In Ihr leben zwei Welten, zwei Kulturen: Siyou Isabelle Ngnoubamdjum wurde als Tochter eines evangelischen Predigers und Seelsorgers aus Kamerun und einer deutschen Entwicklungshelferin in Kamerun geboren und ist in Süddeutschland aufgewachsen. Das lebenslange Ringen in der Suche nach eigener Identität fasst die Sängerin nun in sehr persönliche Musik: In ein Vinyl-Album, das am 10. Juli erscheint. Auf „About me“ geht sie durch die autobiografischen Bezüge auch musikalisch neue Wege. 

Ihre Eltern haben die Ulmer Sängerin Siyou auch musikalisch stark beeinflusst

„Home“ heißt einer der Songs, der vielleicht persönlichste, und Siyou meint damit „das, was Heimat für mich bedeutet, eine innere und äußere Heimat.“ Also nicht nur ein Wo zwischen Kontinenten und Kulturen, sondern auch Heimat in Glauben, in Musik, in der Liebe und in sich selbst. „Heimat ist ein spezieller Raum. Das sind Gefühle, Erinnerungen, Menschen.“ Beim ersten Hören des Songs „Home“ meint man, stärker den 2020 in Mannheim verstorbenen Vater zu spüren – aber da ist in den leiseren Tönen auch die Mutter: Preußischer Herkunft, blond, mit blauen Augen und einem disziplinierten Hintergrund war sie, die als Entwicklungshelferin nach Kamerun gegangen war, das Gegenbild zum Vater.

„Mein Vater war laut, und er trommelte, auch im Gottesdienst, ein Patriarch, kann man fast sagen“, erzählt Siyou, die ihre ersten beiden Lebensjahre in Kamerun verbrachte, ehe die Familie 1970 nach Deutschland ging – und zerbrach, nachdem noch drei Söhne zur Welt gekommen waren. Der Vater prägte sie musikalisch, aber es war die Mutter, die ihr die erste Gitarre schenkte und die Flöte. 

Bei der Mutter aufwachsend und in Deutschland sozialisiert, habe sie gemeint, wie alle anderen Mädchen ihres Alters zu sein, sagt Siyou. „Du denkst, du bist wie alle anderen, aber du bist es nicht“, so die frühe Erkenntnis. Die Essenz der Identitätssuche, in der sie früh gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen: „Es geht im Leben darum, das Richtige zu tun, das für mich selbst Richtige.“

Das neue Album „About me“ ist eine Hommage an die eigenen Wurzeln

Beispiel Musik: Für die Sängerin sind Orgel und Trommeln die wichtigsten Instrumente – die Orgel, europäisch, mit ihrem immer präsenten Grundton als eine stabile innere Basis, und die afrikanischen Trommeln, die den Rhythmus geben, „als Wegweiser“. So gemeint ist Heimat für sie etwas, was Geborgenheit gibt und das Empfinden, „dass alles richtig ist“.

„Be who you are“ heißt einer der Songs des Albums, „Need the silence“ aber als ebenfalls gemachte Erfahrung trotz aller lebensfrohen Einflüsse ein anderer. Insofern ist „About me“ eine Hommage an die eigenen Wurzeln – und zugleich an eine Zukunft. Denn das zweite Enkelkind wird im Sommer geboren, verrät Siyou.