Die ganz großen Erfolge liegen beim SC Bern schon eine Weile zurück. 16 Meisterschaften holte der Klub aus der schweizerischen Hauptstadt in seiner ruhmreichen Geschichte, aber die bislang letzte liegt nun bereits sieben Jahre zurück. Seitdem schafften es die „Mutzen“ nie weiter als ins Viertelfinale. Zuletzt war sogar bereits in den Play-ins zur Finalrunde Schluss. Viel zu wenig für einen der größten Eishockeyvereine Europas, der deswegen nun einen Umbruch vollzog: Anfang Mai lotste der SCB den mehrmaligen Meistertrainer Serge Aubin von den Eisbären Berlin ins Schweizer Mittelland.
Nun folgte der nächste Baustein für den Neuanfang: Auch Jeff Tomlinson kommt nach Bern. Der ehemalige DEG-Trainer beendete seine Beraterfunktion beim EHC Kloten und startet am 1. August als „Senior Hockey Consultant“ beim SCB. Dort wird der 56-Jährige während der Saison eine Woche pro Monat vor Ort sein und den Klub in verschiedensten Bereichen beratend zur Seite stehen. „Jeff bringt einen enormen Erfahrungsschatz mit, den wir gezielt für die Weiterentwicklung unserer gesamten Hockeyorganisation nutzen wollen“, wird Pascal Signer, Chief Hockey Officer beim SC Bern, in einer Klubmitteilung zitiert. „Mit seiner Erfahrung wird er die Weiterbildung unserer Trainer unterstützen und sich punktuell in Projekte zur Weiterentwicklung der Organisation einbringen.“
Tomlinson coachte ab 2020 praktisch blind
Wie Tomlinson, der bis heute in Düsseldorf lebt und die DEG weiter eng verfolgt, das geschafft hat? Sein Trainerteam wurde seine Augen. Unter anderem Tim Bertsche, der nun ebenfalls nach Bern wechselt. Er und andere nahmen Tomlinson Aufgaben ab, führten ihn durch die Halle, gingen für ihn einkaufen, beschrieben ihm das Training und die Spiele. Zusätzlich hatte Tomlinson während der Partien einen Knopf im Ohr, damit man ihm das Geschehen auf dem Eis wie bei einer Radioreportage beschreiben konnte. „Eine brutale Hilfe. Und sie haben das alles verheimlicht. Das war auch für sie viel Stress“, sagte Tomlinson.
Doch die Methoden hatten Erfolg. Rapperswil führte er auf diese Weise 2021 ins Play-off-Halbfinale. Anschließend wollte er eigentlich seinen bereits unterschriebenen Vertrag in Kloten wieder auflösen, doch er ließ sich unter anderem auch von Signer zum Weitermachen überreden – mit Erfolg. Nur ein Jahr später führte er den Zweitligisten zurück in die National League. Erst 2023 beendete er offiziell seine Trainerkarriere, blieb dem EHC allerdings als Berater erhalten. Danach machte er seine unglaubliche Geschichte öffentlich. Nun wartet ab August ein neues, sportliches Kapitel auf Tomlinson.