Der dritte Festivaltag zeigt, dass das RV-Bang-Festival längst auf Betriebstemperatur ist – und das liegt nicht nur am heißen Sommerwetter. Trotz der langen ersten beiden Festivaltage füllt sich das Balinger Messegelände schon am Morgen. Kutten voller Band-Patches, lange Haare und zur „Pommesgabel“ geformte Hände prägen das Bild – das unverkennbare Erkennungszeichen der Szene. Am Samstagabend kam schließlich die Nachricht mit der die Konzertgänger schon gerechnet haben: Ausverkauft. 5000 Besucher.
Viele Metalfans kehren seit Jahren jeden Sommer auf den „Holy Ground of Heavy Metal“ zurück, wie das Messegelände in der Szene genannt wird. Von 1998 bis 2019 war es Heimat des legendären Bang-Your-Head-Festivals. Aus diesem Grund ist auch das RV-Bang-Festival, das in diesem Jahr in die dritte Runde geht, ein Wiedersehen alter Bekannter. Entsprechend hoch ist auch der Altersdurchschnitt. Zu den langen Mähnen gesellen sich immer mehr kahle Köpfe, manche Metaller sind mit einer Gehhilfe unterwegs. Gleichzeitig steht vor der Bühne die nächste Generation, und auch viele, die seit Jahrzehnten dabei sind, geben im Moshpit Vollgas und headbangen mit derselben Begeisterung wie früher.
Für die passende musikalische Kulisse sorgte am Samstag ein Line-up, das die ganze Bandbreite des Metal abbildete. Den Auftakt machten Mad Era aus Freiburg mit modernem Nu Metal: brachial, eingängig und voller Energie.
Veteranen des Metal
Zu den Veteranen des Tages gehörten Tankard. Die 1982 gegründete Band zählt neben Kreator, Sodom und Destruction zu den prägenden Größen des deutschen Thrash Metal. Während viele Genrekollegen auf düstere oder gesellschaftskritische Themen setzen, haben sich Tankard mit einem augenzwinkernden, biergetränkten Image und kompromisslosem Thrash Metal ihre ganz eigene Nische geschaffen. Das Publikum dankte es mit lautem Mitsingen, Pogo und Moshpit.
Nicht weniger traditionsreich sind Rage. Das Trio ist seit mehr als vier Jahrzehnten im Geschäft bewies auf der großen Open-Air-Bühne, wie vielseitig das Genre sein kann. Unterstützt vom Lingua Mortis Orchestra verband die Band kraftvolle Gitarrenriffs mit orchestralen Arrangements. Vor allem die Streicher verliehen den Songs eine epische, fast symphonische Dimension.
Der Auftritt stand auf der Kippe
Beinahe wäre der Auftritt von Sonata Arctica ins Wasser gefallen. Wegen einer Flugverspätung stand die Anreise der Finnen lange auf der Kippe. Erst kurz vor ihrem Auftritt erreichten sie Balingen und betraten die Bühne mit rund 15 Minuten Verspätung – zur Erleichterung ihrer zahlreichen Fans. Die feierten den melodischen Power Metal, getragen von der markanten, klaren Stimme von Frontmann Tony Kakko.
Den Schlusspunkt setzten die Thrash-Metaller von Overkill. Nach Auftritten beim Bang Your Head in den Jahren 2011 und 2018 standen die New Yorker bereits zum dritten Mal auf einer Balinger Festivalbühne. Mit ihrem kompromisslosen Thrash Metal, hohem Tempo und ungebrochener Energie lieferten sie den passenden Abschluss für das RV Bang.
Was vor zwei Jahren als Hommage an das Bang Your Head begann, hat sich inzwischen als eigenständiges Festival etabliert. Dass das Konzept funktioniert, zeigte nicht zuletzt das ausverkaufte Wochenende mit 5000 Besuchern. Eine Fortsetzung ist bereits geplant: Das nächste RV Bang findet vom 15. bis 17. Juli 2027 statt. Welche Bands dann in Balingen auf der Bühne stehen werden, ist allerdings noch offen.