Balingen ist an diesem Wochenende wieder Metal-Hochburg: Das RV-Bang-Festival ist in seiner dritten Ausgabe längst aus dem Schatten des Vorgängerfestivals, dem Bang-Your-Head-Festival, das von 1999 bis 2019 auf dem Balinger Messegelände stattfand, herausgetreten. Knapp 5000 Metalfans aus ganz Deutschland stürmten am Freitag den „Holy Ground of Heavy Metal“, wie das Areal in Szenekreisen genannt wird – schließlich haben in der beschaulichen Kleinstadt schon viele Größen des Metals aus aller Welt gespielt. Vor zwei Jahren hat der Balinger Rockverein rund um die Vorsitzenden Josef Sauter, Alexander Bartsch und Technik-Chef Elischa Dommer das neue Metal-Festival als Hommage an das legendäre „Bang Your Head“ aus der Taufe gehoben.

Erst düsterer Metal, dann Heiratsantrag

Mittlerweile wirkt das Team eingespielt, vieles wurde professionalisiert – doch ohne die Bedürfnisse der Metalfans aus den Augen zu verlieren. Rund 350 Ehrenamtliche Helfer – viele von ihnen sind Mitglied im Balinger Rockverein – sind an verschiedenen Positionen im Einsatz: Viele von ihnen hinter der Bar oder am Grill, andere helfen beim Aufbau, bei der Festivalbändchenausgabe oder als Springer.

Der Freitag hatte es in sich: Schon als sich um 10 Uhr die Tore des Festivalgeländes öffneten, strömten die Metalfans aufs Areal. Den Auftakt auf der Bühne machte mit Tales of Valor ein Eigengewächs des Balinger Rockvereins. Nicht nur ihre Texte sind düster – auch ihre Gesichter sind im typischen Corpse Paint geschminkt.

Der Sänger von Tales of Valor, MitchBild vergrößern

Der Sänger von Tales of Valor, Mitch (Foto: Roland Beck)

Doch die Balinger bewiesen, dass sie nicht nur finster können. Für den emotionalsten Moment des Tages sorgte Sänger Mitch, als er seiner Freundin Claudia mitten auf der Bühne einen Heiratsantrag machte. Ihre Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Sie sagte Ja – und das Publikum johlte.

Wie vielfältig die Metal-Szene ist, zeigte unter anderem die Band Snow White Blood. Fast orchestrale Klangwelten trafen auf harte Gitarrenriffs und treibende Drums, während die  mit ihrer kraftvollen, opernhaften Stimme den Songs eine besondere Atmosphäre verlieh.

Kaum ein Bandname passte am Freitag besser als H.E.A.T. – denn die Sonne brannte erbarmungslos auf das Festivalgelände. Während die Metalfans unter der Nebeldusche, mit einem kühlen Bier oder im Schatten nach Abkühlung suchten, schien Sänger Kenny Leckremo die Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke kaum zu beeindrucken. Er betrat in einer engen Lederkluft die Bühne und heizte dem Publikum mit seiner energiegeladenen Performance zusätzlich ein.

Michael Schenker heizt ein

Für einen der eindrucksvollsten Auftritte des Tages sorgten Orden Ogan mit einer aufwendig inszenierten Bühnenshow mit Feuer. Ihre epischen, melodischen Songs erzählen die düstere Geschichte der Kunstfigur Alister Vale, die auch auf der Bühne in Erscheinung trat und der Performance eine theatralische Note verlieh.

Höhepunkt des Festival-Freitags war freilich der Auftritt von Michael Schenker, einem der einflussreichsten Gitarristen des Hardrock und Heavy Metal. Bereits als Teenager spielte er auf dem Debütalbum der Scorpions mit, bevor er mit der britischen Rockband UFO internationale Erfolge feierte. Anschließend gründete er die Michael Schenker Group (MSG), mit der er zahlreiche Klassiker veröffentlichte..