Alexander Folz

Von Alexander Folz

Italien, Chile, Kamerun und der Heilige Stuhl haben am Montag beim UN-Menschenrechtsrat in Genf eine gemeinsame politische Erklärung vorgestellt. Sie fordert ein internationales Moratorium, also eine vorübergehende Aussetzung der Leihmutterschaft als Zwischenschritt zu einem völkerrechtlich bindenden Verbot, wie ADF International berichtet.

„Leihmutterschaft ist längst keine Frage mehr, die sich auf nationale Gesetzgebung oder individuelle Entscheidungen beschränkt“, sagte die italienische Familienministerin Eugenia Roccella bei der Vorstellung der Erklärung in Genf. „Als politische Entscheidungsträger haben wir die Verantwortung, eine grundlegende Frage zu stellen: Erkennen wir noch jeden Menschen als Person an, die es zu respektieren gilt, oder sind wir bereit, Situationen zu akzeptieren, in denen Menschen zum Mittel werden, um die Interessen und Wünsche anderer zu befriedigen?“

Vorgestellt wurde die Erklärung bei einer Nebenveranstaltung der 62. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats. Italien, Chile, Kamerun und der Heilige Stuhl waren Mitveranstalter, ADF International moderierte das Treffen. Kurz darauf legte die UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Reem Alsalem, dem Menschenrechtsrat einen neuen Bericht zu Gewalt gegen Mütter vor, der Leihmütter als besonders gefährdete Gruppe einstuft.

Auch der chilenische Menschenrechtsdirektor im Außenministerium, Felipe Kipreos Palau, beteiligte sich an der Vorstellung. „Die wachsende Globalisierung von Leihmutterschaftsvereinbarungen, insbesondere kommerzieller und grenzüberschreitender Praktiken, hat komplexe rechtliche, ethische und menschenrechtliche Fragen aufgeworfen“, erklärte er. Unterschiedliche nationale Regelungen begünstigten den Transfer von Risiken über Grenzen hinweg.

In Chile lag zu diesem Zeitpunkt ein Gesetzentwurf vor, der Leihmutterschaft vollständig verbieten und unter Strafe stellen sollte. Die zuständige Kommission im chilenischen Nationalkongress brachte den Entwurf im Januar 2026 voran, ein endgültiger Beschluss stand noch aus.

Italien dagegen hat die Praxis bereits 2004 im eigenen Land untersagt und seit 2024 auch die Beauftragung zur Leihmutterschaft im Ausland durch italienische Staatsbürger unter Strafe gestellt. Die Slowakei verbot die Praxis im September 2025 per Verfassungsänderung.

Sonderberichterstatterin Alsalem stellte sich hinter die Initiative der vier Staaten. „Die Staaten, die sich heute der Erklärung anschließen, erkennen an, dass Leihmutterschaft grundlegende Fragen der Menschenwürde und der Kommodifizierung von Frauen und Kindern aufwirft“, sagte sie. „Diese Erklärung zeigt, dass politisches Handeln möglich ist.“

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Bei der anschließenden Sitzung des Menschenrechtsrats widersprachen mehrere Staaten dem Vorstoß. Im Namen von 26 EU-Mitgliedstaaten wandte sich Irland gegen strengere globale Vorgaben zur Leihmutterschaft.

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Eine Regulierung würde „unterschiedliche Lebensrealitäten auslöschen“ und „Geschlechterstereotype verstärken, die zu Diskriminierung und Gewalt beitragen“, argumentierte die irische Vertreterin. Auch Kanada und Mexiko kritisierten Alsalems Vorschlag, den Begriff Mutter an das weibliche Reproduktionsvermögen zu binden.

Bereits im März 2026 hatte sich der Heilige Stuhl bei den Vereinten Nationen in New York gegen Leihmutterschaft ausgesprochen. Gemeinsam mit Italien, der Türkei und Paraguay organisierte die Ständige Vertretung des Heiligen Stuhls am Rand der 70. Sitzung der UN-Frauenrechtskommission eine Nebenveranstaltung zum Thema.

Erzbischof Gabriele Caccia, damals Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei der UN, hatte dabei Papst Leo XIV. zitiert, demzufolge Leihmutterschaft „die Würde sowohl des Kindes, das zu einem ‚Produkt‘ reduziert wird, als auch der Mutter, indem sie ihren Körper und den Zeugungsprozess ausbeutet“, verletze.

Das globale Marktvolumen der Leihmutterschaftsindustrie wurde 2024 auf rund 22,4 Milliarden US-Dollar geschätzt, bis 2034 soll es laut Analysen auf über 200 Milliarden US-Dollar steigen. Weltweit kommt es nach Schätzungen zu rund 4.000 Leihmutterschaften pro Jahr.

Ein Bericht des UN-Menschenrechtsbüros von Oktober 2025 dokumentierte ein erhöhtes Risiko für Geburtskomplikationen bei Leihmüttern: Sie traten in 7,8 Prozent der Fälle auf, gegenüber 2,3 Prozent bei natürlicher Empfängnis.


Alexander Folz

Alexander Folz ist freier Journalist bei CNA Deutsch und schreibt vor allem zu den Themen Glaube, Politik und Kultur. Er wuchs im Saarland auf und schloss sein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Leibniz Universität Hannover mit dem Bachelor of Science ab. Besonders interessiert er sich für die katholische Soziallehre, in der er eine Brücke zwischen Glaube und wirtschaftlicher Praxis sieht. Darüber hinaus hat er für die Magazine Lebensforum, Corrigenda und die katholische Wochenzeitung Die Tagespost geschrieben. Im Jahr 2024 nahm er an der Sommerakademie von EWTN in Rom teil.