PCOS

PMOS soll den Stoffwechsel stärker in den Mittelpunkt rücken

Das bisher als Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) bezeichnete Krankheitsbild zählt zu den häufigsten endokrinen Erkrankungen bei Frauen im reproduktiven Alter. Schätzungen zufolge sind weltweit mehr als 170 Millionen Frauen betroffen. In Deutschland liegt die Prävalenz bei bis zu 15 %. Dennoch bleibt die Erkrankung häufig unerkannt: Bis zu 70 % der Fälle werden nach Angaben der Fachgesellschaften nicht diagnostiziert. 

Während die bisherige Bezeichnung den Fokus vor allem auf ovarielle Veränderungen legte, zeigen aktuelle Erkenntnisse, dass neben reproduktionsmedizinischen Aspekten insbesondere metabolische Veränderungen den Krankheitsverlauf prägen. Vor diesem Hintergrund wird das Syndrom künftig international als Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS) bezeichnet. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) erläutern, weshalb die neue Nomenklatur das Verständnis der Erkrankung erweitern und die frühzeitige Diagnostik fördern soll. 

Neuer Krankheitsname beschreibt die Pathophysiologie präziser

Nach Angaben der Fachgesellschaften spiegelt der neue Begriff die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen besser wider als die bisherige Bezeichnung. PMOS beschreibt eine Erkrankung, bei der hormonelle und metabolische Störungen eng miteinander verknüpft sind.

Eine zentrale Rolle spielt die Insulinresistenz. Vermindert sich die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen, steigt die Insulinsekretion kompensatorisch an. Der resultierende Hyperinsulinismus stimuliert in den Ovarien die Produktion von Androgenen und trägt dadurch zu Ovulationsstörungen sowie Zyklusunregelmäßigkeiten bei. 

Gleichzeitig soll der neue Name ein Missverständnis der bisherigen Nomenklatur korrigieren. Die bei der Ultraschalluntersuchung sichtbaren Veränderungen entsprechen nicht echten Ovarialzysten, sondern Follikeln. Die Bezeichnung PCOS habe daher den Eindruck vermittelt, Zysten seien das zentrale Merkmal der Erkrankung, obwohl diese nicht den Kern der Pathophysiologie darstellen. 

Diabetes und Zyklusstörungen beeinflussen sich gegenseitig

Nach Einschätzung von Professorin Dr. med. Susanne Reger-Tan sind Stoffwechsel und weiblicher Zyklus eng miteinander verbunden. Diabetes, Gewicht bzw. Adipositas sowie Insulinresistenz könnten den Menstruationszyklus beeinflussen. Umgekehrt müsse die Diabetologie hormonelle Rhythmen künftig stärker berücksichtigen.

Die Expertin betont, PMOS sei nicht ausschließlich ein reproduktionsmedizinisches oder gynäkologisches Krankheitsbild, sondern stelle zugleich ein oft übersehenes kardiometabolisches Risiko dar. 

Fachgesellschaften unterstützen die Umbenennung

Mehrere wissenschaftliche Fachgesellschaften, darunter DGE, DDG, Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sowie die Deutsche Gesellschaft für pädiatrische und adoleszente Endokrinologie und Diabetologie (DGPAED), haben den Namenswechsel in einer gemeinsamen Stellungnahme begrüßt.

Nach Auffassung der Fachgesellschaften verdeutlicht die neue Bezeichnung, dass PMOS über Zyklusstörungen und Fertilitätsprobleme hinaus mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen verbunden ist. Zudem könnte die neue Nomenklatur dazu beitragen, bislang nicht diagnostizierte Patientinnen früher zu identifizieren. 

Interdisziplinäre Versorgung soll früher ansetzen

Die neue Patientinnenleitlinie übernimmt die Bezeichnung PMOS bereits. Daraus leiten die Fachgesellschaften Konsequenzen für die Versorgung ab: Das Krankheitsbild sollte nicht ausschließlich gynäkologisch betrachtet werden, sondern es sollte eine interdisziplinäre Betreuung durch Gynäkologie, Endokrinologie und Diabetologie erfolgen.

Empfohlen wird, bei Frauen mit PMOS den Glukosestoffwechsel zu untersuchen. Umgekehrt sollte bei prämenopausalen Frauen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes und klinischen Hinweisen wie Zyklusstörungen, Akne, Hirsutismus oder Haarausfall gezielt an PMOS gedacht werden. Gleichzeitig weisen die Fachgesellschaften darauf hin, dass andere Ursachen für Zyklusstörungen differenzialdiagnostisch ausgeschlossen werden müssen. 

Neue Nomenklatur soll Diagnostik und Prävention verbessern

Die Umbenennung von PCOS in PMOS verfolgt das Ziel, die metabolischen Aspekte der Erkrankung stärker in den klinischen Fokus zu rücken. Insbesondere die enge Verbindung zwischen Insulinresistenz, Diabetes und reproduktiven Störungen soll dadurch im klinischen Alltag früher berücksichtigt werden.

Ob die neue Terminologie tatsächlich zu einer verbesserten Diagnosestellung und einer konsequenteren interdisziplinären Versorgung beiträgt, wird sich erst im Versorgungsalltag zeigen. Sie könnte jedoch dazu beitragen, das Bewusstsein für die kardiometabolischen Risiken der Erkrankung zu schärfen und Patientinnen früher einer geeigneten Diagnostik sowie Prävention diabetesassoziierter Folgeerkrankungen zuzuführen.