Was wäre das Abenteuerkino ohne Indiana Jones? Mit dem von Harrison Ford gespielten Archäologen haben die Blockbuster-Genies Steven Spielberg und George Lucas eine der beliebtesten Figuren der Filmgeschichte geschaffen und sie gleich mehrmals auf die große Leinwand geschickt, angefangen mit Jäger des verlorenen Schatzes.

Der Abenteuerfilm von 1981 war ein riesiger Erfolg an den Kinokassen, der sofort nach einer Fortsetzung verlangte. Tatsächlich handelt es sich bei Indiana Jones und der Tempel des Todes allerdings gar nicht um einen direkten Nachfolger, sondern ein Prequel, das zeitlich vor den Ereignissen des ersten Teils angesiedelt ist.

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Indiana Jones und der Tempel des Todes bei Netflix: Ein völlig entfesselter Abenteuerfilm

Während das Original im Jahr 1936 angesiedelt ist, springen wir nun etwas in der Zeit zurück: Der Tempel des Todes öffnet bereits 1935 seine Tore und zeigt uns Indy bei seinem abgründigsten Abenteuer. Dieses beginnt mit einem sagenhaften Opening, das aus einem James Bond-Film stammen könnte. Kein Wunder, Spielberg wollte jahrelang selbst einen Bond inszenieren, doch es ist leider nie dazu gekommen.

In Shanghai entkommt Indy nur knapp einem Verbrecherboss und landet nach einem Flugzeugabsturz inklusive wilder Schlauchboot-Action in Indien. Er ist nicht allein: Sein junger Begleiter Short Round (Ke Huy Quan) folgt ihm bis ins finsterste Verließ. Und dann wäre da noch die verwöhnte Sängerin Willie Scott (Kate Capshaw), die alles andere als freiwillig am Start ist und einen weitaus weniger guten Draht zu Indy hat.

Das ungleiche Trio trifft auf eine Dorfgemeinschaft, der Grausames widerfahren ist. Nicht nur wurde ihr der heilige Shankara-Stein gestohlen, der das Dorf beschützen soll. Seitdem gibt es kein Wasser mehr im Brunnen und die Kinder sind verschwunden. Verantwortlich dafür ist allem Anschein nach ein Todeskult im Palast von Pankot. Indy und Co. wagen sich an jenen geheimnisvollen Ort und entdecken Schreckliches.

Mehr Streaming-Tipps von uns: Abonniere Moviepilot bei Google , wo wir über 3 Millionen Fans täglich mit Nachrichten, Empfehlungen und Hot Takes versorgen.Sonntagabend-Blockbuster bei Netflix: Der Tempel des Todes ist genauso amüsant wie abgründig

Indiana Jones und der Tempel des Todes fällt definitiv aus der Reihe, wenn wir uns die Originaltrilogie anschauen. Weder liefert er die geradlinige Action-Verfolgungsjagd, die uns im ersten Teil mit unfassbarem Tempo einmal um den Globus schickt. Von dem wholesome Vater-Sohn-Abenteuer des dritten Teils könnte der Film jedoch auch nicht weiter entfernt sein. Tief in seinem Inneren brodelt etwas richtig Garstiges.

Spielberg (Regie) und Lucas (Story) folgen ihren düstersten Instinkten und entfesseln ein hemmungsloses B-Movie mit den Möglichkeiten des von ihnen geprägten Blockbuster-Kinos. Immer tiefer dringen wir in die Geheimnisse des Todestempels vor, ehe sich der Film am Ende im wahrsten Sinne des Wortes in eine Achterbahnfahrt verwandelt, die dem actiongeladenen Finale in puncto Spektakel die Krone aufsetzt.

Ein unterhaltsames Vergnügen, voller kräftiger Farben und brillant inszeniert: Jede Spannungssequenz kommt mit maximalem Einschlag daher und das Abenteuergefühl geht nie verloren. Indiana Jones und der Tempel des Todes biedert sich jedoch nie seinem Publikum an. Ein widerspenstiger Film voller makabrer Einschübe, der die vermeintliche Familientauglichkeit der Reihe mit großer Freude auf den Kopf stellt.

Eigentlich absurd, wenn man bedenkt, dass es um die Rettung von Kindern geht und mit Short Round die einzige Hauptfigur der Reihe vertreten ist, die sich in ihrer Neugier auf Augenhöhe mit dem jungen Publikum befindet. Schlussendlich sind es aber genau diese Widersprüche, die den Film so interessant machen, besonders, wenn Spielberg zu den harschen Momenten unwiderstehliche Funken seiner Sentimentalität mischt.

Obwohl Indiana Jones und der Tempel des Todes einerseits Sinnbild des Blockbuster-Kinos ist, zeigt er, wie viele Ecken und Kanten dieses hatte, bevor es bei großen Franchises nur noch darum ging, möglichst niemanden zu verärgern. Ein völlig ausgelassener Nachfolger, der sich auf Augenhöhe mit dem entfesselten Wahnsinn von Filmen wie Gremlins II – Die Rückkehr der kleinen Monster befindet.