Sex, Religion und Tabubrüche

Madonna 2025 bei der Met Gala in New York City.

Madonna 2025 bei der Met Gala in New York City.

Getty Images via AFP

Der Vatikan protestierte. Elternverbände liefen Sturm. Kritiker erklärten ihre Karriere regelmässig für beendet. Doch aus kaum einer Kontroverse ging Madonna als Verliererin hervor. Nun erscheint ihr neues Album «Confessions II». Zeit, auf die skandalösesten Schlagzeilen der Queen of Pop zurückzublicken.

Vania SpeschaDarum geht’s1984 schockierte Madonna mit «Like a Virgin» bei den MTV Awards und wird zum Weltstar.1989 löste das Video zu «Like a Prayer» Proteste aus, selbst der Vatikan kritisiert sie.1992 prägte Madonna mit dem Fotobuch «SEX» und provokanten Auftritten die Debatte über sexuelle Selbstbestimmung.2003 sorgte der MTV-Kuss mit Britney Spears und Christina Aguilera weltweit für Schlagzeilen.Trotz Kontroversen bleibt Madonna seit über 40 Jahren erfolgreich und prägt die Popkultur bis heute.Mit dem neuen Album «Confessions II» (erscheint am 3. Juli) schreibt die Queen of Pop ihre Karriere weiter fort.

Heute gehört es fast zum Alltag, dass Stars mit provokanten Outfits, gewagten Aussagen oder kontroversen Social-Media-Posts für Aufmerksamkeit sorgen. Als Madonna in den 1980er-Jahren aufstieg, war das noch anders.

Schon früh verstand sie, dass Popstars nicht nur über ihre Musik definiert werden. Sie spielte mit Mode, Religion, Sexualität und gesellschaftlichen Tabus und brachte damit regelmässig Menschen gegen sich auf.

Was für andere Künstlerinnen zum Problem geworden wäre, machte Madonna zu ihrem Markenzeichen. Kaum jemand beherrscht die Kunst der Provokation so konsequent wie sie. Ihre Karriere ist deshalb auch eine Geschichte der Schlagzeilen.

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte «Swisscom Werbung bei Dritten», um diesen Inhalt anzuzeigen.

Cookie – Einstellungen1984: Der Moment, als Madonna die Welt schockte

Es war der 14. September 1984 bei den MTV Video Music Awards. Madonna war damals 26 Jahre alt und auf dem Weg zum Popstar. Zwar hatte sie mit Songs wie «Holiday» bereits erste Erfolge gefeiert, der ganz grosse Durchbruch stand aber noch aus. An diesem Abend sollte sich das ändern.

Madonna betrat die Bühne in einem weissen Brautkleid, mit Spitzenhandschuhen und einem Gürtel mit der Aufschrift «Boy Toy». Während ihres Auftritts zu «Like a Virgin» rollte sie sich über die Bühne, spielte provokativ mit ihrer Sexualität und brach mit vielem, was damals von weiblichen Popstars erwartet wurde.

Für zahlreiche Zuschauer*innen war das ein Skandal. Konservative Kritiker warfen ihr vor, Grenzen zu überschreiten. Für viele Fans hingegen war der Auftritt ein Symbol weiblicher Selbstbestimmung.

Swisscom Festivalsommer

Die Empörung machte Madonna über Nacht zum Gesprächsthema. «Like a Virgin» wurde ihr internationaler Durchbruch und machte sie zum Weltstar. Der Auftritt zeigte früh, was ihre Karriere prägen sollte: Je grösser die Aufregung, desto grösser die Aufmerksamkeit.

1989: Als selbst der Vatikan wütend wurde

1989 sorgte Madonna erneut für einen Aufschrei – diesmal weit über die Musikwelt hinaus.

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte «Swisscom Werbung bei Dritten», um diesen Inhalt anzuzeigen.

Cookie – Einstellungen

Im Musikvideo zu «Like a Prayer» tanzte die leicht bekleidete Madonna vor brennenden Kreuzen und spielte bewusst mit religiösen Symbolen und sexuellen Anspielungen. Für viele war das ein Tabubruch. Konservative Gruppen protestierten, der Vatikan kritisierte das Video öffentlich und rief sogar zum Boykott ihrer Konzerte auf.

Besonders brisant: Kurz zuvor hatte Madonna einen millionenschweren Werbevertrag mit Pepsi abgeschlossen. Nach den Protesten zog der Konzern die Kampagne zurück.

Pepsi verlor die Nerven. Madonna verlor die Werbekampagne. Das Honorar behielt sie trotzdem. Madonna hatte erneut bewiesen, dass aus einer Kontroverse manchmal die beste Werbung entsteht.

1992: Der Kegel-BH und die Sex-Revolution

Anfang der 1990er-Jahre erreichte Madonnas Provokation eine neue Dimension. Mit der legendären «Blond Ambition»-Tour machte sie Sexualität endgültig zu einem zentralen Teil ihrer Kunst.

Zum Symbol dieser Ära wurde das von Jean Paul Gaultier entworfene Korsett mit dem berühmten Kegel-BH. Es sorgte international für Aufsehen und ist bis heute eines der bekanntesten Outfits der Popgeschichte.

Madonna eingekleidet von Jean-Paul Gaultier bei der Blonde Ambition Tour 1990.

Madonna eingekleidet von Jean-Paul Gaultier bei der Blonde Ambition Tour 1990.

IMAGO/Bridgeman Images

Aber Madonna ging noch einen Schritt weiter. Ihr Fotobuch «SEX», das 1992 herauskam, spielte mit freizügigen Bildern und sexuellen Tabus. Während Kritiker es als einen Skandal betrachteten, sahen die Fans es als einen Befreiungsschlag.

Für zahlreiche Frauen wurde sie damit zur Symbolfigur sexueller Selbstbestimmung. Für andere war sie der Beweis, dass Popkultur zu weit gegangen war. Genau dieser Konflikt machte Madonna zu einer der meistdiskutierten Persönlichkeiten ihrer Zeit.

2003: Der Kuss, über den die ganze Welt sprach

Bei den MTV Video Music Awards 2003 sorgte Madonna erneut für Schlagzeilen.

Gemeinsam mit Britney Spears und Christina Aguilera performte sie «Like a Virgin» und «Hollywood». Der Moment, über den danach alle sprachen, dauerte nur wenige Sekunden: Madonna küsste erst Britney Spears und dann Christina Aguilera auf den Mund.

Die Bilder gingen um die Welt. Dass die Queen of Pop dabei zwei der grössten Nachwuchsstars ihrer Zeit küsste, machte den Auftritt zusätzlich zum Gesprächsthema.

Britney Spears (links) und Madonna küssen sich während ihrem Auftritt an den MTV Video Music Awards 2003 in New York.

Britney Spears (links) und Madonna küssen sich während ihrem Auftritt an den MTV Video Music Awards 2003 in New York.

KEYSTONE/AP Photo/Julie Jacobson

Die Bilder gingen um die Welt und wurden zu einem der bekanntesten Momente der Popgeschichte.

Fast 20 Jahre nach ihrem Durchbruch bewies die Queen of Pop einmal mehr, dass sie die Regeln der Aufmerksamkeit besser verstand als alle anderen.

Die grösste Provokation: Madonna blieb

Viele Popstars erleben ihren Höhepunkt – und verschwinden wieder. Madonna tat das nie.

Seit ihrem Durchbruch in den 1980er-Jahren wurde ihr Karriereende unzählige Male vorhergesagt. Mal galt sie als zu provokativ, mal als nicht mehr zeitgemäss. Später drehten sich die Schlagzeilen um ihr Alter, ihr Aussehen oder ihre Social-Media-Auftritte.

Doch während Generationen von Popstars kamen und gingen, blieb Madonna. Sie veröffentlichte neue Musik, erfand sich immer wieder neu und sorgt auch nach vier Jahrzehnten noch für Diskussionen.

Vielleicht liegt genau darin ihr grösstes Erfolgsgeheimnis: Während die Öffentlichkeit vor allem die Schlagzeilen sah, beschäftigte sich Madonna hinter den Kulissen zunehmend mit Spiritualität und Sinnfragen. Im Podcast von Jay Shetty sprach sie offen über Krisen, Verluste und die Suche nach einem tieferen Lebenssinn.

«Du bist nicht dein Körper. Du bist deine Seele», sagte die Sängerin und erklärte, diese Überzeugung habe ihr geholfen, schwierige Phasen ihres Lebens zu bewältigen.

Vielleicht fasst kein Satz ihre Karriere besser zusammen als ihr berühmtes Zitat:

«Das Kontroverseste, was ich je getan habe, war zu bleiben.»

Die grösste Provokation der Queen of Pop war am Ende nicht ein Musikvideo, ein Bühnenoutfit oder ein Kuss. Sie bestand darin, sich nie an die Erwartungen anderer zu halten – und einfach zu bleiben.

Passend dazu veröffentlicht Madonna am 3. Juli ihr neues Album «Confessions II». Mehr als 40 Jahre nach ihrem Durchbruch schreibt die Queen of Pop damit das nächste Kapitel ihrer aussergewöhnlichen Karriere.

Sexparty auf dem Klo – Neuer Kurzfilm von Madonna wird heiss diskutiertMit ihrem neuen, überlangen Musikvideo zu «Confessions II» sorgt die Queen of Pop für Gesprächsstoff. Der zehnminütige Kurzfilm zeigt provokante Szenen und zahlreiche prominente Gastauftritte.