
AUDIO: Fernsehen in der DDR: Die acht beliebtesten Serien (5 Min)
«Zur See», «Polizeiruf 110», «Rentner haben niemals Zeit“
Stand: 10.07.2026 04:00 Uhr
Serien waren schon immer beliebt, auch lange bevor es Streamingdienste gab. In der DDR versammelte sich oft die ganze Familie vor dem Fernseher, wenn im «Westfernsehen» «Dallas» oder die «Schwarzwaldklinik» liefen. Doch auch sozialistische Produktionen wie «Das Krankenhaus am Rande der Stadt» und «Zur See» waren echte Straßenfeger. Sie machten ihre Darstellerinnen und Darsteller zu Stars, die damals «Fernsehlieblinge» hießen. Wir stellen acht der beliebtesten Serien in der DDR vor.
«Wege übers Land» – bewegendes Zeitzeugnis
Als dieser Fünfteiler im Jahr 1968 im Deutschen Fernsehfunk (DFF) ausgestrahlt wurde, war er ein echter Straßenfeger. Laut Umfragen saßen bei der Ausstrahlung 7,8 Millionen Menschen vor den Fernsehern, was einer Einschaltquote von 77 Prozent entsprach! Die Geschichte der Gertrud Habersaat, gespielt von Ursula Karusseit, verwob nachvollziehbar und erstaunlich undogmatisch persönliche Schicksale mit der noch lebendigen Zeitgeschichte.
Darum geht’s: Der Traum vom kleinen Glück scheint sich für die Magd Gertrud in einer arrangierten Ehe auf einem enteigneten Bauernhof im von Nazi-Deutschland überfallenen Polen zu erfüllen. Doch das Glück ist von kurzer Dauer – Krieg und Flucht vor der anrückenden Front bringen Sie letztlich zurück in ihr Heimatdorf in Brandenburg, wo der neue Staat die alten Besitzverhältnisse über den Haufen wirft. Manfred Krug als Antifaschist und Bürgermeister, der die Bauern von der Kollektivierung überzeugt, Armin Müller-Stahl als Gutsherr und Angelica Domröse als Gräfin ragten aus dem durchweg großartigen Schauspielensemble heraus.

«Wege übers Land» sollte sich für die 2019 gestorbene Ursula Karusseit auch Jahrzehnte danach als prägende Serie herausstellen.
Natürlich bewegt sich die Geschichte auf ein sozialistisches Happy End zu, doch der Weg dahin spart nichts Menschliches und keine Widersprüchlichkeit aus. Das macht «Wege übers Land» bis heute zu einem sehenswerten Zeitzeugnis, das nachvollziehbar zeigt, warum Menschen nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges an eine sozialistische Gesellschaftsalternative glaubten.
«Wege übers Land»
DDR, 1968
6 Episoden (438 Minuten)
Darstellende: Ursula Karusseit, Manfred Krug, Armin Müller-Stahl, Angelica Domröse u.a.
Streaming: Amazon Prime (kostenpflichtig)

«Rentner haben niemals Zeit» – Traumpaar Göring und Köfer
Traumpaare gibt es durchaus auch im fortgeschrittenen Alter – das bewiesen Helga Göring und Herbert Köfer in der Serie «Rentner haben niemals Zeit». In den 20 Folgen, die 1978 jeweils samstags um 19 Uhr über den Bildschirm flimmerten, drehte sich alles um den Alltag des Rentnerehepaars Schmidt.
Darum geht’s: Oma Anna, gespielt von Helga Göring, hielt die Familie zusammen und Herbert Köfer als Opa Paul war für die handfesten Verrichtungen des DDR-Alltags zuständig, den die Serie mit dezent-schrulligem Humor als gegeben akzeptiert. Die Rollenverhältnisse waren klar, die Probleme meist lösbar, familiärer und sozialer Zusammenhalt standen über allem. In Nebenrollen trugen Fernsehlieblinge wie Erwin Geschonneck und Rolf Herricht zum Erfolg der Serie bei.

In «Rentner haben niemals Zeit» spielen Helga Göring und Herbert Köfer das Ehepaar Schmidt.
Was dem einen heute spießig erscheinen mag, wird von anderen als «gute alte (Fernseh-)Zeit» gefeiert. Funfact: Sowohl Helga Göring als auch Herbert Köfer waren 1978 erst 55 Jahre alt, also noch ein ganzes Stück vom offiziellen Rentenalter entfernt! Und bis heute ist in vielen Gegenden im Osten «Rentner haben niemals Zeit» ein geflügeltes Wort.
«Rentner haben niemals Zeit»
DDR, 1978/79
20 Episoden (jeweils 25 Minuten)
Darstellende: Helga Göring, Herbert Köfer, Rolf Herricht, Edgar Külow, Uta Schorn, Erwin Geschonnek u.a.

«Polizeiruf 110» – ein «Tatort» für die DDR
Ein Jahr, nachdem in der ARD der Tatort mit einem «Taxi nach Leipzig» zum ersten Mal ausgestrahlt wurde (und sich der Legende nach Erich Honecker über das dröge DDR-Fernsehprogramm beschwert haben soll), bekam auch die DDR ihre Krimi-Serie. Auch im «Polizeiruf» machten sich diverse Ermittlerteams auf die Jagd nach Kriminellen, die sich überwiegend weniger schwerer Vergehen wie Einbruch, Erpressung, Betrug oder Diebstahl strafbar gemacht hatten.

Die Stars unter den Ermittlern waren Peter Borgelt als Hauptmann Fuchs, Jürgen Frohriep als Oberleutnant Hübner und Andreas Schmidt-Schaller als Leutnant Grawe. Kapriolen wie ihr westdeutscher Kollege Götz George als Kommissar Schimanski sie hatte, waren nicht im Drehbuch vorgesehen. Der Polizeiruf 110 sollte die Kriminalpolizei als Vorbild und Garant für Recht und Ordnung zeigen. Geraucht, getrunken oder gar geflucht wurde nicht, auch das Privatleben der Ermittler spielte keine Rolle.
Viel mehr interessierte die Psyche derer, die vom sozialistischen «Normalweg» abwichen und auf die schiefe Bahn gerieten, was durchaus auch dazu führte, dass reale Missstände in der DDR angesprochen wurden. Der Erfolg der Serie verhalf ihr bis heute zu einem festen Platz im Hauptprogramm der ARD. Nicht wenige sind sogar davon überzeugt, dass der Polizeiruf die spannenderen Fälle und Ermittlerteams auf den Bildschirm bringt als der Tatort.
«Polizeiruf 110»
DDR, 1972 – 1990
140 Episoden in Spielfilmlänge
Darsteller: Peter Borgelt, Jürgen Frohriep, Wolfgang Winkler, Sigrid Göhler, Marie Gruber u.a.


«Zur See» – Abenteuer hinterm Eisernen Vorhang
Eine der erfolgreichsten Serien der DDR-Fernsehgeschichte begleitete die fiktive Mannschaft des Handelsschiffs «J.G. Fichte» auf ihre Fahrten. Diese Mannschaft hatte es in sich, vereinte sie doch einige der größten Fernsehstars der DDR der 70er-Jahre. Als Kapitäne agierten Horst Drinda und Erik S. Klein, Günther Naumann gab den Chief, Günther Schubert und Jürgen Zartmann waren als Matrose bzw. Bootsmann an Bord.
Darum geht’s: Für die Zuschauerinnen und Zuschauer waren die Abenteuer vor der Küste Südamerikas, in Kuba und im Eismeer kleine Ausblicke in die Welt hinter dem Eisernen Vorhang. Doch die Serie widmete sich vor allem zwischenmenschlichen Dramen. Die lange Abwesenheit von Frauen und Familien machte den Männern an Bord zu schaffen, der Kampf mit Technik und Naturgewalten sorgte für Spannung, und auch Fragen menschlichen Versagens wurden verhandelt.

In «Zur See» nahmen Horst Drinda als Kapitän Karsten und seine Mannschaft das TV-Publikum mit in die Welt hinter dem Eisernen Vorhang.
Mit dem Abwerbeversuch eines zwielichtigen westdeutschen Diplomaten in der südamerikanischen Fremde wurde sogar zart auf einen der größten inneren Konflikte der DDR angespielt. Doch natürlich lässt Horst Drinda als vorbildlicher Kapitän seine Mannschaft und Republik nicht im Stich und hält das Schiff bis zum Serienende auf Kurs des gesellschaftlich vorgegebenen Drehbuches.
«Zur See»
DDR, 1974 – 76
9 Episoden (jeweils 60 – 75 Minuten)
Darstellende: Horst Drinda, Günter Naumann, Jürgen Zartmann, Günther Schubert, Rolf Hoppe u.a.
«Das unsichtbare Visier» – James Bond trifft auf Stasi
Eine der Ikonen der westlichen Kinokultur betrat 1962 erstmals die Leinwand: James Bond. War es vorstellbar, dass auch ein Geheimagent im Auftrag des Sozialismus die Massen begeistern könnte? Mit der Serie «Das unsichtbare Visier», die vom DEFA-Studio für Spielfilme von 1973 bis 1979 in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit produziert wurde, schien das zu gelingen.

In Zusammenarbeit mit der Stasi wurde «Das unsichtbare Visier» zu einer Art James-Bond-Serie der DDR.
Darum geht’s: Wenn Armin Müller-Stahl als Werner Bredebusch als «Kundschafter» im westlichen Ausland Nazi-Kriegsverbrecher jagte oder geheime Protokolle zur Wiederaufrüstung der Bundesrepublik in die DDR schmuggelte, saßen fast die Hälfte der ostdeutschen Fernsehzuschauerinnen und -zuschauer vor dem Bildschirm. Die Serie war insofern besonders, als dass der Alltag in der DDR kaum vorkam.
Allerdings ließ das Publikumsinteresse spürbar nach, als Hauptdarsteller Armin Müller-Stahl wegen seines Protestes gegen die Biermann-Ausbürgerung in Ungnade fiel und in der zweiten Staffel durch den weniger populären Schauspieler Horst Schulze ersetzt wurde. Die Realität holte die Filmfiktion ein.
«Das unsichtbare Visier»
DDR, 1973 – 79
2 Staffeln, 16 Episoden (jeweils 60 – 90 Minuten)
Darstellende: Armin Müller Stahl, Horst Schulze, Jessy Rameik, Marion van de Kamp, Helga Göring u.a.
Streaming: ARD Plus (kostenpflichtig)
«Das Krankenhaus am Rande der Stadt» – tschechische Sachsenklinik
Es ist wohl nicht zu viel behauptet, dass die Urquelle der Erfolgsserie «In aller Freundschaft» in dieser tschechischen Produktion zu finden ist, die 1979 erstmals im ersten Programm des DDR-Fernsehens zu sehen war. Schon lange vor der bundesdeutschen «Schwarzwaldklinik» fesselten die Begebenheiten aus dem Krankenhaus der fiktiven Provinzstadt Bor im tschechischen Erzgebirgsvorland das Publikum. Gedreht wurde im böhmischen Most. Die Geschichten um Patientinnen und Patienten einerseits und die beruflichen wie privaten Belange des Ärzteteams andererseits überzeugten durch ihre Authentizität und Lebensnähe.

«Das Krankenhaus am Rande der Stadt» fesselte lange vor der westdeutschen «Schwarzwaldklinik».
Fernsehproduktionen aus der ČSSR waren in den 80er-Jahren nicht nur in der DDR äußerst beliebt. Der WDR produzierte gemeinsam mit den tschechischen Kollegen so erfolgreiche Serien wie «Pan Tau», «Lucie, der Schrecken der Straße» und «Die Märchenbraut», in der DDR bekannt als «Die schöne Arabella und der Zauberer».
Auch «Das Krankenhaus am Rande der Stadt» wurde begeistert auf beiden Seiten der Mauer geschaut. Allerdings bekam die zweite Staffel der Serie für die bundesdeutschen Zuschauerinnen und Zuschauer eine eigene Synchronisationsfassung, während die erste Staffel mit der DDR-Synchronisation ausgestrahlt wurde.
«Das Krankenhaus am Rande der Stadt»
ČSSR, 1978 – 81
20 Episoden (jeweils 46 – 65 Minuten)
Darstellende: Ladislav Chudik, Ladislav Frej, Marie Mótlova, Elisa Balzérova u.a.
Streaming: Amazon Prime (kostenpflichtig)
«Die Frau hinter dem Ladentisch» – Mangelwirtschaft Fehlanzeige
Wie beim «Krankenhaus am Rande der Stadt» stammte das Drehbuch zur Serie «Die Frau hinter dem Ladentisch» von Jaroslav Dietl. Erzählt wird in 12 Episoden, die jeweils einen Monat des Jahres umfassen, die Geschichte der Prager Verkäuferin Anna Holubová, die nach der Scheidung von ihrem Mann einen Neuanfang wagt.
Darum geht»s: Als Leiterin einer Verkaufsstelle für Feinkostartikel sitzt Anna Holubová an der Quelle mancher oft schwer erfüllbarer Begehrlichkeiten, die auch in der DDR vielen bekannt vorgekommen sein dürften. In der 1978 erstmals ausgestrahlte Serie sind die Regale voll, das Leben pulsiert, die Verkäuferin Anna meistert ihr Leben souverän.
Nicht nur der Gegensatz zu den Versorgungsengpässen des Alltags, auch die idealisierte Darstellung der «Frau im Sozialismus» wirken heute hinterfragenswert. Doch für Hauptdarstellerin Jiřina Švorcová und Drehbuchautor Dietl war die Serie ein großer Erfolg.
«Die Frau hinter dem Ladentisch»
ČSSR, 1978
12 Episoden (jeweils 44 bis 56 Minuten)
Darstellende: Jiřina Švorcová, Jana Boušková, Vladimír Menšík u.a.
Streaming: Apple TV (kostenpflichtig)
«Märkische Chronik» – Kriegsende und Bodenreform
15 Jahre nach dem riesigen Erfolg des Fünfteilers «Wege übers Land» widmet sich die «Märkische Chronik» noch einmal der Entstehungsgeschichte der DDR.
Darum geht’s: Erzählt wird die Geschichte des fiktiven Dorfs Güterlohe. Die drei jugendlichen Freunde Hannes, Wilm und Jupp träumen von einem friedlichen Landleben mit Familie, Kindern und einem sicheren Auskommen. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges werden sie in die Wirren der Zeit geworfen. Die erste Staffel der «Märkischen Chronik» zeigt, wie die Schrecken des Krieges das Denken und Fühlen der Menschen verändern, bis das Dorf sich kampflos der anrückenden Roten Armee ergibt. Die zweite Staffel beginnt in den Nachkriegswirren des Jahres 1947. Deutschland ist besetzt, die alten Verhältnisse gestürzt, die neuen noch nicht errichtet. Bodenreform und beginnende Kollektivierung treiben die einen in den Westen, bei anderen wecken sie Hoffnung.

Für Walter Plathe war die «Märkische Chronik» ein wichtiger Schritt zum DDR-Fernsehliebling.
Auch in der Besetzung wird ein Bogen zu «Wege übers Land» geschlagen, Ursula Karusseit ist diesmal als Gutsfrau besetzt. Auf Manfred Krug und Armin Müller-Stahl musste der Cast diesmal verzichten – beide hatten die DDR bereits gen Westen verlassen. Das Ensemble vereinte mit Renate Geißler, Ute Lubosch, Wolfgang Drehler, Horst Schulze oder Fred Delmare trotzdem bekannte Fernsehgesichter.
«Märkische Chronik»
DDR, 1983
18 Episoden (jeweils 55 bis 60 Minuten)
Darstellende: Ursula Karusseit, Walter Plathe, Renate Geißler, Ute Lubosch, Wolfgang Drehler, Fred Delmare u.a.
Streaming: Amazon Prime (kostenpflichtig)
Redaktionelle Bearbeitung: Simon Bernard
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