ROLLING STONE Badge

Empfehlungen der Redaktion

Seit über drei Jahrzehnten hat Billy Joel kein Rockalbum mehr veröffentlicht. Sein letztes, das vielgelobte „River of Dreams“ von 1993, markierte das Ende einer produktiven Songwriter-Karriere. In einem aktuellen Interview erklärte er nun, warum er die Feder seitdem weitgehend ruhen lässt: Er wollte sein Vermächtnis nicht „verwässern“.

Im Gespräch mit Musikerkollege Rick Beato sagte Joel, nach der Veröffentlichung von „River of Dreams“ habe er gespürt: „Ich war fertig.“ „Ich war verheiratet [mit Christie Brinkley], hatte ein Kind. Ich wollte mich nicht mehr wie ein Mönch in eine Höhle einschließen und nur noch dem Schreiben widmen“, fuhr er fort. Nach zwölf Alben habe er sich gedacht: „Weißt du was? Die Beatles hatten auch zwölf Alben.“ Und das sei für ihn einfach genug gewesen.

Joel zufolge verwässern manche Künstler ihr Erbe, indem sie einfach weitermachen. „Vielleicht sind sie nicht mehr so gut wie früher, oder die Motivation fehlt – und am Ende läuft alles aus“, sagte er. „So wollte ich nicht enden.“

Klassik statt Rock

Vom Songschreiben hat sich Joel dennoch nicht vollständig verabschiedet. 2001 erschien mit „Fantasies & Delusions“ ein klassisches Album. „Dazu war ich bereit, das musste ich einfach aus mir heraus“, sagte er über sein zwölftes Studioalbum. „Ich wollte nicht einfach ein totes Pferd weiterreiten und nur deshalb gespielt werden, weil ich Billy Joel bin. Es sollte gut sein – und ich erkannte, dass mir die Motivation von früher fehlte. Also sagte ich mir: ‚Hör auf. Mach es nicht kaputt.’“

Dem Songschreiben hat Joel aber nicht gänzlich den Rücken gekehrt. 2024 veröffentlichte er mit „Turn the Lights Back On“ seinen ersten originalen Song seit 17 Jahren. Die zarte Ballade, produziert von Freddy Wexler, entstand gemeinsam mit Joel, Wexler, dem britischen Songwriter Wayne Hector und Arthur Bacon.