Vor zwei Jahren hat Söke Dinkla, die Direktorin des Lehmbruck-Museums, ein Werk des Künstlers Dejan Sarić bei einer Ausstellung im Düsseldorfer Kunstpalast gesehen. Söke Dinkla war fasziniert von dessen Rauminstallation mit dem Titel „Place to be“. Ein solcher begehbarer Raum, an dessen Decke farbig bemalte Platten aus Plexiglas baumeln, sei ideal auch für das Untergeschoss des Lehmbruck-Museums.

Jetzt ist es soweit: Unter dem Titel „In Between“ kann man ab sofort die faszinierenden Arbeiten des aus Serbien stammenden, seit Ende der 90er-Jahre in Düsseldorf lebenden Künstlers auch in Duisburg erleben. Die Einzelschau ist ein tolles Erlebnis, nicht zuletzt deshalb, weil sie nicht nur betrachtet werden kann, sondern auch betreten werden darf.

Dejan Sarić hat sich nicht damit begnügt, den im Kunstpalast gezeigten Raum nach Duisburg zu transportieren, vielmehr hat er eigens für das Lehmbruck-Museum einen zweiten Raum gebaut, der gewissermaßen spiegelbildlich zum ersten „Place to be“ konzipiert ist. Gemeinsam ist beiden, jeweils 15 Quadratmetern großen Kunst-Räumen, dass sie aus Hartfaser-Elementen gebaut sind und dass man sie betreten darf und muss, wenn man sie erleben möchte.

Der Kunstpalast-Raum ist wie ein Labyrinth gestaltet. Man bewegt sich durch die farbigen Plexiglas-Platten, die man mit einem Handgriff an anderer Stelle im Raum aufhängen kann. Die Innenwände sind rundum verspiegelt. Mit jedem Schritt ändern sich die Eindrücke und die Perspektive. Durch die Spiegeleffekte mischen und vervielfältigen sich die Farben, die hängenden Platten und nicht zuletzt die Menschen im Kunstwerk. Dejan Sarić sagte beim Pressegespräch, dass er bei dieser Arbeit der Idee der Unendlichkeit eine Gestalt geben möchte. Man könne auch von einem „explodierenden Raum“ sprechen.

Im zweiten Raum, der eigens für das Lehmbruck-Museum gestaltet wurde und der ebenfalls mit dem Titel „Place to be“ versehen ist, vertauscht der Künstler das Spiel von Farbe und Spiegel. Während im ersten Raum die Innenwände rundum verspiegelt und die hängenden Plexiglas-Platten farbig sind, ist es nun umgekehrt. Im „Duisburger Raum“ sind die Innenwände rundum mit Farbmustern bedruckt, während an den Wänden 81 schmale Spiegel-Latten locker wie Mobiles hängen. Der vorsichtige Besucher wird um diesen Spiegelwald herumgehen, wer etwas beherzter ist, geht mitten hindurch und erlebt noch mehr Spiegel- und Farbeffekte und sich selber als Bestandteil eines kaleidoskopartigen Spiels. Dachte der Künstler im ersten Raum an eine „Explosion“, so sieht er selber im Duisburger Raum eine „Implosion“.

Neben diesen beiden Räumen zeigt der Künstler eine Serie von 33 kleinen Reliefs, die in einer Reihe aufgehängt sind. Diese Reliefs stehen einerseits für sich selber, sie könnten andererseits aber auch Modelle für architektonische Arbeiten im Maßstab 1:20 sein, die der Künstler vielleicht noch gestalten möchte.

In einer anderen Werk-Serie zeigt sich Dejan Sarić als erfolgreicher Maler beziehungsweise Zeichner. Es sind acht Bilder in Ellipsenform, jeweils 1,80 Meter groß (exakt so groß der Künstler), bei denen neun Farben verwendet werden. Die Pointe ist, dass die Reihenfolge der Farben wie nach einer mathematischen Formel von Bild zu Bild verändert wird. Die Farbe Weiß bleibt als Konstante bei jedem Bild an der gleichen Stelle. Diese Bilder-Serie hängt im Lehmbruck-Museum als Leihgabe einer Bank, deren Vorstandsvorsitzender von der Achtergruppe so begeistert war, dass er sie komplett ankaufen ließ. Schön, dass sie nun auch in Duisburg zu sehen ist.

Interessant ist der Lebensweg des Künstlers: Dejan Sarić wurde 1966 in Serbien geboren. Zunächst studierte er zwei Jahre lang Medizin, begann dann aber ein Studium der Malerei an der Universität der Künste in Belgrad. Seine Magisterarbeit schrieb er über Joseph Beuys, dessen Werk und dessen Idee von der Sozialen Plastik ihn fasziniert hätten. Von 1998 bis 2002 konnte er im Rahmen eines DAAD-Stipendiums an der Kunstakademie Düsseldorf Bildhauerei bei Magdalena Jetelová studieren. Mittlerweile hat er die deutsche Staatsangehörigkeit.