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Die deutsche Fernseh- und Streamingbranche blickt in der kommenden Woche geschlossen nach Düsseldorf. Nach einer einjährigen Pause kehrt das Screenforce Festival am Donnerstag, den 2. Juli 2026, unter dem schillernden Sommer-Motto „Big Screens & Summer Dreams“ zurück auf die ganz große Bühne. Für die großen kommerziellen Sender- und Vermarktungshäuser ist das Event der wichtigste Pflichttermin des Jahres.

Die deutsche Fernsehbranche trifft sich kommenden Donnerstag in Düsseldorf. Dort findet – nach einer Pause – wieder das Screenforce Festival statt, ein Event in erster Linie für die Werbewirtschaft, von dem natürlich aber auch wichtige Botschaften und Impulse an Publikum und Produkionslandschaft ausgehen.

Die großen kommerziellen Anbieter stellen dort ihre schon feststehenden Programmvorhaben für die Fernsehsaison 26/27 vor – nicht selten übrigens mit großer Show. Insbesondere RTLzwei wusste in den Vorjahren mit launigen Präsentationen sehr kurzweilig zu unterhalten.

5 Dinge, auf die die Branche besonders gespannt wartet

1. Das neue RTL

Die Ad Alliance als RTL-Vermarkter wird freilich den größten Part in dieser Veranstaltung haben. Das RTL-Screening ist aus mehrerlei Hinsicht ganz besonders spannend, war es doch der Zielgruppen-Marktführer, der in der zurückliegenden Saison an der ein oder anderen Stelle Schwächen hatte. Da ist natürlich schnell Stefan Raab zu nennen, dessen Weekly inzwischen nicht mehr um 20:15 Uhr, sondern erst um 23:15 Uhr läuft, aber auch der ein oder andere Quizversuch oder Show-Flops wie eine „Pumuckl“-Show oder „Hitster“.

Freilich: RTL baut auf einem starken Fundament auf, wird aber neben „Let‘s Dance“,  Dschungelcamp und DSDS auch neue Brands brauchen. An diesen neuen Impulsen haperte es ein wenig. Vielleicht noch spannender als einzelne Programmvorhaben, zu denen bei RTL seit einiger Zeit sehr verstärkt auch der Sport gehört, wird sein, ob RTL schon weitere strategische Einblicke in Sky-Programmvorhaben gewähren kann.

Der Pay-Anbieter selbst hatte im späten Frühjahr Einblicke in kommende Originals gegeben – die neue Führung von Sky hatte jetzt im Juni noch nicht viel Zeit, weitere Projekte zu ordern oder Weichen zu stellen. Welches Gefühl will man der Werbeindustrie aber für die Sky-Entertainment-Programme mitgeben? Wagt man sich schon in neue Stoßrichtungen vor? Beim RTL-Screening wird es neben den harten Fakten vermutlich also um „dieses neue Gefühl“ der zusammengeführten TV-Häuser gehen.

2. Bremse gelöst? Was macht ProSiebenSat.1

ProSiebenSat.1 hat sich im ersten Halbjahr was neue Programmimpulse angeht, recht verhalten gezeigt. Wenig verwunderlich, trifft die Werbekrise doch den Konzern aus Unterföhring recht hart – dort setzte man bis dato bei Joyn ja hauptsächlich auf ein AvoD-Angebot, das inzwischen vom neuen Management auch nicht mehr wie in früherer Form priorisiert wird. Anzunehmen, dass sich das auch im neuen Programm der linearen Sender zeigt. Gerüchte über die Rückkehr von Quiz/Spielshows für den Sat.1-Vorabend belegen das – Quiz gilt nicht das Streamingzugpferd. Wird Sat.1 im Gegenzug seine Soap-Ambitionen runterschrauben?

Wie sieht es mit hochwertiger Primetime-Fiction aus? Nach der gelungenen „Kommissar Rex“-Neuauflage rechnen Beobachter mit einer Fortsetzung, doch gilt das auch für „Der letzte Bulle“, dessen Erfolg bei Produktionspartner Prime unklar ist?

3. WBD – welchen Weg schlägt HBO Max ein?

Einen kleineren Part dürfte mit Warner Bros. Discovery ein weiterer großer Player im privatwirtschaftlichen TV-Sektor Deutschlands einnehmen. Für die linearen Free-TV-Sender sind keine allzu großen Überraschungen zu erwarten, Vieles dürfte sich eher um den im Januar auch in Deutschland gestarteten Streamer HBO Max drehen. Dieser hatte damals schon eine ganze Reihe von deutschen Serienproduktionen in Aussicht gestellt – etwa eine „Struwwelpeter“-Serie – die es nun den Werbekunden schmackhaft zu machen gilt. Aber sind auch ganz neue Projekte dabei? Bei HBO Max wird sich spätestens 2027 zeigen, ob es den anfangs angekündigten Weg auch durchzieht. Erinnerung: Auch Paramount+ startete hierzulande mit einigen deutschen Originals, hat sich derzeit aber aus der Fiction komplett zurückgezogen.

4. Neues Boom-Genre in Sicht?

Sender- und Plattformübergreifend wird es gelten tief in die Branche reinzuhören. Galt kostengünstig produzierbares und gut bei Streamern verwertbares Reality-Fernsehen zuletzt als heißes Eisen, wird es spannend sein, ob sich die Gewichtung in diesem Jahr schon ein Stück mehr wieder in Richtung hochwertiger Primetime-Fiction verschoben hat. Bekannte und langjährige Brands wie „Der Lehrer“ (RTL) oder „Kommissar Rex“ (Sat.1) hatten zuletzt schöne Erfolge gefeiert. Aber: Primetime-Fiction ist eben teuer, weshalb Kooperationen und geschickt ausgehandelte Verwertungsfenster nötig sind. Wer den großen US-Streamern Marktanteile abjagen will, wird aber nicht um hochwertige Ware auch in diesem Segment herumkommen.

5. Die Veranstaltung an sich

Allein der Umstand, dass das deutsche Fernsehen dieses Festival in Düsseldorf wieder auf die Beine stellt, ist ein gutes Zeichen. Ohne das Event wäre das Signal an die Werbewirtschaft klar gewesen: Nicht einmal wir investieren in Marketing für unser Programm. Das Screenforce Festival aber ist eine gute Bühne – für bestenfalls starke Programmideen und gute Brands, die nahbar und von hier sind. Das sind eigentlich unschlagbare Vorteile gegenüber Werbespendings an die Tech Riesen, wo die eigene Marke leichtsam neben Hass und Hetze im Web auftauchen kann.

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