeräumt: Das komplexe Innenleben des Denon AVC-X3900H (Foto: R. Vogt)

Wo also verbergen sich die Fortschritte, die eine Erhöhung der Modellnummer rechtfertigen? Tatsächlich gibt es vergleichsweise wenig Hardware-Änderungen – dafür umso interessantere auf der Softwareseite. Beispielsweise das neueste HEOS-Streamingmodul. Es kann künftig nicht nur Stereo-PCM an den Receiver übergeben, sondern auch komplexe Datenströme. Das funktionierte zwar zum Testzeitpunkt noch nicht, aber nach einem Firmware-Update soll Apple AirPlay 2 damit neben Stereo auch Dolby Atmos übertragen können. Das ist ein dann erster Weg, Immersive-Audio-Musik direkt auf den großen Lautsprechern des Heimkinos zu genießen – zumindest für Apple-User. Ein weiteres Feature von HEOS nach einem angekündigten Update: Man kann die Denon Home Lautsprecher als drahtlose Surroundlautsprecher ansteuern.

Eine komplette Neuentwicklung ist die Digital/Analog-Wandler-Sektion. Diese verwendete bislang eine Batterie von Stereochips. Nun kommen achtkanalige 32-Bit-Wandler von ESS zum Einsatz, die mehr Auflösung und Störabstand garantieren sollen. Auch die Sieb- und Pufferkondensatoren sind wohl verbessert worden.

Komplett plastikfrei – alles aus Papier: Die Verpackung des Zubehörs (Foto: R. Vogt)Komplett plastikfrei – alles aus Papier: Die Verpackung des Zubehörs (Foto: R. Vogt)

Eine schöne Detailverbesserung hat auch die Verpackung erfahren. Die war schon sehr lange vorbildlich in Sachen Handhabung mit geteilten Formteilen für oben und unten, was das Aus- und vor allem Einpacken vereinfacht. Nun haben die Japaner sämtliche Kunststoffanteile mit Ausnahme der Dämmung durch Papier ersetzt. Das finde ich sehr sympathisch.

Die Features und Handhabung

Eine echte Verbesserung ist das Upgrade der Fernbedienung, die nun – endlich – leuchtende Tasten besitzt. Das Layout und die Funktion der Vorgängerin bleiben gleich.

Praktisch im verdunkelten Heimkino: Die Fernbedienung bietet nun beleuchtete Tasten (Foto: R. Vogt)Praktisch im verdunkelten Heimkino: Die Fernbedienung bietet nun beleuchtete Tasten (Foto: R. Vogt)

Weiterentwickelt und hübscher geworden sind auch die Remote-App und vor allem das Webinterface, in welchem in der Konfiguration der Lautsprecher weitere neue Funktionen zu finden sind. So ist es etwa nun möglich, auch den Center-Lautsprecher im Bi-Amping anzusteuern – sofern man einen Kanal übrig hat und der Center-Lautsprecher separate Anschlussklemmen für Bass und Höhen bietet. Damit lassen sich jetzt alle drei Frontkanäle im Bi-Amping betreiben, was in aller Regel spürbar mehr Kontrolle und Feindynamik ins Klangbild bringt. Entsprechend maximal sechs Lautsprecher sind dadurch direkt mit dem Denon AVC-X3900H anzutreiben.

Der Denon AVC-X3900H ist mit neuester HDMI-Technik kompatibel und bietet gleichzeitig Bild und Ton für TV, Projektor und 2. Zone (Foto: R. Vogt)Der Denon AVC-X3900H ist mit neuester HDMI-Technik kompatibel und bietet gleichzeitig Bild und Ton für TV, Projektor und 2. Zone (Foto: R. Vogt)

Benötigt man mehr Kanäle, geht das per Funk oder über die Vorverstärker-Ausgänge an zusätzliche Endstufen oder Aktivlautsprecher. Ganz ehrlich: Meine Erfahrung zeigt, dass es praktisch immer besser ist, auf mehr Qualität mit weniger Kanälen zu setzen als auf die maximal mögliche Anzahl an Lautsprechern mit mittelmäßigem Klang.

Zu den neuen Softwarefunktionen gehört nun endlich auch eine Pegelanzeige für alle Kanäle. Diese lässt sich, einmal aktiviert, per Optionstaste einblenden und zeigt in Echtzeit, auf welchem Ausgang gerade was los ist. Die bereits vorbildliche Info-Anzeige, die die Ein- und Ausgangskonfiguration zeigt, erlaubte es leider nicht, zu erkennen, wo tatsächlich auch ein Signal herauskommt.

In diese Überlegungen fließt ein neues Dolby-Atmos-Feature ein. Dolby „Channel Expander“ tritt dann in Aktion, wenn in Dolby Atmos ein Höhenkanal zwar technisch belegt ist, aber das Signal nichts in diese Richtung liefert. Das kommt insbesondere vor, wenn der Mix mit einer anderen Höhenlautsprecher-Anordnung durchgeführt wurde, als sie die Wiedergabekette zu Hause verwendet. Dann verteilt der Channel Expander das Signal entsprechend. Die Funktion konnte ich leider noch nicht praktisch testen; sie wird per Firmware nachgeliefert.

In der Warteschlange: Auch per Roon kommt künftig Musik in den Receiver (Foto: R. Vogt)In der Warteschlange: Auch per Roon kommt künftig Musik in den Receiver (Foto: R. Vogt)

Einerseits blöd, andererseits beruhigend zu wissen: Obwohl Denon und Roon beide zum größten Audio-Konzern der Welt (nämlich Harman, bzw. Samsung) gehören, müssen sich auch die Denon-/Roon-Entwickler in die Schlange der Wartenden einreihen und brav warten, bis das neue Produkt geprüft und zertifiziert wurde, bevor sich via Roon Musik zuspielen lässt. Vetternwirtschaft kann man hier also kaum vorwerfen.

Ein erst zukünftig verfügbares Feature wird die Möglichkeit eröffnen, die verwendeten HDMI-Kabel zu testen. Die Funktion sendet dann Testsignale durch die angeschlossenen Kabel und zeigt an, ob sie elektrisch in Ordnung sind und bis zu welcher Auflösung sie voraussichtlich zuverlässig funktionieren. Spannend! Aber wie gesagt noch nicht verfügbar.

Moderne Smartphones und Tablets profitieren vom neuen Bluetooth-Standard LE Audio, der die Latenz, also Verzögerung von typisch 0,2 bis 0,6 Sekunden, auf unter 100 Millisekunden verkürzt. Beim Gamen oder Streamen von Ton zu einem Video, etwa bei YouTube oder Netflix, bleibt nun endlich der Ton lippensynchron zum Bild. Und wer mit AMD-Grafikkarte seine Spiele ins Heimkino beamt, bekommt nun klarere Bilder, weil das HDMI-Board nun 1440p-FreeSync durchleitet.

Hörtest und Praxis

In der Praxis bringt der Denon AVC-X3900H alle gewohnten Hilfen und Optionen mit, die Heimkino-Fans seit Jahren schätzen. Das beginnt mit dem wirklich hilfreichen Schritt-für-Schritt-Einrichtungsmenü mit klaren Anweisungen, Grafiken und Animationen zum Konfigurieren, Vernetzen und Anschließen. Zum Einmessen der Lautsprecher, Subwoofer und Raumkompensation stehen verschiedene Optionen bereit. Mikrofon und behelfsweise ein Pappstativ liegen bei; besser ist es jedoch, ein „richtiges“ Stativ zu verwenden.

Denon AVC-X3900H Fernbedienung: handlich, übersichtlich und nun endlich beleuchtet (Foto: R. Vogt)Denon AVC-X3900H Fernbedienung: handlich, übersichtlich und nun endlich beleuchtet (Foto: R. Vogt)

Man kann direkt mit Audyssey MultEQ XT32 einmessen. Das funktioniert zuverlässig. Signifikant besser werden die Ergebnisse jedoch, wenn man die Audyssey-App (iOS, iPadOS, Android, circa 25 Euro) verwendet. Da die App statt Stichproben das gesamte Mikrofonsignal als Berechnungsgrundlage für die Filter nutzt, gelingen die Korrekturen um einiges genauer. Zudem bietet die App diverse clevere Tuningoptionen und beispielsweise die Möglichkeit, die Filterungen auf die kritischen Frequenzen zu beschränken. Die Windows-Software MultEQ-X bietet noch mehr Filtermöglichkeiten, erfordert jedoch eine kostenpflichtige Lizenz pro Gerät. Das ist für fortgeschrittene User und Profis gedacht.

Aber damit nicht genug. Dirac Live und Dirac ART sind externe Mess- und Korrektursysteme, mit denen abermals bessere Ergebnisse erreicht werden können und wodurch sich – je nach Variante (und entsprechender Lizenzgebühr) – insbesondere verschiedene Subwoofer (oder Subwoofer-Konfigurationen) perfekt einmessen und ins akustische Bild integrieren lassen. Dirac ART (Active Room Treatment) kann bei entsprechender Verfügbarkeit von Vollbereichs-Lautsprechern und möglichst vielen Subwoofern sogar in die Raumakustik eingreifen, indem die Lautsprecher bis in den Grundton auch als Absorber eingesetzt werden können – ein ganz eigenes Kapitel mit aufwändigen Messungen und komplexer Konfiguration.

Für den Denon AVC-X3900H würde ich eher die „kleineren“ Dirac Live Varianten empfehlen, da sie über die Möglichkeiten der Frequenzgang-Korrektur von Audyssey hinaus auch auf das Zeitverhalten der Lautsprecher und damit auf die Präzision und das Zusammenspiel einzelner Kanäle einwirken.

HEOS beherrscht auch „Connect“ zum direkten Steuern bei maximaler Audioqualität für Spotify, Tidal und Qobuz (Foto: R. Vogt)HEOS beherrscht auch „Connect“ zum direkten Steuern bei maximaler Audioqualität für Spotify, Tidal und Qobuz (Foto: R. Vogt)

Einmal eingerichtet und kalibriert marschiert der Denon AVC-X3900H makellos. Alle Funktionen reagieren verzögerungsfrei, Signalwechsel sind störungsfrei und egal welches Signal ich zuspiele: es läuft! In Sachen Klangcharakter würde ich den Charakter als einen Hauch kerniger beschreiben als bei Denon-Receivern vor einigen Jahren. Die waren mir persönlich stets zu sehr auf Transparenz getrimmt. Der AVC-X3900H gibt sich neutraler und gegebenenfalls einen angenehmen Hauch bedeckter in den Höhen. Die Abbildung löste sich schön von den Lautsprechern und bei der Stereowiedergabe bildete der Denon eine klar umrissene, stabile Mitte ab. Auch die erreichbaren Pegel sollten für dynamische Movie-Soundtracks bei gängigen Lautsprechern genauso reichen wie für eine realistische Musikwiedergabe.

Fazit Denon AVC-X3900H: pralle Ausstattung, toller Klang

Es ist immer wieder verblüffend, welch reiches Ausstattungs- und Funktionspaket Denon in einen kompakten und wirklich noch bezahlbaren AV-Receiver wie den AVC-X3900H packen kann. Und das, ohne in nutzlose Marketingfeatures, sondern in wirklich vernünftige Funktionen zu investieren. Mit dem Denon AVC-X3900H bekommt der Kunde neueste HDMI-Technik (selbst für exotische Gaming-Grafikkarten) und ein extrem umfangreiches Streaming- und Multiroom-Paket mit HEOS (das nach Firmwareupdates sogar Dolby Atmos via AirPlay 2 übertragen können soll) und für echte Musikliebhaber Roon Ready ist. „Antike“ Standards wie DLNA werden genauso unterstützt wie die Connect-Varianten von Spotify, Tidal und Qobuz. Und damit alle Lautsprecher und der Raum zusammenspielen, stehen Audyssey oder gegen Lizenz auch Dirac Live und sogar Dirac ART zur Verfügung. Die Featureliste ist seitenlang.

Das alles aber ergibt nur Sinn, wenn die D/A-Wandler, Vorverstärker und Endstufen auch klingen. Und die liefern mit 9 x 105 Watt nicht nur ausreichend Leistung, sondern erzeugen ein kraftvolles und verblüffend räumlich wirkendes Klangbild, das aller Ehren wert ist. Doch das Verblüffendste am Denon AVC-X3900H ist sein Preis: Im Zeitalter allgemeiner Teuerung liegt er beim Einstiegspreis (1.500 Euro) gut 200 Euro günstiger als sein Vorgänger vor zwei Jahren. Also das nenne ich mal ein Schnäppchen!

Denon AVC-X3900H2026/06Test-Ergebnis: 4,5ÜberragendBewertungen

Klang

Praxis

Verarbeitung

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.Klingt angenehm transparentHEOS Streaming/MultiroomDirac Live optionalHervorragende Vorverstärkerausgänge

Vertrieb:
Denon Deutschland
D&M Germany GmbH
Poensgenstraße 7
D-41334 Nettetal
www.denon.com

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Denon AVC-X3900H: 1.499 Euro

Technische Daten

Technische Daten

Denon AVC-X3900HKonzept:11.4 AV-Receiver mit Dolby Atmos, DTS:X, Auro-3D, 9-EndstufenAusgangsleistung (8 Ohm, 2 Kanäle):
105 WattStromverbrauch im Leerlauf (ECO an/aus):60/100 WattNetzwerk-Standby-Stromverbrauch:kleiner 2 WattStandby-Stromverbrauch:0,1-0,2 WattStreaming-Plattform:HEOSAbmessungen:44,2 x 38,4 x 17,8 cmGewicht:12,5 kgAlle technischen DatenMehr von Denon:

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