Auf den Fahrplanwechsel 1947/48 wünschte sich der Zofinger Gemeinderat einen direkten Zug via Nationalbahnstrecke nach Zürich Hauptbahnhof. Hier verlässt eine heutige S28 den Bahnhof Zofingen in Richtung Lenzburg.Auf den Fahrplanwechsel 1947/48 wünschte sich der Zofinger Gemeinderat einen direkten Zug via Nationalbahnstrecke nach Zürich Hauptbahnhof. Hier verlässt eine heutige S28 den Bahnhof Zofingen in Richtung Lenzburg.

Bild: Philipp Muntwiler

Das Trassee war schon lange vorhanden, die Idee bereits eine ältere: Auf der Strecke, die von der Schweizerischen Nationalbahn (SNB) 1877 eröffnet wurde, sollte nach Wunsch der Zofinger Stadtbehörde ab Fahrplanwechsel 1947/48 endlich ein Zug durchgehend bis nach Zürich Hauptbahnhof rollen – vorerst zumindest am Morgen und am Abend.

Von diesem Plan berichtet das Zofinger Tagblatt auf der Front des Zweiten Blattes vom 20. Februar 1947, allerdings nur in wenigen Sätzen. Es handle sich dabei um «Aargauische Verkehrsprobleme», titelt das ZT an jenem Tag. Im Gegensatz zu heute ging es bei diesen «Verkehrsproblemen» um das Fehlen einer direkten Verbindung; aktuell beschäftigt die Region die geplante Streichung von Buslinien (siehe ZT vom 11. und 18. Februar ) oder, in jüngerer Vergangenheit, mögliche Stilllegungen von Bahnhöfen und Haltestellen (zum Beispiel Brittnau-Wikon 2022).

Kantonale Fahrplankonferenz schaut sich die Idee an

Vor knapp 80 Jahren war davon nicht die Rede, vielmehr wünschten sich die Zofinger einen direkten Zug nach Zürich: «Anlässlich der Auflage des Fahrplanentwurfes 1947/48 hat der Gemeinderat Zofingen an die aargauische Baudirektion das Begehren gestellt, es sei auf der Strecke Zofingen-Suhr-Lenzburg-Wettingen-Zürich (die Strecke der ehemaligen SNB, Anm. d. Red.) durch ein Zugpaar am Morgen und am Abend eine direkte Verbindung herzustellen.»

Die kantonale Fahrplankonferenz, die am 9. Januar 1947 in Brugg tagte, nahm sich des Zofinger Wunsches an. «Dabei stellte sich heraus, dass das Begehren zurzeit aus technischen Gründen nicht verwirklicht werden kann. Von seiner Weiterleitung an die Generaldirektion der SBB musste daher abgesehen werden», schreibt das ZT nüchtern.

Damals im ZT

Einmal im Monat öffnet die Redaktion eines der Jahrgangsbücher im Archiv und schaut, was zu jener Zeit im ZT aktuell war. Heute: Unerfüllte Zofinger Wünsche zum Fahrplanwechsel 1947/48.

Damit war die Sache erledigt, eine weitere Erklärung folgt nicht. Der Artikel behandelt anschliessend weitere Wünsche, welche die Konferenz beraten hat. Vor allem die Weiterführung der Seetal-Linie bis nach Aarau bringt das ZT seinen Leserinnen und Lesern näher: Die SBB seien zur Erkenntnis gelangt, schreibt das ZT, «dass sich die Verkehrsbedienung des nördlichen Seetals [als bedeutendem Wirtschaftsgebiet] nur dadurch radikal verbessern lässt, dass die Züge der Seetal-Linie nach Aarau geführt werden». Die bessere Anbindung an die Kantonshauptstadt wird dabei als besonders positiv hervorgehoben, ebenso die Möglichkeiten, die der Bahnhof Aarau biete – nämlich das Umsteigen auf Schnellzüge in Richtung Olten sowie Zürich via Brugg und Baden.

«Probleme von grösster betrieblicher Tragweite»

«Man muss sich aber klar sein, dass eine solche Lösung Probleme von grösster technischer, finanzieller und betrieblicher Tragweite auslöst», schreibt das ZT weiter. «Die nun der Vollendung entgegengehende Doppelspur Lenzburg–Rupperswil ist wohl eine der hierzu notwendigen Voraussetzungen, bedeutet aber den kleinsten Schritt auf dem einzuschlagenden Wege.»

Da sind sie wieder, die technischen Gründe, mit denen auch der Zofinger Wunsch abgeschmettert wurde. Es gilt zu bedenken, dass das Bahnnetz vor beinahe 80 Jahren noch ein anderes war als heute: Wer von Olten nach Zürich wollte, fuhr mit einem Schnellzug über Aarau, Brugg, Baden und Wettingen ans Ziel; von Zofingen gab es zwei Möglichkeiten: entweder via Olten oder mit der Nationalbahn zuerst nach Aarau und dann mit dem Schnellzug weiter nach Zürich. Immerhin haben zwei Vorgängerbahnen der SBB, die Schweizerische Centralbahn SCB und die Schweizerische Nordostbahn NOB, die Strecke Olten–Zürich als wichtigste Ost-West-Verbindung bereits zwischen 1861 und 1872 auf Doppelspur ausgebaut. Eine Entlastung dieser Strecke und zugleich deutliche Verkürzung der Reisedauer brachte der 1975 eröffnete Heitersbergtunnel.

Der Zofinger Wunsch nach Aufwertung der ehemaligen Nationalbahnlinie mittels eines direkten Zuges nach Zürich blieb 1947 Utopie – und ist es bis heute geblieben. Doch auch der Wunsch der Seetaler, die Seetalbahn bis nach Aarau zu führen, ging nicht in Erfüllung. Denn die Züge der Seetal-Line fahren noch immer an ihr eigenes Perron in Lenzburg. Doch hier sind bereits Umbauarbeiten im Gange, die Einführung der Linie in den Bahnhof beschlossene Sache. Die Inbetriebnahme ist laut SBB für das Jahr 2030 vorgesehen.