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Hamburg damals (2016): Das letzte Konzert der Beatles in Hamburg 1966 (5 Min)

Stand: 26.06.2026 05:00 Uhr

Verzückte Teenager, erschöpfte Polizisten: Am 26. Juni 1966 gaben die Beatles zwei Blitzkonzerte in Hamburg – und in der Hansestadt war die Hölle los. Es sollten die letzten Auftritte der «Pilzköpfe» in Hamburg sein.

von Maya Ueckert*

Bahnhof Ahrensburg, 26. Juni 1966, 5.30 Uhr am Morgen: Ohrenbetäubendes Kreischen übertönt die quietschenden Bremsen des Sonderzuges mit den Beatles an Bord. Die mittlerweile weltberühmten Jungs aus Liverpool kommen in der kleinen Stadt vor den Toren Hamburgs an, um dem ganz großen Rummel rund um ihre Konzerte in Hamburg zu entgehen. Dennoch drängeln sich jubelnde und zweifellos hellwache Fans auf dem Bahnsteig. Die Mädchen «nehmen es an Lautstärke mühelos mit Fabriksirenen auf», schreibt die «Ahrensburger Zeitung» später.

Beatles als schwarzweißes Cut-out vor psychedelischen blauen Wolken, darüber ein gelbes U-Boot.

Vier Jungs aus Liverpool sprengen die Grenzen der Popmusik. Mehrmals. „Being The Beatles“ erzählt ihre Geschichte.

Die Beatles steigen im «Schloss Tremsbeatle» ab

Die Beatles in Hamburg, 26. Juni 1966, vor ihrem Konzert in der Ernst-Merck-Halle zeigen sie sich den Fans auf einem Balkon von Schloss Tremsbüttel

Die Fans bekommen die Beatles am Schloss Tremsbüttel nur ganz kurz zu sehen.

Die Beatles dagegen brauchen erst einmal eine Mütze Schlaf und tauchen ein paar Stunden in ihrer noblen Unterkunft unter. George Harrison, Ringo Starr, Paul McCartney und John Lennon steigen im Schlosshotel Tremsbüttel (Kreis Stormarn) ab, von den Medien «Schloss Tremsbeatle» getauft. Dort legen sie sich bis 13.30 Uhr aufs Ohr, wie die damalige Presse minutiös berichtet. Die Fans starren derweil draußen ungeduldig auf die Hotelfenster. Der magere Lohn eine Stunde später: Etwa 45 Sekunden zeigen sich die «Pilzköpfe» auf dem Schlossbalkon.

In Hamburg ist die Hölle los

Tausende von Jugendlichen versuchen am 26.06.1966 den Eingang zum Ausstellungsgelände Planten un Blomen in Hamburg zu stürmen. Grund: In der Ernst-Merck-Halle treten die Beatles auf.

Tausende Jugendliche haben sich am Dammtorbahnhof versammelt, um zum Konzert zu gelangen.

Danach geht es im Eiltempo nach Hamburg. Zwei kurze Konzerte sind an diesem Sonntag in der Ernst-Merck-Halle auf dem Messegelände bei Planten und Blomen im Rahmen der «Bravo-Blitz-Tournee» angesetzt. Rund um die Halle ist die Hölle los. So manch ein Erwachsener in der gediegenen Hansestadt reibt sich verwundert die Augen angesichts der Massenhysterie um die «halbwüchsigen Pilzbuben», gerne auch «Heuler» oder «Sängerknaben» genannt.

Beatles sind zu sehen, aber kaum zu hören

Schreiende Fans beim Konzert der Beatles am 26.06.1966 in der Ernst-Merck-Halle in Hamburg

Fan-Gekreische ohne Ende: In der Halle ist es superlaut.

«Es geht los!» heißt es schließlich drinnen ziemlich lapidar auf der Bühne. Was dann vor allem losgeht, als die Beatles lässig auf die Bühne springen: Fan-Gekreische ohne Ende. Eines der bedeutendsten Ereignisse der Hamburger Konzertgeschichte geht im ohrenbetäubenden Lärm der Fans nahezu unter. Die «Zeit» zitiert damals den Komponisten und Dirigenten Leonard Bernstein, denn auch der habe schon gesagt: «Wer zu den Beatles geht, der werde sie zwar sehen, aber nicht hören.» Sehen statt hören heißt es also auch bei den beiden Konzerten in Hamburg. Aber das tut der Stimmung keinen Abbruch, die Halle kocht. Nur einmal ist es laut Medienberichten fast ganz still: Als Paul McCartney «Yesterday» singt. Bloß leises weibliches Schluchzen ist zu vernehmen.

«Radauhelden» machen Krawall

Tausende von Jugendlichen versuchen am 26.06.1966 den Eingang zum Ausstellungsgelände Planten un Blomen in Hamburg zu stürmen. Grund: In der Ernst-Merck-Halle treten die Beatles auf.

Die Polizei hat alle Hände voll zu tun, die Massen in den Griff zu bekommen.

Polizei und Veranstalter hatten im Vorfeld der Konzerte Krawall in der Halle befürchtet, aber drinnen gehen laut Medienberichten bei den Beatles-Auftritten nur ein paar Stühle zu Bruch. Geschenkt. Draußen sieht das allerdings anders aus. Am Dammtorbahnhof hat die Polizei die Menschenmassen kaum im Griff, Wasserwerfer kommen zum Einsatz. Obwohl die Fans waffenscheinpflichtig kreischen, sind die meisten im Grunde friedlich und sehen vielfach recht gediegen aus. Dennoch gibt es Randale am Rande des Konzerts. Eine Gruppe von «langmähnigen Rabauken» macht ordentlich «Putz», wie es in der Presse heißt.

Ringo Starr, Paul McCartney, George Harrison und John Lennon 1966 in Hamburg

1960 spielen The Beatles ihr erstes Konzert im Indra auf St. Pauli. Später werden sie Weltstars. Um die Hamburger Jahre dreht sich ein NDR Podcast.

Polizisten mit Gummiknüppeln gegen «Horde Jugendlicher»

Eintreffen eines Wasserwerfers: Tausende von Jugendlichen versuchen am 26.06.1966 den Eingang zum Ausstellungsgelände Planten un Blomen in Hamburg zu stürmen. Grund: In der Ernst-Merck-Halle treten die Beatles auf.

Die Polizei setzt damals auch Wasserwerfer gegen die Jugendlichen ein.

Das «Hamburger Abendblatt» fasst es am Folgetag mit deutlichem Vokabular zusammen: «Eine vielköpfige Horde Jugendlicher, die sich am Dammtorbahnhof zusammengerottet hatte, zog randalierend durch die Straßen. Um 23 Uhr wurden in der Mönckebergstraße von den Radauhelden große Schaufensterscheiben eingeschlagen (…) Schutzpolizei und Kriminalbeamte griffen zu Gummiknüppeln. Jetzt gab es kein Pardon mehr. Großalarm für die Polizei.» Demnach gab es 117 Festnahmen, acht Polizisten wurden verletzt, in 26 Fällen mussten Sanitäter eingreifen, zwei Menschen kamen ins Krankenhaus.

Auch wenn die Polizei an diesem Ausnahmetag an der einen oder anderen Stelle ins Schleudern kommt – sie arbeitet dem Zeitungsbericht zufolge doch mit bemerkenswerter deutscher Gründlichkeit. Der Manager der Beatles, Brian Epstein, wird am Dammtor angehalten, kommt nicht durch, weil er keine Karte hat. Könne ja jeder sagen, dass er der Manager sei, bekommt er zu hören. Der Mann muss sich per Boten seine Identität bescheinigen lassen.

Protest gegen das Establishment

Abgesichert durch ein riesiges Polizeiaufgebot und unter dem Gekreische Tausender Fans besteigen die Beatles am 27.06.1966 in Hamburg-Fuhlsbüttel ihre Maschine nach Tokio.

Am Tag nach dem Konzert haben sich Tausende aufgemacht, um die Beatles am Hamburger Flughafen zu verabschieden.

Es ist die Zeit des Aufbegehrens gegen das Establishment. Aus heutiger Sicht ist im Juni 1966 nichts anderes passiert als Teenager-Konzerthysterie mit Randale am Rande, aber damals stand die Stadt Kopf. Verzückung, Ekstase, Hysterie – das «Hamburger Abendblatt» führt es auf das noch «ungeordnete Gefühlsleben der Halbwüchsigen» zurück. Die Meinungen zu den Jungstars sind jedenfalls geteilt, viele finden das alles «unerhört», andere gehen mit ihren Kindern ins Konzert und lassen sich von der Begeisterung mitreißen. Übrigens: Helmut Schmidt und seine Ehefrau Loki waren auch da.

Letzter Auftritt in Hamburg

Ringo Starr, Paul McCartney, George Harrison und John Lennon 1966 in Hamburg

Nach 1966 treten die Beatles nie wieder in Hamburg auf.

Fest steht: Wer nicht mit der wahnwitzigen Idee gekommen ist, die Musik der Beatles auch hören zu wollen, erlebt ein unvergleichliches Konzert. Für die Beatles ist es der letzte Auftritt in Hamburg, der Stadt, in der die Band groß geworden ist. Der Stadt, in der sie sich einst noch die Nächte mit kleinen Club-Konzerten um die Ohren schlugen und sich an der Bar von den Fans eine Runde Bier spendieren ließen.

Im Juni 1966 feiert Hamburg die nun weltberühmten Jungs, bis es kracht. Die Fans hoffen sehnlichst auf ein weiteres Konzert in Hamburg, aber dazu kommt es nicht mehr. Wenige Jahre später löst sich die Band auf. 1980 wird John Lennon erschossen.

* Die Autorin arbeitet inzwischen nicht mehr für den NDR.

Video:
Being the Beatles – Podcast erzählt die Erfolgsjahre der Band (3 Min)

Schwarz-weiß Aufnahme vom Schild des Clubs "Star-Club" in Hamburg.

Wegen zahlloser Eskapaden wurde dem berühmten Musikclub, in dem auch die Beatles spielten, im Juni 1964 die Konzession entzogen.

Ringo Starr, Mitglied der Beatles, bei einem Konzert in der Grugahalle in Essen am 25.06.1966

In Hamburg begannen die Beatles ihre Weltkarriere. Schlagzeuger Ringo Starr wurde am 7. Juli 1940 geboren. Er veröffentlicht immer noch Alben.

Begeisterte Jugendliche feiern 1964 im Hamburger Star-Club.

Mit dem Rock ’n‘ Roll erfasst die Jugend ab Mitte der 1950er-Jahre ein neues Lebensgefühl. Viele Hamburger Klubs verschreiben sich der neuen Musik.