Mit einer Geheimdienstoperation will die Ukraine den Druck auf Russland erhöhen, wie Wolodymyr Selenskyj mitteilt. Unterdessen gab es gegenseitige Angriffe auf Moskau und Kiew.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach eigenen Angaben eine neue Geheimdienstoperation abgesegnet. Die Operation werde 40 Tage dauern und diene dazu, Russland zum Frieden zu zwingen, schrieb er auf sozialen Netzwerken nach einem Treffen mit dem Chef des Inlandsgeheimdienstes SBU, Jewheni Chmara. Details nannte er nicht.
Russland führt seit mehr als vier Jahren Krieg in der Ukraine. Kiew wehrt sich nicht nur an der Front, sondern hat den Krieg inzwischen mit Drohnen in das Land des Aggressors zurückgetragen. Selenskyj bezeichnet die Schläge, die sich gegen Militär- und Rüstungsobjekte, aber auch Anlagen der Öl- und Gasindustrie richten, als „Langstrecken-Sanktionen“. Für diese Operationen sind oft verschiedene ukrainische Geheimdienste verantwortlich.
Auch in der Nacht zum Freitag startete die Ukraine nach russischen Angaben massive Drohnenangriffe auf Moskau. Innerhalb von etwa einer Stunde seien mindestens 28 auf Moskau zusteuernde Drohnen zerstört worden, erklärte der Bürgermeister der russischen Hauptstadt, Sergej Sobjanin. In der Region Tula wurde nach Angaben des dortigen Gouverneurs eine Industrieanlage in der Stadt Nowomoskowsk beschädigt. In der Gegend befinden sich mehrere große Chemiewerke. Zudem seien Stromleitungen beschädigt und eine Frau verletzt worden.
Explosionen in Kiew
In Kiew sind unterdessen am Donnerstagabend während eines Luftalarms mehrere Explosionen zu hören gewesen. Das berichteten Journalisten der Nachrichtenagentur AFP. Zuvor hatten die ukrainische Luftwaffe und die Stadtverwaltung vor russischen ballistischen Raketen gewarnt, die in Richtung der Hauptstadt abgefeuert worden seien.
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte im Onlinedienst Telegram, die Luftabwehr sei im Einsatz. Er rief die Einwohner auf, Schutzräume aufzusuchen. In einer weiteren Mitteilung erklärte Klitschko, im Bezirk Darnyzja seien Raketentrümmer auf einer Freifläche niedergegangen. Dort sei ein Lager in Brand geraten. Rettungskräfte seien auf dem Weg zu dem Ort. Bei den Angriffen sind nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen verletzt worden. Die beiden Verletzten seien ambulant behandelt worden, teilte Klitschko mit.
Der Bezirk Darnyzja liegt im Südosten Kiews am linken Ufer des Dnipro. Es handelt sich um ein dicht besiedeltes Wohngebiet. Zuvor hatte der Leiter der Militärverwaltung der Hauptstadt, Tymur Tkatschenko, erklärt, Russland habe „ballistische Raketen“ auf Kiew abgefeuert.
AFP-Journalisten sahen am Himmel über der Hauptstadt Rauchspuren, die von Flugkörpern der Luftabwehr hinterlassen wurden. Zudem hörten sie Explosionen während des Abfangens von Geschossen.
Lukaschenko betont, keine Kriegsabsicht zu haben
Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko ruft nach Spekulationen um eine Beteiligung seines Landes am russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine dagegen zu Gesprächen auf. Er habe erst kürzlich eine Delegation des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj empfangen und diesen davor gewarnt, Belarus in den Krieg hineinzuziehen, sagte Lukaschenko bei einem Treffen mit dem Gouverneur des Moskauer Umlands, Andrej Worobjow. „Unsere Position ist friedliebend“, sagte Lukaschenko der staatlichen Nachrichtenagentur Belta zufolge. „Lasst uns verhandeln, Leute.“
Lukaschenko betonte, keine Angriffsabsichten zu haben. Auf der anderen Seite ständen nur Einheiten der ukrainischen Territorialverteidigung. „Werden wir etwa auf diese Maschinenschlosser, Melkerinnen und Arbeiter schießen, die gar nicht gegen die Belarussen kämpfen wollen? Auch wir wollen nicht gegen die Ukrainer kämpfen“, betonte der belarussische Staatschef. Darüber habe er in der Vergangenheit auch mit Kremlchef Wladimir Putin geredet. Er sei sogar bereit, die Grenze zu öffnen, damit Ukrainer im belarussischen Grenzgebiet nach Beeren und Pilzen suchen könnten.
Selenskyj wiederum wiederholte den Vorwurf der Kriegsvorbereitungen gegenüber Minsk. „Entlang unserer Staatsgrenze zu Belarus werden Bauarbeiten für Straßen, Waffen- und Treibstoffdepots abgeschlossen, die keinen anderen als einen militärischen Zweck haben“, teilte Selenskyj in sozialen Netzwerken mit. Dazu veröffentlichte er Karten und Satellitenfotos, die diese Bautätigkeiten belegen sollen. Selenskyj forderte Belarus zur Deeskalation und zu einem Stopp der Bauarbeiten auf.
In den vergangenen Wochen sind die Spannungen zwischen Minsk und Kiew deutlich gewachsen. Die Ukraine warnte Belarus vor einer direkten Kriegsbeteiligung und sprach von Angriffsvorbereitungen. Beim Überfall auf die Ukraine vor mehr als vier Jahren starteten Putins Truppen auch von belarussischem Gebiet aus ihre Angriffe.
dpa/nw/luwi