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Die traditionsreiche englische Marke Norton ist nach ihrer Insolvenz 2020 zurück, jetzt unter indischer Regie. Der Motorradhersteller TVS aus dem Subkontinent hat die Namensrechte aufgekauft und in Solihull in der Nähe von Birmingham ein neues Werk hochgezogen. Norton will mit zwei neuen Modellreihen durchstarten, dem Superbike Manx R und dem Naked Bike Manx auf Basis eines 1200er-V4-Motors sowie den jetzt vorgestellten Reiseenduro-Modellen Atlas und Atlas GT. Während die 1200er sich im Hochpreissegment über 20.000 Euro tummeln, zielen die beiden Atlas-Modelle auf höhere Stückzahlen in der Mittelklasse. Der Name bezieht sich auf ein historisches Sportmodell mit 750er-Zweizylinder, hat also vom Segment her nichts mit der neuen Atlas zu tun.

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Honda Transalp

(Bild: 

Ingo Gach

)

Glatte Flächen

Bei der Atlas setzt Design-Chef Simon Skinner auf große, glatte Flächen. Auf wilde Kanten und Ecken verzichtet Norton. Sie wirkt sehr harmonisch, vielleicht schon ein wenig langweilig. Die Front ragt Reiseenduro-typisch hoch auf, mit einem fast senkrechten Windschild; die beiden LED-Projektionsscheinwerfer werden unterstrichen von einem LED-Tagfahrlicht, das wie ein Lächeln gezeichnet ist. Darunter sitzen in je einem Dreieck noch zwei optionale Zusatzscheinwerfer, übersehen kann man die Norton eigentlich nicht. Der Tank geht in einem Schwung in das Heck über, dahinter steigt die Atlas dann wieder steil an zum Soziusplatz. Ein breiter Lenker soll für gute Kontrolle sorgen, die serienmäßigen Handprotektoren integrieren die vorderen LED-Blinker. Der auf den Fotos abgebildete Motorschutz (219 Euro) kostet ebenso wie die Gepäckbrücke (209 Euro) Aufpreis.

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Norton bringt mit der Atlas eine neue Mittelklasse-Reiseenduro. (Bild:

Norton

)

Gitterrohrrahmen aus Stahl

Die Atlas basiert auf einem Gitterrohrrahmen aus Stahl, der jedoch von flächigen Covern verdeckt wird, die den Look eines Aluminiumrahmens vortäuschen. Angetrieben wird sie von einem 585 cm³ großen Motor mit 270 Grad Hubzapfenversatz. Der Reihenzweizylinder verfügt über Flüssigkeitskühlung und Vierventiltechnik. Er leistet 70 PS bei 9300/min und erreicht 57 Nm Drehmoment bei 7500/min. Norton gibt für die Enduro ein Gesamtgewicht von 188 kg trocken an, was recht leicht wäre. Mit allen Flüssigkeiten dürfte sie jedoch über 200 kg wiegen. So wäre die Atlas ordentlich, wenn auch nicht üppig motorisiert. Ihr Sechsganggetriebe kann zudem über einen Quickshifter geschaltet werden.

Fahrwerk mit Komponenten von KYB

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Bei einer Reiseenduro sollte der Komfort im Vordergrund stehen und so greift Norton beim Fahrwerk zu bewährten Bauteilen des Zulieferers KYB. Die Upside-down-Gabel weist 43 mm Durchmesser auf und ist genauso voll einstellbar wie das hintere Federbein. Letzteres kann über eine hydraulische Ferneinstellung in der Vorspannung variiert werden. Zwei radial montierte Vierkolbenbremssättel von Bybre, einer Brembo-Marke, mit 310 mm großen Bremsscheiben verzögern die Atlas am Vorderrad. Hinten packt die Einkolbenbremse eine 270-mm-Bremsscheibe.

Die Enduro kommt mit Keyless-Entry-System und Startknopf vor dem Lenkkopf. Im Cockpit trumpft die Norton mit einem 8-Zoll-TFT-Touchscreen auf – das ist außergewöhnlich. Natürlich per Bluetooth mit dem Smartphone kompatibel und entsprechend können Apps von dort dargestellt werden. Eine Sechs-Achsen-IMU von Bosch ermöglicht viele elektronische Assistenzsysteme, wie beispielsweise das Kurven-ABS oder die schräglagensensible Schlupfregelung. Dazu kommen Slide- und Launch-Control, Berganfahrhilfe sowie ein Tempomat und fünf Fahrmodi.

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Die Atlas besitzt LED-Licht rundum, an der Front „lächelt“ das Tagfahrlicht. (Bild:

Norton

)

Zwei Modellvarianten

Der entscheidende Unterschied zwischen der Atlas und Atlas GT ist das Vorderrad. AVS positioniert die Norton Atlas als Reiseenduro mit einer 19 Zoll großen Gussfelge vorn und leichtem Geländeprofil. In naher Zukunft soll es gegen Aufpreis Drahtspeichenräder geben, womit die Norton deutlich geländetauglicher würde. Die Atlas GT hingegen hat ein 17-Zoll-Vorderrad mit Straßenbereifung und fällt damit in das immer beliebter werdende Segment der Crossover-Bikes. Während der Atlas 180 mm Federweg vorn zur Verfügung steht, sind es bei der GT nur 140 mm. Hinten rollen beide Versionen auf einem 17-Zoll-Rad und federn auf 180 mm Länge.

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Nicht wirklich günstig

Norton bietet die Atlas ab 9250 Euro an, eine etwas besser ausgestattete Variante namens Atlas Apex startet bei 10.525 Euro, sie hat unter anderem einen größeren Motorschutz, Kurvenlicht, verstellbaren Windschild und die Gepäckbrücke schon inklusive. Norton gewährt drei Jahre Garantie. Den Preis der Atlas GT mit 17-Zoll-Vorderrad hat der Hersteller noch nicht bekannt gegeben, er dürfte sich aber auf demselben Niveau bewegen.

Preislich ist die Atlas nicht wirklich günstig, denn sie sieht sich einer immer größer werdenden Schar von Mittelklasse-Reiseenduros aus China gegenüber, die sie im Preis erheblich unterbieten. Obwohl die Atlas bereits in Solihull produziert wird und bestellbar ist, hat Norton noch keinen Verkaufstermin für Deutschland genannt.

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