
AUDIO: Lübecker «Heaven Can Wait»-Chor: Indie-Songs statt Volkslieder (4 Min)
Stand: 24.02.2026 15:06 Uhr
Der Hamburger Senioren-Chor «Heaven Can Wait» performt Pophits der Enkelgeneration und füllt damit große Konzerthallen. Auch in anderen Städten im Norden gibt es inzwischen Ableger – einen davon in Lübeck.
Chorprobe in einem Musikzentrum in der Lübecker Altstadt. Gearbeitet wird an dem Song «Walzer» der jungen Indiepop-Band Provinz – ein elegisches Liebeslied, das im Netz millionenfach geklickt wurde.
Die besondere Song-Auswahl ist typisch für die «Heaven Can Wait»-Chöre für Senior*innen in Hamburg, Hannover, Bremen und in Lübeck. Hans-Ulrich Gosmann und Sonja Schmielewski, beide 72 Jahre alt, kommen gerne hierher.
«Der Spaß, sich auch zusammen mit Alten jung zu fühlen»
Gosmann erzählt, dass er sich hier mit seinem Alter nicht so allein fühle wie in einem Chor, in dem lauter junge Menschen singen. «Und wir singen moderne Lieder, keine Volkslieder oder so.» Für Gosmanns Chorschwester Schmielewski geht es um «die Lebensfreude und den Spaß, sich auch zusammen mit Alten jung zu fühlen. Und über Sarah lerne ich hier Dinge kennen, die so noch nicht in meinem Erfahrungshorizont waren.»

Gemeint ist Sarah Sieprath. Sie ist 30 Jahre alt und leitet den «Heaven Can Wait»-Chor in Lübeck. Die Altersspanne der Gruppe: von Anfang 60 bis Ende 70. «Es war erst einmal eine Herausforderung, als junge Frau vor einem Chor zu stehen mit älteren Leuten – wo man sonst gelernt hat, man sollte sich eher zurücknehmen», erzählt Sieprath. «In diesem Fall musste ich aber die Ansagen machen und bin da mit der Zeit reingewachsen.»
Bewegende Momente bei den Soli
Der Chor habe natürlich nicht den gleichen Klang wie eine Gruppe mit jugendlichen Stimmen, sagt Sieprath. «Auf der anderen Seite haben ältere Stimmen einen gewissen Charakter, den junge Stimmen noch gar nicht haben können.» Besonders falle ihr das bei den Soli auf: «Wenn jemand das singt, der oder die das wirklich genauso fühlt in der Situation, mit der Lebenserfahrung, dann bewegt mich das einfach noch mehr.»
So einige Freundschaften sind hier im Chor entstanden. Auch für Hans-Ulrich Gosmann ist die Probe einmal in der Woche ein fester Termin: «Mein Freundeskreis ist nicht so groß. Daher ist es mir wichtig, hier unter Menschen zu sein.» Er und seine Chorleiterin sind sich einig: Es müsste mehr Gelegenheiten geben, wo Menschen aus unterschiedlichen Generationen zusammenkommen, miteinander Spaß haben und voneinander lernen.
Chorleiterin: «Lerne hier unglaublich viel»
«Ich erlebe, dass die Kontaktmöglichkeiten zwischen Jung und Alt total gering sind», so Gosmann. «Es fehlt auf jeden Fall eine Durchmischung.» Chorleiterin Sieprath findet: «Wir sind auf einer Ebene, egal wie viel Lebenserfahrung wir haben. Gleichzeitig lerne ich hier unglaublich viel über unterschiedliche Arten, sein Leben zu leben, die mir sonst verwehrt geblieben wären.»
Junge Chorleiterin, ältere Sängerinnen und Sänger – das funktioniert. Ein zweiter Lübecker «Heaven Can Wait»-Chor ist in Gründung.

Der Musiker leitet den Ü-70 Chores «Heaven Can Wait» in Hamburg und sagt: «Es gibt nichts Schöneres, wenn ältere Menschen sich öffnen.»

In der neuen Flora werden Kurse für Seniorinnen und Senioren angeboten. Über den «Heaven Can Wait Chor» gibt es sogar einen Kinofilm.
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