Stand: 01.07.2026 17:58 Uhr

Das Ostrockmuseum Kröpelin in der Nähe von Rostock bewahrt deutsche Rockgeschichte auf. Eine Zeitreise führt die Besucher zu Bands wie Pankow, Renft oder Stern-Combo Meißen.

von Christoph Hemker

Reinhardt Dankert, Thomas Lehner und Rüdiger Kropp sind die Kuratoren vom Ostrockmuseum in der Nähe von Rostock. Unzählige Male sind sie die Treppen zu ihrem einzigartigen Museum schon hinaufgestiegen. Auf dem jährlich stattfindenden Dorfrock-Festival kam die Idee vor Jahren auf. Studierende der Hochschule Wismar erarbeiteten das Konzept und die Stadt Kröpelin bot ihnen die Möglichkeit, dieses Konzept auch umzusetzen – 2015 wurde das Museum eröffnet.

Dort hängen unzählige Poster ostdeutscher Bands von City über Karat bis Rockhaus – aber auch eher weniger im Westen bekannte Bands wie Renft oder Stern Meissen. Auf einem Plattenteller läuft in einem nachgebauten DDR-Plattenladen Citys Hit «Casablanca». «War auch eine besondere Nummer – der Text ist sehr zweideutig», erzählt Thomas Lehner. Da heißt unter anderem:

Wenn er die Zigarette ausdrückt und die Augen reibt
Sieht er, wie sie ihm davonfliegt
Nur der Nebel bleibt

Songtextauszug aus «Casablanca» von City

«Man musste viele Dinge auch inhaltlich verstecken. Jeder wusste, worum es geht», sagt der Mit-Kurator.

Petra Zieger und Band bei der Veranstaltung "Rock für den Frieden" im Jahr 1987 in Ostberlin.

Die DDR-Regierung kontrollierte die Musik der DDR. Jugendliche sollten nach sozialistischen Idealen erzogen werden. West-Stars dienten als Propaganda-Mittel.

DDR-Musikszene war zweigeteilt

Karussell, Puhdys, Pankow, Karat sind nur einige, einer Vielzahl von top-ausgebildeten Profi-Bands. Progressiv, nicht immer tanzbar wie die Stern-Combo Meißen. «Ostrock ist deutsches Kulturgut», meint Reinhardt Dankert. «Die Besonderheit war, wir waren unter der Käseglocke. Man musste deutsche Texte machen. Die Musiker waren an Hoch- und Fachschulen ausgebildet. Es entstand eine besondere Form der Musik. Die hat es so im Westen nicht gegeben.»

Die DDR-Musikszene war zweigeteilt. Profi-Bands auf der einen, ambitionierte Amateur-Bands auf der anderen Seite. Amateur war auch Reinhard Dankert, er spielte in der Band «Atlas» die Gitarre. «Man hatte einen Versorgungsaufrag», erinnert er sich. «Wir mussten FDGB-Heime, Kulturhäuser und öffentliche Veranstaltungen mit Tanzmusik versorgen. Wir hatten ein breites Spektrum. Am Abend haben wir dann die Hits aus dem Westen gespielt – und nur wenige Titel aus dem Osten.»

Schlagersänger Frank Schöbel.

Geschichte und Geschichten rund um den Ostrock

Thomas «Tommy» Lehner spielte den Bass bei Riff. Bis zu 2.000 DDR-Mark haben sie monatlich dazuverdient: «Ein Lötkolben war das Wichtigste auf der Bühne – der wurde reingesteckt, bevor es losging. Irgendwas war immer kaputt.» US-Fender-Gitarren waren unerschwinglich. Immerhin haben sie sich Gitarren-Saiten aus dem Westen beschafft. «Ein Satz Rotosound-Saiten hat so 60 D-Mark gekostet», erzählt der Bassist und Mit-Kurator. «Wir haben 1:5 getauscht – also über 300 Mark für einen Satz Saiten bezahlt. Um die länger spielen zu können, haben wir die in einen Kochtopf gepackt: Trockengewischt, gefönt und wieder aufgezogen – dann ging sie wieder.»

Eine der ganz frühen Ostrock-Bands war die Klaus Renft Combo. Bis heute Rüdiger Kropps Lieblingsband. 1975 wurde Renft unter dem Vorwand der Steuerhinterziehung in der DDR verboten. Als die drei Musikliebhaber das Museum konzipierten, gingen die Kuratoren auf die Suche nach Originalstücken von Ostrock-Legenden. Auch die verbliebenen Renft-Mitglieder sprachen sie an, hatten Glück und so wanderte der Bass von Frontmann Klaus Renft in die Dauerstellung. Dort erfährt mal so einiges über die Geschichte und Geschichten rund um den Ostrock. Wer Glück hat, hört sie dort auch mal von Reinhardt, Rüdiger und Tommy persönlich.

Auftritt der Band "Renft" in Schmadebeck

City, Renft, die Puhdys – seit 25 Jahren treten sie in dem Kröpeliner Stadtteil auf. Rüdiger Kropp und sein Verein machen es möglich.

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Der Samtenser Frauenchor hat ganz besonders viel im Repertoire – auch beliebte Schlager aus der Zeit der DDR.

Louis Armstrong spielt Trompete

Im März und April 1965 tourte der «King of Jazz» durch die DDR. Sein Abschlusskonzert spielte Satchmo am 8. April in Schwerin.