Die erste große Hitzewelle des Jahres ist da, und eigentlich will da niemand in dunklen Konzerthallen brutzeln. Der Sommer erfordert eine eigene Herangehensweise an die Planung des Pop-Genusses, zum Glück gehen die Veranstalter darauf ein. Zum Beispiel in der Olympiahalle, die ist nahezu verwaist bis dann Comedy-Star Bully (10. September) und Hip-Hop-Held Asap Rocky (11. September) hier die Herbstsaison starten. Aber das größte Spektakel kann man doch jetzt noch erleben: Nina Chuba versammelt hier drei Tage hintereinander ihre Fans. Und wenn eine sommerliche Laune unterm Zeltdach verbreiten kann, dann die smarteste Rap-Sängerin des Landes mit ihrem Überhit „Wildberry Lillet“. Da schwitzt man doch gerne mit, und sollte die Hitze zu groß werden, kann man in einen weiteren Hit schon mithalluzinieren: „Fata Morgana“ (4., 5., 6. Juli).
Noch einmal richtig laut werden: Campino und die „Toten Hosen“ drehen auf der „Trink aus!“-Tour richtig auf (hier beim Auftakt in Stuttgart). Ist das der Abschied? Christoph Schmidt/dpa
Der Olympiapark ist überhaupt einer der besten Orte für Pop-Freunde im Sommer. Das Olympiastadion ist zwar sanierungsbedingt geschlossen, dafür spielen die Toten Hosen auf dem Hans-Jochen-Vogel-Platz zwischen den Plexiglaszelten zwei Open-Air-Konzerte. Auch wenn die Zeichen bei den Düsseldorfer Punk-Opis auf Abschied stehen, wird es noch mal heiß hergehen mit den Songs des neuen Albums „Trink aus, wir müssen gehen!“ und alten nicht weniger trinkfreudigen Songs wie „Eisgekühlter Bommerlunder“ von 1983, der ein wenig Erfrischung verspricht. Das Ganze wird wie ein Punkrock-Festival, weil am 8. Juli Donots und Pascow dabei sind, und am 9. Juli die Beatsteaks und The Stranglers.
Für weitere Großkonzerte, die die Olympiapark GmbH organisiert, muss man wegen der Renovierung des Stadions allerdings eine Weile in den Münchner Norden in die Allianz-Arena fahren. Unter freiem Himmel stehen da jetzt noch die großen Auftritte des kanadischen Superstars The Weeknd (25., 26., 27. Juni), der K-Pop-Abräumer BTS (11. und 12. Juli) und von Helene Fischer auf ihrer 360-Grad-Bühne an (17. Juli).
Auf dem eigenen Gelände veranstaltet der Olympiapark dann noch sein großes Jahresereignis: den „Münchner Sommernachtstraum“ (18. Juli). „Emotionale Popmomente und tanzbare Sounds“ bringen an die 30 000 Gäste schon von Nachmittag an in Stimmung, auf der Hauptbühne spielen die queeren Indie-Popper Seda, die seit 2000 erfolgreichen norwegischen Soul-Dance-Popper Madcon („Beggin“, „Freaky Like Me“) und Zoe Wees, mit 23 schon einer der größten Popstars des Landes („Control“). Etwa clubbiger, wenngleich auch idyllisch unter Bäumen, geht es auf der zweiten Bühne, der Halbinselbühne, zu, wo der Brane, Caribou und Cosmica Bandida zum Tanz aufspielen. Und abends beim endlosen Feuerwerk zu emotionaler Musik kommen dann alle um den Olympiasee zusammen.
Das längste Feuerwerk der Stadt sieht man beim „Sommernachtstraum“ am Olympiasee. Robert Haas
Ebenfalls im Olympiapark, im Südteil, läuft immer noch das Tollwood-Festival, auch mit bester Sommermusik vom Oimara (26. Juni), über Sportfreunde Stiller (1. Juli), La Brass Banda (4. Juli) und die Sex Pistols (6. Juli) bis Rick Astley (7. Juli) und Jovanotti (9. Juli) und der Chanson-Neuerin Zaz (16. Juli). Wem das große Zelt zu dunkel und trotz der Ventilatoren zu stickig ist, der kann sich immer noch nach draußen flüchten oder durch die Marktstraßen bummeln, die heuer mehr Schatten und erfrischende Wassersprinkler bieten. Viel Kultur kann man hier ganz umsonst genießen, zum Beispiel das Konzert der Punkrocker Lustfinger, die 45 Jahren durchgehalten haben, obwohl sie ja bekanntlich als Hausband von 1860 München leidgeprüft sind. Am 31. Juli übrigens beginnt dann auf der Seebühne schon der „Theatron Musiksommer“ mit seinen Gratis-Konzerten.
Auch außerhalb des Olympiaparks wird freilich gefeiert, zum Beispiel im Kreativquartier: Da lädt das Import Export zu seinem großen Sommerfest ein (4. Juli), und zwar nicht nur in die Indoor-Sauna, sondern auch auf die Freifläche. Beste freiheitsliebende, kulturenverbindende Musik machen Haze’Evot, Charlie Segura y su Orquesta La Sucursal, DJ Vanilla Panzer und Chedi.
Daniela Mercury feiert mit bei „33 Jahre Muffatwerk“. Celia Santos
Auch im Muffatwerk wird nicht nur Fußball-WM im Biergarten geguckt, sondern auch gefeiert. Mit viel Sonne im Herzen begeht das Kulturzentrum seinen 33. Geburtstag. Dazu gibt es zuerst das Schweiß treibende Sport-Theater-Konzert „One Song“ von Miet Warlop, die gerade den belgischen Pavillon auf der Biennale in Venedig bespielt (1. und 2. Juli); dann kann man hier „die Königin der Música Popular Brasileira“ Daniela Mercury bestaunen, die zu Hause Stadien füllt (21. Juli); zum Abschluss steigt ein „Muffat-Fest“ mit tipptopp Live-Musikern und DJs wie Jesper Munk, Telquist und CECI (24. Juli).